Unternehmen

Industrie verlagert Wachstum ins Ausland

Viele Unternehmen investieren zwar weiter, schaffen neue Jobs aber zunehmend außerhalb Deutschlands

3 Min.

30.06.2026

Die deutsche Industrie steht weiter unter Druck. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen bis 2030 mit weiterem Stellenabbau in Deutschland rechnen. Wachstum, Produktion und Forschung werden stärker ins Ausland verlagert – vor allem wegen hoher Standort- und Personalkosten.
 

Deutschlands Industrie richtet sich international neu aus. Nach einer aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft Horváth in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt rechnen 60 Prozent der befragten Unternehmen bis 2030 mit weiterem Stellenabbau in Deutschland. Bis zu 100.000 Industriearbeitsplätze könnten demnach auf der Kippe stehen.

Besonders betroffen sind Autoindustrie, Maschinenbau und Bauwirtschaft. Viele Unternehmen wollen zwar weiter wachsen, planen dieses Wachstum aber immer seltener mit zusätzlichen Arbeitsplätzen in Deutschland. Neue Jobs entstehen stattdessen häufiger in Indien, China, Nordamerika oder Osteuropa.

Nur wenige Firmen wollen Personal aufbauen

Laut der Umfrage wollen nur 16 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland noch Personal aufbauen. Viele Firmen setzen im Inland eher auf Automatisierung, Effizienzsteigerung und den Erhalt bestehender Anlagen. Neue Produktionskapazitäten und zusätzliche Beschäftigung werden dagegen stärker in internationale Märkte verlagert.

Als Grund gelten vor allem hohe Standort- und Personalkosten. Bürokratie und Energiepreise bleiben zwar ebenfalls wichtige Belastungen, doch laut der Umfrage wiegen die Lohn- und Arbeitskosten für viele Unternehmen besonders schwer.

Auslandsinvestitionen nehmen zu

Der Trend passt zu Zahlen der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Demnach planen 43 Prozent der Industriebetriebe in diesem Jahr Investitionen außerhalb Deutschlands. Besonders auffällig: 41 Prozent der Unternehmen nennen Kosteneinsparungen als Motiv für Auslandsinvestitionen. Das ist der höchste Wert seit 2003.

Für den Industriestandort Deutschland ist das ein Warnsignal. Wenn Unternehmen zwar investieren, neue Kapazitäten aber verstärkt im Ausland aufbauen, verliert Deutschland langfristig nicht nur Arbeitsplätze. Es drohen auch Know-how, Zuliefernetzwerke und industrielle Wertschöpfung abzuwandern.

Standort Deutschland unter Druck

Die Entwicklung trifft eine Industrie, die ohnehin seit Jahren schwächelt. Hohe Kosten, schwache Nachfrage, internationale Konkurrenz und geopolitische Unsicherheit belasten viele Branchen. Besonders die Autoindustrie steht unter Druck, weil sie gleichzeitig mit Elektromobilität, chinesischer Konkurrenz, Digitalisierung und sinkenden Margen kämpft.

Auch der Maschinenbau leidet unter schwacher Investitionsbereitschaft vieler Kunden. In der Bauwirtschaft wirken hohe Finanzierungskosten und eine schwache Konjunktur nach. Für viele Unternehmen wird deshalb entscheidend, wo sie künftig günstiger, schneller und näher an wachsenden Märkten produzieren können.

Mehr als eine Konjunkturdelle

Der Stellenabbau ist deshalb mehr als eine kurzfristige Reaktion auf schlechte Auftragslage. Er zeigt einen strukturellen Wandel. Deutsche Unternehmen organisieren Produktion, Forschung und Entwicklung internationaler. Das Prinzip lautet immer häufiger: produzieren, wo Märkte wachsen und Kosten besser kalkulierbar sind.

Für Deutschland bedeutet das eine schwierige Aufgabe. Der Standort muss wettbewerbsfähiger werden, wenn industrielle Beschäftigung gehalten werden soll. Dazu zählen niedrigere Kosten, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, verlässliche Energiepreise und bessere Bedingungen für Investitionen.

SK

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