120 Millionen Euro im Eurojackpot: Für einen 35-Jährigen wurde der Traum vom großen Gewinn Wirklichkeit. Nun steht er vor der Frage, wie er sein Leben mit einem solchen Vermögen gestalten möchte.
FRONTMATTER – VARIANTE 1
H1: 120 Millionen Euro auf dem Girokonto
H2: Warum der Eurojackpot-Gewinner aus NRW jetzt vor einer ungewöhnlichen Aufgabe steht
H3: Ein 35-Jähriger gewinnt den Höchstjackpot. Doch wie sicher sind 120 Millionen Euro bei einer Bank – und was verändert ein solches Vermögen?
FRONTMATTER – VARIANTE 2
H1: 120 Millionen gewonnen – und jetzt?
H2: Was ein Rekordgewinn über Einlagensicherung, Steuern und den Umgang mit plötzlichem Reichtum verrät
H3: Ein spontaner Lottotipp macht einen Mann aus NRW zum Multimillionär. Seine finanziellen Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt – der Schutz seines Vermögens nicht.
Ein 35-Jähriger aus dem Kreis Mettmann hat beim Eurojackpot 120 Millionen Euro gewonnen. Das Geld soll in wenigen Wochen auf sein Girokonto überwiesen werden. Was zunächst erstaunlich unspektakulär klingt, führt zu einer besonderen Frage: Wie verwaltet man ein Vermögen, das praktisch über Nacht entsteht? Denn zwischen einem gewöhnlichen Kontoguthaben und einer langfristig gesicherten Existenz liegen bei dieser Summe erhebliche Unterschiede.
36,80 Euro Einsatz – 120 Millionen Euro Gewinn
Eigentlich wollte er an diesem Dienstag gar nicht spielen. Doch ein 35-jähriger Mann aus dem Kreis Mettmann bei Düsseldorf änderte kurzfristig seine Meinung und gab für 36,80 Euro einen Eurojackpot-Spielschein ab. Eine Entscheidung, die seine finanziellen Lebensumstände grundlegend verändern dürfte.
Mit den Zahlen 11, 17, 20, 22 und 35 sowie den Eurozahlen 4 und 8 traf er bei der Ziehung am 13. Oktober 2026 als einziger Teilnehmer die vollständige Gewinnkombination. Der Hauptgewinn von 120 Millionen Euro geht damit vollständig an ihn.
Besonders ungewöhnlich: Bereits bei der vorherigen Ziehung hatte er dieselben Zahlen gespielt und damit lediglich zehn Euro gewonnen.
Der Mann ist seit 2020 Kunde des Online-Anbieters Lotto24, spielt nach Angaben des Unternehmens aber nur gelegentlich. Die Nachricht über seinen Gewinn erhielt er zunächst über die App. Als ihn anschließend ein Mitarbeiter anrief, sei er überwältigt und nahezu sprachlos gewesen.
Die Auszahlung soll in rund vier Wochen erfolgen, ganz gewöhnlich per Überweisung auf sein Girokonto.
Damit hat Nordrhein-Westfalen erstmals einen einzelnen Eurojackpot-Gewinner, der die Höchstsumme von 120 Millionen Euro erhält. Bislang lag der größte Einzelgewinn des Bundeslandes bei rund 110 Millionen Euro aus dem Jahr 2022.
Die Wahrscheinlichkeit, den Hauptgewinn beim Eurojackpot zu erzielen, liegt bei etwa eins zu 140 Millionen.
Wenn das Girokonto plötzlich dreistellig wird
Dass ein Gewinn dieser Größenordnung auf ein normales Girokonto überwiesen wird, klingt zunächst erstaunlich. Tatsächlich ist daran technisch wenig ungewöhnlich.
Ein Girokonto ist nicht auf die Aufnahme kleiner oder mittlerer Guthaben beschränkt. Die Höhe einer Überweisung hängt grundsätzlich nicht davon ab, wie viel Geld ein Kontoinhaber zuvor besessen hat. Voraussetzung sind die ordnungsgemäße Abwicklung und die Einhaltung der geltenden rechtlichen und bankinternen Anforderungen.
Die eigentlich interessante Frage beginnt erst nach der Gutschrift.
Denn ein Kontoguthaben ist rechtlich keine Sammlung von Geldscheinen, die in einem Tresor für den Kontoinhaber verwahrt werden. Es handelt sich um eine Forderung gegenüber der Bank. Der Kunde hat Anspruch darauf, dass ihm das Geld nach den vertraglichen Bedingungen zur Verfügung gestellt wird.
Bei einem Bankausfall kann das einen erheblichen Unterschied machen.
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt in Deutschland grundsätzlich 100.000 Euro pro Einleger und Kreditinstitut. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld auf einem Girokonto, einem Tagesgeldkonto oder mehreren Konten derselben Bank liegt. Die Guthaben werden zusammengerechnet.
Für bestimmte außergewöhnliche Lebensereignisse besteht zeitweise ein erhöhter Schutz von bis zu 500.000 Euro. Dazu gehören beispielsweise Gelder aus dem Verkauf einer selbst genutzten Immobilie oder bestimmte Versicherungs- und Entschädigungsleistungen.
Ein gewöhnlicher Lotteriegewinn gehört jedoch nicht zu den gesetzlich vorgesehenen Sonderfällen.
Auch freiwillige Sicherungssysteme haben Grenzen
Über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus bestehen in Deutschland zusätzliche freiwillige Sicherungssysteme.
Private Banken können beispielsweise dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angehören. Dieser schützt Guthaben von Privatpersonen seit 2025 unter bestimmten Voraussetzungen bis zu maximal drei Millionen Euro pro Bank.
Das ist erheblich mehr als die gesetzlich garantierten 100.000 Euro. Gegenüber einem Vermögen von 120 Millionen Euro bleibt der Betrag dennoch überschaubar.
Andere Bankengruppen verfügen über eigene Sicherungssysteme, insbesondere die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken. Ihre Institutssicherung verfolgt vorrangig das Ziel, angeschlossene Institute zu stabilisieren und einen Entschädigungsfall möglichst zu verhindern.
Welche Absicherung für das Konto des neuen Eurojackpot-Gewinners tatsächlich besteht, ist nicht bekannt. Weder seine Bankverbindung noch seine weiteren finanziellen Verhältnisse wurden veröffentlicht.
Die bloße Überweisung auf ein Girokonto ist deshalb auch kein Hinweis auf eine leichtfertige Vermögensentscheidung. Sie ist zunächst nur der angekündigte Auszahlungsweg.
Auf Dauer wäre es jedoch eine grundlegend andere Frage, ob ein Vermögen dieser Größenordnung vollständig als Bankguthaben gehalten werden sollte.
Reicht es, das Geld einfach auf mehrere Banken zu verteilen?
Für gewöhnliche Sparer kann es sinnvoll sein, größere Guthaben auf mehrere voneinander unabhängige Kreditinstitute zu verteilen. Auf diese Weise können die jeweiligen Grenzen der gesetzlichen Einlagensicherung mehrfach genutzt werden.
Bei 120 Millionen Euro stößt dieser Ansatz allerdings an praktische Grenzen.
Ein derartiges Vermögen ausschließlich über Bankkonten abzusichern, wäre organisatorisch aufwendig und würde das Problem seiner langfristigen Verwaltung nicht lösen.
Denn Einlagensicherung schützt vor einem bestimmten Risiko: dem Ausfall einer Bank. Sie verhindert weder Kaufkraftverluste durch Inflation noch gewährleistet sie eine angemessene Verzinsung.
Darüber hinaus existieren unterschiedliche Anlageformen, die rechtlich anders behandelt werden als gewöhnliche Bankeinlagen.
Wertpapiere in einem Depot gehören grundsätzlich dem Anleger. Sie werden von der depotführenden Bank lediglich verwahrt. Bei einer Insolvenz des Instituts können die Wertpapiere unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf ein anderes Depot übertragen werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Aktien oder Fonds automatisch sicher wären. Ihre Kurse können erheblich schwanken, und Verluste durch fallende Marktpreise werden von der Einlagensicherung nicht ersetzt.
Auch Investmentfonds, Anleihen, Immobilien und andere Vermögenswerte unterscheiden sich hinsichtlich Risiken, Verfügbarkeit, Kosten und Besteuerung erheblich.
Bei einem Vermögen von 120 Millionen Euro verschiebt sich deshalb die Perspektive. Es geht weniger darum, möglichst hohe Renditen zu erzielen, sondern zunächst darum, das Vermögen sinnvoll zu strukturieren und unnötige Risiken zu begrenzen.
Der Gewinn ist steuerfrei – das Vermögen nicht in jeder Hinsicht
Eine der erfreulichsten Besonderheiten für den Gewinner ist die steuerliche Behandlung.
Lotteriegewinne unterliegen in Deutschland grundsätzlich nicht der Einkommensteuer. Der 35-Jährige muss deshalb nicht zunächst einen beträchtlichen Teil seiner 120 Millionen Euro an das Finanzamt abgeben.
Anders sieht es mit den Erträgen aus, die das Vermögen künftig erwirtschaftet.
Zinsen aus Bankguthaben, Dividenden aus Aktien und bestimmte Veräußerungsgewinne unterliegen grundsätzlich der Besteuerung von Kapitalerträgen. Für diese gilt regelmäßig ein Steuersatz von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, soweit keine besonderen Regelungen greifen.
Bei Immobilien können wiederum Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder unter bestimmten Umständen steuerpflichtige Veräußerungsgewinne entstehen.
Die Herkunft des eingesetzten Kapitals aus einem steuerfreien Lotteriegewinn ändert daran nichts.
Auch Schenkungen können steuerlich relevant werden.
Wer plötzlich 120 Millionen Euro besitzt, könnte auf die Idee kommen, Familienmitgliedern oder Freunden größere Beträge zu überlassen. Solche Zuwendungen unterliegen jedoch grundsätzlich dem Schenkungsteuerrecht.
Für Ehepartner, Kinder, andere Verwandte und nicht verwandte Personen gelten unterschiedliche persönliche Freibeträge und Steuersätze.
Der Wunsch, andere am eigenen Glück teilhaben zu lassen, kann damit steuerliche Folgen auslösen, die vor größeren Schenkungen berücksichtigt werden sollten.
Wie viel Geld braucht man eigentlich noch?
Jenseits rechtlicher und finanzieller Überlegungen stellt sich eine ganz andere Frage: Was bedeutet ein Vermögen dieser Größenordnung für den Alltag?
120 Millionen Euro eröffnen wirtschaftliche Möglichkeiten, die weit über gewöhnliche Vorstellungen finanzieller Sicherheit hinausreichen.
Ein Haus kaufen, den Beruf aufgeben, reisen oder Angehörige unterstützen – all das wäre grundsätzlich möglich, ohne dass der Gewinner zunächst auf Erwerbseinkommen angewiesen wäre.
Doch mit dem Verschwinden finanzieller Zwänge entstehen neue Entscheidungen.
Wer nicht mehr arbeiten muss, kann weiterhin arbeiten wollen. Wer sich nahezu jeden materiellen Wunsch erfüllen kann, muss dennoch herausfinden, welche Wünsche ihm tatsächlich wichtig sind.
Auch bestehende Beziehungen können sich verändern, sobald ein außergewöhnlich großes Vermögen bekannt wird. Erwartungen von Angehörigen, Bitten um finanzielle Unterstützung oder Angebote vermeintlich besonders lukrativer Investments können zusätzliche Anforderungen schaffen.
Ob der 35-Jährige aus dem Kreis Mettmann mit solchen Situationen konfrontiert sein wird, lässt sich selbstverständlich nicht vorhersagen.
Für Gewinner großer Lotteriesummen ist deshalb die Möglichkeit, zunächst anonym zu bleiben, von erheblichem praktischem Wert.
Westlotto erklärt ausdrücklich, dass Gewinnernamen ohne deren Zustimmung grundsätzlich nicht veröffentlicht werden. Ab einer Gewinnsumme von 100.000 Euro besteht zudem die Möglichkeit einer persönlichen Informationsbetreuung.
Diese kann unter anderem Fragen zum Umgang mit Öffentlichkeit und Medien betreffen.
Macht ein Lottogewinn tatsächlich glücklich?
Die Vorstellung, plötzlich reich gewordene Menschen würden häufig unglücklich oder verlören ihr gesamtes Vermögen, gehört zu den verbreiteten Erzählungen über Lottogewinner.
Wissenschaftlich lässt sich ein solcher Automatismus jedoch nicht belegen.
Eine umfangreiche Untersuchung schwedischer Lotteriespieler durch die Ökonomen Erik Lindqvist, Robert Östling und David Cesarini kam zu einem differenzierten Ergebnis.
Die Forscher untersuchten das psychologische Wohlbefinden von Lotteriegewinnern fünf bis 22 Jahre nach einem größeren Gewinn und verglichen die Ergebnisse mit geeigneten Kontrollgruppen.
Dabei zeigte sich, dass größere Lotteriegewinne die allgemeine Lebenszufriedenheit langfristig steigern können. Dieser Effekt blieb über mehr als ein Jahrzehnt bestehen.
Interessant war allerdings die Unterscheidung zwischen Lebenszufriedenheit und dem unmittelbaren Gefühl von Glück.
Während die Gewinner ihre Lebensumstände insgesamt positiver bewerteten, waren die gemessenen Auswirkungen auf emotionales Glücksempfinden und psychische Gesundheit deutlich geringer.
Ein wichtiger Grund für die höhere Lebenszufriedenheit lag offenbar in der verbesserten finanziellen Situation.
Die Ergebnisse sprechen gegen die pauschale Behauptung, ein großer Geldgewinn mache Menschen langfristig unglücklich. Sie bedeuten aber ebenso wenig, dass Geld sämtliche persönlichen oder psychischen Probleme lösen könnte.
Hinzu kommt eine methodische Einschränkung: Die schwedische Untersuchung lässt sich nicht ohne Weiteres auf jeden Einzelfall und insbesondere nicht auf eine außergewöhnliche Gewinnsumme von 120 Millionen Euro übertragen.
Sie zeigt vielmehr, dass finanzielle Sicherheit einen nachhaltigen Beitrag zur Lebenszufriedenheit leisten kann, während das emotionale Wohlbefinden von weiteren Faktoren abhängt.
Das größte Risiko könnte die Eile sein
Bei einem derart hohen Gewinn stellt sich schnell die Frage, welche Entscheidungen zuerst getroffen werden sollten.
Ein neues Haus, eine großzügige Schenkung oder ein großes Investment lassen sich mit ausreichend Kapital jederzeit realisieren. Ein überstürzter Vertragsabschluss kann dagegen langfristige Verpflichtungen schaffen, die auch ein Multimillionär nicht ohne Weiteres rückgängig machen kann.
Professionelle rechtliche und steuerliche Beratung kann deshalb sinnvoll sein, insbesondere wenn Vermögen über unterschiedliche Anlageformen, Immobilien oder Beteiligungen verteilt werden soll.
Ebenso wichtig ist die Unabhängigkeit der Beratung. Wer große Summen verwaltet, kann für Banken, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister ein wirtschaftlich attraktiver Kunde sein.
Die Interessen eines Anbieters müssen dabei nicht immer mit denen des Vermögensinhabers übereinstimmen. Provisionen, laufende Verwaltungsgebühren und mögliche Interessenkonflikte verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.
Das gilt auch dann, wenn der Kunde aufgrund seines Vermögens in den Genuss exklusiver Beratungsangebote kommt.
120 Millionen Euro bedeuten zwar außergewöhnliche finanzielle Freiheit. Sie ersetzen aber weder Kenntnisse über Kapitalmärkte noch die Fähigkeit, unterschiedliche Risiken und Interessen abzuwägen.
Ein Vermögen, das kein weiteres Glück braucht
Für den neuen Eurojackpot-Gewinner aus Nordrhein-Westfalen beginnt damit eine außergewöhnliche Lebensphase.
Noch ist nicht bekannt, welche Pläne er verfolgt, ob er seinen bisherigen Beruf aufgeben möchte oder wie er mit dem plötzlichen Reichtum umgehen wird.
Bekannt ist lediglich, dass eine kurzfristige Entscheidung für einen Lottotipp ausgereicht hat, um seine finanzielle Ausgangssituation vollständig zu verändern.
Das Geld soll in wenigen Wochen auf seinem Girokonto eingehen. Von diesem Moment an wird aus einem Lotteriegewinn ein Vermögen, das verwaltet, geschützt und möglicherweise über Jahrzehnte erhalten werden muss.
Während der Weg zu den 120 Millionen Euro ausschließlich vom Zufall bestimmt wurde, werden die Entscheidungen über ihre Verwendung ganz anderen Regeln folgen.
Die vielleicht größte Besonderheit dieses Gewinns liegt deshalb nicht darin, was sich der 35-Jährige nun alles leisten könnte.
Sondern darin, dass er es sich künftig leisten kann, viele Entscheidungen überhaupt nicht mehr unter finanziellem Druck treffen zu müssen.
Stefanie S. Klief