
DJ UPDATE: Enel baut Endesa-Anteil auf 22% aus - E.ON schweigt
Von Andreas Heitker
Dow Jones Newswires
DÜSSELDORF (Dow Jones)–Im Kampf um den spanischen Stromversorger Endesa verliert die E.ON AG gegenüber ihrem italienischen Konkurrenten Enel immer mehr an Boden. Die Enel SpA sicherte sich nach eigenen Angaben für insgesamt 9,09 Mrd EUR mittlerweile den Zugriff auf rund 22% der Endesa-Anteile.
E.ON selbst blieb dagegen nur die Beobachterrolle. "Es gibt keine Genehmigung der CNMV und der SEC, Endesa-Aktien zu kaufen", erklärte der DAX-Konzern am Freitag lediglich. Zuvor hatte die spanische Börsenaufsicht CNMV mitgeteilt, E.ON habe die Genehmigung beantragt, über den freien Markt Aktien ihres Übernahmeziels kaufen zu dürfen. Falls die CNMV eine solche Genehmigung erteile, werde sie dies öffentlich machen, hatte die Börsenaufsicht hinzugefügt.
Unklar blieb jedoch, ob die Aufsicht in Spanien oder die US-Börsenaufsicht SEC dem Düsseldorfer Strom- und Gasversorger die beantragte Genehmigung verweigert haben, Endesa-Aktien unabhängig vom laufenden Übernahmeangebot am freien Markt zu kaufen. E.ON selbst hüllte sich am Freitag weiter in Schweigen und war auch nicht bereit, Auskünfte zum weiteren Vorgehen bei Endesa zu geben.
Wenig transparent blieben nach wie vor auch die Motive von Enel, in den Poker um Endesa einzusteigen. Armando Iobbi, ein in Mailand ansässiger Analyst von Centrosim, sagte, ihm sei nicht klar, worauf das Investment hinauslaufe. Eine ganze Reihe von Lösungen seien gleich wahrscheinlich - von einer Zerschlagung Endesas bis hin zu einer Kooperation bei der Führung des spanischen Unternehmens. Möglich sei aber auch, dass Enel im Endeffekt einen großen Anteil an Endesa besitze, ohne eine klare Vorstellung von der operativen Führung des Unternehmens zu haben.
Das in Rom ansässige Energieunternehmen hat sich bislang nicht eindeutig zum Übernahmeangebot von E.ON positioniert. Zahlreiche Beobachter vermuteten in den vergangenen Tagen, dass dem Einstieg bei Endesa eine Vereinbarung der spanischen und der italienischen Regierung zugrunde liegt. Der italienische Staat ist noch Großaktionär bei Enel.
Ohne die Zustimmung von Enel und dem spanischen Mischkonzern Acciona, der ebenfalls mit über 20% bei Endesa eingestiegen ist, wird E.ON bei der am 20. März stattfindenden Hauptversammlung von Endesa kaum die nötige Mehrheit für die geforderten Satzungsänderung erhalten. Einer Änderung der derzeitigen Stimmrechtsbeschränkung müssten nämlich mehr als 50% des gesamten Endesa-Kapitals zustimmen.
Enel hat sich ihren Endesa-Anteil für 39 EUR je Endesa-Aktie gesichert. Zu diesem Preis erwarb der italienische Konzern unter anderem von der Mediobanca Banca di Credito Finanziario SpA eine 0,43-prozentige Beteiligung, wie am Freitag bestätigt wurde. Zuvor kaufte Enel bereits 9,99% am freien Markt und vereinbarte zusätzlich Optionen zum Kauf von 11,58% Aktien. Insgesamt will Enel knapp 25% aller Endesa-Aktien kaufen. Dem muss der spanische Energiemarktregulierer jedoch noch zustimmen.
E.ON bietet den Aktionären des spanischen Stromversorgers 38,75 EUR je Anteilsschein und darf dieses Angebot zurzeit auch nicht weiter aufstocken. Die E.ON-Aktie verlor am Freitag weitere 1,74% auf 95,93 EUR. Merck-Finck-Analyst Theo Kitz erklärte, mit Enel als Großaktionär werde es für E.ON sehr schwer, die Kontrolle bei Endesa zu erhalten. Er sei dennoch zuversichtlich, dass E.ON auch künftig dieselbe finanzielle Disziplin im Endesa-Poker an den Tag legen werde wie bisher.
Webseiten: http://www.eon.de/
http://www.enel.com/
http://www.endesa.com/
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