Finanzen

DAX auf Rekordkurs – Gewinne reichen nicht

Rheinmetall und DHL zeigen, warum an der Börse die Erwartungen wichtiger sind als die aktuellen Geschäftszahlen

4 Min.

05.11.2026

Der DAX nähert sich seinem Allzeithoch, doch ausgerechnet zwei Unternehmen mit deutlich gestiegenen Gewinnen können die Anleger nicht überzeugen. Rheinmetall bricht nach einer erneuten Prognosesenkung ein, DHL verliert trotz erfreulicher Quartalszahlen leicht an Wert. Die Entwicklung zeigt, wie unterschiedlich die Börse wirtschaftliche Erfolge bewertet – und warum der Ausblick oft wichtiger ist als das vergangene Quartal.

Der deutsche Leitindex DAX ist heute mit leichten Gewinnen in den Handel gestartet und bewegt sich damit weiter in unmittelbarer Nähe seines bisherigen Rekordstands. Gegen 9.15 Uhr notierte er bei gut 26.500 Punkten, rund 0,3 Prozent über dem Vortagesschluss. Das Allzeithoch vom August liegt bei 26.618,74 Punkten.

Rückenwind kommt aus den USA. Der überraschend deutliche Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen hatte am Mittwoch bereits den Dow Jones um rund drei Prozent nach oben getrieben. Anleger verbinden mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Kongress unter anderem die Erwartung, dass Teile der Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump künftig stärker kontrolliert werden könnten.

Während der Gesamtmarkt auf einen neuen Höchststand zusteuert, stehen einzelne DAX-Unternehmen allerdings erheblich unter Druck.

Rheinmetall: Rekordwachstum schützt nicht vor Kurssturz

Besonders heftig trifft es den Rüstungskonzern Rheinmetall. Die Aktie verlor am Donnerstag zeitweise mehr als 13 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen seine Jahresprognose erneut gesenkt.

Für 2026 erwartet Rheinmetall nur noch rund 13,2 Milliarden Euro Umsatz statt der bislang angepeilten 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Auch die erwartete operative Marge wurde von rund 19 auf 18,5 Prozent reduziert.

Hauptursache sind Verzögerungen beim milliardenschweren Bundeswehrprojekt Arminius für Boxer-Radpanzer sowie bei der Abnahme von Artilleriemunition.

Dabei entwickeln sich die laufenden Geschäfte ausgesprochen dynamisch. Im dritten Quartal stieg der Umsatz auf 3,15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sogar um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro.

Die schwache Börsenreaktion erklärt sich deshalb weniger durch mangelnde Nachfrage als durch Zweifel daran, ob Rheinmetall seine ehrgeizigen Wachstumsziele zuverlässig und termingerecht umsetzen kann. Zusätzliche Sorgen bereiten die hohen Investitionen und die Entwicklung des freien Cashflows.

DHL: Gute Zahlen, enttäuschte Erwartungen

Auch DHL kann die Anleger trotz gestiegener Gewinne zunächst nicht überzeugen. Die Aktie gab im frühen Handel leicht nach.

Der Logistikkonzern steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 12,6 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 16,2 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg um acht Prozent auf 907 Millionen Euro.

Damit übertraf DHL zwar die Analystenerwartungen beim Umsatz und operativen Ergebnis. Beim Nettogewinn hatten die Experten jedoch mit durchschnittlich 927 Millionen Euro gerechnet.

Noch deutlicher fiel die Enttäuschung beim freien Cashflow aus. Dieser sank von 1,23 Milliarden auf 901 Millionen Euro. Belastend wirkten unter anderem Zahlungen im Zusammenhang mit amerikanischen Importzöllen von 256 Millionen Euro.

Hinzu kommt, dass DHL seine Jahresprognose bereits Mitte Oktober angehoben hatte. Die guten Quartalszahlen waren damit teilweise schon bekannt und in den Aktienkurs eingepreist.

Warum der DAX trotzdem steigt

Dass einzelne Schwergewichte unter Druck stehen, während der Gesamtindex steigt, ist kein Widerspruch. Der DAX bildet die gewichtete Kursentwicklung von 40 Unternehmen ab. Verluste einzelner Aktien können durch Gewinne anderer Titel überkompensiert werden.

Zugleich wirken unterschiedliche Faktoren auf die Kurse. Während bei Rheinmetall und DHL konkrete Geschäftsergebnisse und Prognosen im Mittelpunkt stehen, wird der Gesamtmarkt derzeit auch von der internationalen Börsenstimmung beeinflusst.

Die beiden Unternehmensbeispiele verdeutlichen eine grundlegende Besonderheit der Aktienmärkte: Steigende Umsätze und Gewinne führen nicht zwangsläufig zu steigenden Kursen.

Entscheidend ist, welche Entwicklung die Anleger bereits erwartet haben und ob die neu veröffentlichten Informationen eine höhere oder niedrigere Unternehmensbewertung rechtfertigen.

Rheinmetall wächst kräftig, verfehlt aber seine eigenen Jahresziele. 

DHL liefert gute Geschäftszahlen, die teilweise bereits vorweggenommen wurden.

Der DAX wiederum profitiert von veränderten politischen Erwartungen und der breiteren Marktbewegung.

Ein neuer Rekordstand wäre deshalb vor allem Ausdruck der Gesamtbewertung des deutschen Aktienmarktes – nicht der Beweis dafür, dass jedes einzelne DAX-Unternehmen wirtschaftlich auf Rekordkurs liegt.

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