
DJ FOKUS: Telekom-Strategie überzeugt Analysten nicht
Von Stefan Paul Mechnig
Dow Jones Newswires
DÜSSELDORF (Dow Jones)–Nachdem Rene Obermann mit seiner Strategie und den Konzernzahlen bereits die Börse enttäuschte, hat der Telekom-Chef auch von Analysten überwiegend negative Kommentare bekommen. Die T-Aktie wurde am Freitag von großen Banken zurückgestuft. Das neue Programm hätte nach Ansicht der Experten vor allem im Hinblick auf Kostensenkungen ambitionierter ausfallen dürfen. Der Gewinneinbruch, den die Telekom wegen des schwachen Inlandsgeschäfts erlitt, bekümmert hingegen die Analysten weniger - die Zahlen seien im Großen und Ganzen ausgefallen wie erwartet, hieß es durchweg.
Obermann hatte tags zuvor sein mit Spannung erwartetes Konzept verkündet, das zum einen Schritte zur Stabilisierung der Lage auf dem Heimatmarkt, zum anderen eine forcierte Expansion im Mobilfunk vorsieht. Dazu erwägt er Übernahmen, möglicherweise auch in Schwellenländern. Das kam bei den Analysten von Merryll Lynch nicht gut an - sie bezeichneten mögliche Akquisitionen als Risikofaktor. Außerdem vermisst die Investmentbank zusätzliche Sparmaßnahmen. Die Konsequenz: Sie rät jetzt den Anlegern, die Aktien zu verkaufen.
Auch Morgan Stanley sieht das Papier nun mit anderen Augen - die Anlageempfehlung lautet nur noch "Equal-weight". Damit wird den Titeln nicht länger ein größeres Potenzial als anderen Aktien des Sektors zugesprochen. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Telekom weitere Restrukturierungsschritte unternehmen würde, schrieben die Analysten. Um einen weiteren Kursanstieg zu rechtfertigen, hätte der Vorstand über das bisherige Kostensenkungsprogramm hinausgehen müssen.
Obermann will bis 2010 bis zu 4,7 Mrd EUR einsparen, davon rund zwei Mrd bereits in diesem Jahr. Außerdem will die Telekom rund 3 Mrd EUR über den Verkauf von Beteiligungen einnehmen, die sie nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Auch hier hätte sich Morgan Stanley eine deutlich größere Summe gewünscht. Die Analysten finden daher die Aktien von Telefonica, dem großen Rivalen der Telekom in Europa, attraktiver als die Papiere des DAX-Konzerns. Die Spanier hätten den Shareholder-Value mehr im Blick, meinte Juan Jimenez von der US-Investmentbank.
Morgan Stanley rührt damit an ein Grundproblem der Telekom, die als ehemaliger Staatsbetrieb und großer Arbeitgeber auch Interessen jenseits des Kapitalmarkts gerecht werden muss. Aus der Stakeholder-Perspektive steht Obermann in den kommenden Monaten vor der schwierigen Aufgabe, die Ausgliederung von rund 50.000 Beschäftigten in neue Untergesellschaften so zu bewerkstelligen, dass aus dem Unmut der Betroffenen kein Flächenbrand entsteht.
Die Citigroup sieht vor dem Hintergrund der Streikbereitschaft bei der Gewerkschaft ver.di schon eine gewisse Abschwächung in der Haltung des Managements: Dieses lege den Schwerpunkt inzwischen mehr auf eine Anhebung der Arbeitszeit bei den Mitarbeitern, so dass größere Gehaltskürzungen im Rahmen der Auslagerung weniger wahrscheinlich seien. Darüber hinaus mache der parallel laufende Stellenabbau - die Telekom will erreichen, dass bis Ende 2008 rund 32.000 Beschäftigte den Konzern verlassen - die angestrebte Serviceverbesserung im Deutschlandgeschäft schwierig.
Für den Turnaround hier werde die Telekom einen hohen Preis bezahlen müssen, meinte Citigroup-Analyst Michael Williams. Auch der Einführung einer Billigmarke im Inland stehen sie skeptisch gegenüber. Hier bestehe die Gefahr, dass das Preisniveau noch weiter nach unten gezogen werde und die Telekom sich "kannibalisiere". Alles in allem seien die Botschaften aus Bonn wenig dazu angetan, die bisherige Haltung gegenüber der Telekom zu ändern: "Wir bekräftigen unsere Verkaufsempfehlung", lautet das Fazit des Instituts.
Besorgt zeigt sich auch das Bankhaus Merck Finck mit Blick auf die Zweitmarke: Diese könnte auf den Gewinn drücken, meint Analyst Theo Kitz. Die HypoVereinsbank schlug ebenfalls skeptische Töne an. Die Telekom habe keine Klarheit darüber vermittelt, was auf der Personalseite noch geschehen müsse, um das Sparziel für 2007 zu erreichen, führte Analyst Thomas Friedrich aus. Das könne dazu beigetragen haben, dass die T-Aktie an der Börse durchfiel und die Verliererliste im Dax anführte. Der Telekom-Spezialist wiederholte gleichwohl seine Empfehlung, die T-Aktie im Depot zu behalten.
Webseite: http://www.telekom3.de
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