Positiver Trend auf dem deutschen Kunstmarkt: Endpreise in Millionenhöhe

Positiver Trend auf dem deutschen Kunstmarkt: Endpreise in Millionenhöhe IMAGO / Xinhua

Der deutsche Kunstmarkt zieht mit seinen Auktionen nun auch vermehrt das Interesse internationaler Klientel auf sich und kann trotz der pandemiebedingten Einschränkungen aufgrund der damit einhergehenden Digitalisierung einen Aufwärtstrend mit Rekordergebnissen aufweisen.

Lukrative und erlesene Sammlerstücke
Das Auktionsjahr 2021 hat sich für deutsche Auktionshäuser bislang als äußerst lukrativ erwiesen. So meldete das Münchener Auktionshaus Ketterer Rekordergebnisse mit »Millionenerlösen und Weltrekorden«. Zu den hochpreisig verkauften Kunstwerken gehört allen voran das 1967 entstandene Gemälde »Doppelspindel-Rot« des deutschen Malers Ernst Wilhelm Nay, dass für einen Endpreis von 2,25 Millionen Euro verkauft wurde. Laut dem »Handelsblatt« befand sich das Gemälde zuvor im Besitz der Düsseldorfer Niederlassung der Deutschen Bank. Ketterer habe die Sammlung der Deutschen Bank erworben und bereits Ende des vergangenen Jahres Werke für 4,2 Millionen Euro aus deren ehemaligem Besitz umsetzen können.

Auch Gerhard Richters »Abstraktes Bild«, gehört zu den vom Münchener Auktionshaus mit einem Millionenerlös verkauften Kunstwerken. Für einen Endpreis von 1,5 Millionen Euro verblieb das Gemälde trotz regem Interesse seitens internationaler Bieter aus Hongkong, den USA der Schweiz in Deutschland. Zu den mit Rekordergebnissen verkauften Kunstobjekten gehört unter anderem auch das für 1,125 Millionen Euro verkaufte Gemälde »Gebogene Spitzen« des russischen Malers Wassily Kandinsky. Insgesamt neun Kunstwerke mit einem Endpreis von über einer Million Euro hat Ketterer bislang in diesem Jahr verkauft und erlangte in den Frühjahrsauktionen einen Gesamterlös inklusive Zuschlagspreis und Aufschlagsgeld von 44 Millionen Euro.

Rekordsummen in Millionenhöhe
Auch das Berliner Auktionshaus Griesbach vermeldet bahnbrechende Ergebnisse bei den diesjährigen Sommerauktionen. Mit einem Endpreis von 1,465 Millionen Euro für das Spätwerk »Reiter in der Allee bei Sakrow« des deutschen Malers Max Liebermann wurde die eine Million geknackt und sogar die Schätzung von etwa 500.000 bis 700.000 Euro verdoppelt. Laut einer Pressemitteilung des Auktionshauses sei es »die bislang höchste Summe, die via Internet auf einer Auktion in Deutschland geboten wurde.«

Griesbach konnte laut eigenen Angaben weitere Weltrekorde verzeichnen. So errang das Art Institute in Chicago bei der Versteigerung der Sander Collection das »Wandbild für einen Fotografen« des deutschen Künstlers Franz Wilhelm Seiwert bei einer vormaligen Schätzung von 400.000 bis 600.000 Euro für einen Rekordpreis von 1,125 Millionen Euro. Insgesamt erzielte Griesbach im ersten Halbjahr 2021 einen Umsatz von 24,3 Millionen Euro.

Auch das Kölner Haus Van Ham vermeldet eine Rekordsaison mit einem Halbjahresergebnis von etwa 24 Millionen Euro. Nach Angaben des Auktionshauses handele es sich um »die beste Frühjahrssaison in der Geschichte des Hauses«. Ganze 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konnte Van Ham zulegen. Mit dem Verkauf von 2,193 Millionen Euro für Andy Warhols »Flowers« erzielte das Kölner Haus seinen bisherigen Auktionsrekord, der den internationalen Verkaufsrekord von 2019 bei Sotheby’s, bei dem die vollständige Flowers-Reihe versteigert wurde, mehr als verdoppeln konnte.

Neben den Rekordversteigerungen kann Van Ham auch einen Zuwachs an Neukunden aus über 65 Ländern verzeichnen, was sich wahrscheinlich ebenfalls auf die durch die Pandemie forcierte Digitalisierung zurückführen lässt. Ebenfalls rekordverdächtig ist das Ergebnis einer Auktion für asiatische Kunst des Stuttgarter Auktionshauses Nagel, bei dem eine kaiserliche Bronze von 1473 im Endergebnis 14,07 Millionen Euro erzielte. Dies entspricht dem deutschen Auktionsrekord für Kunst.

Fortschreitende Veränderungen im deutschen Kunsthandel
Auch das Münchener Auktionshaus Karl & Faber profitierte nach eigenen Angaben von der fortschreitenden Digitalisierung und verzeichnete »eine Erfolgsbilanz«, die sich auf die Investitionen des Kunsthauses in die digitale Innovation zurückführen lässt. Allein die im ersten Halbjahr 2021 durchgeführten Online-Only-Auktionen brachten insgesamt einen Erlös von mehr als einer halben Million Euro. Auch konnte das Ergebnis des zweiten Halbjahres 2020 um knapp 20 Prozent gesteigert werden.

Der positive Aufwärtstrend des Kunstmarktes in Deutschland und die steigende Fokussierung von internationaler Klientel auf hierzulande angebotene Kunstobjekte scheint auch das Interesse des traditionsreichen Auktionshaus Sotheby’s geweckt zu haben. Das Unternehmen kündigte seinen noch in diesem Jahr stattfindenden Umzug nach Köln als zukünftig sechsten Auktionsstandort neben London, Paris, Genf, Zürich und Mailand an und wäre laut eigener Angaben dann das »einzige internationale Auktionshaus, das in Deutschland Auktionen durchführen wird.«

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