Finanzen

»Lex SpaceX«: IPO wird zum Testfall für passive Anleger

SpaceX bereitet den größten Börsengang der Geschichte vor. Gleichzeitig ändert Nasdaq seine Indexregeln für Mega-IPOs. Mit erheblichen Folgen für ETF-Anleger.

3 Min.

29.05.2026

Der geplante Börsengang von SpaceX entwickelt sich zu einem der spannendsten Kapitalmarktereignisse überhaupt. Nach Medienberichten peilt das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk eine Bewertung von bis zu rund 1,8 Billionen US-Dollar an und könnte im Juni an der Nasdaq debütieren. Schon vor dem möglichen Handelsstart sorgt jedoch eine Regeländerung der Börse für Diskussionen.

Nasdaq passt seine Indexmethodik für besonders große Börsengänge an. Unternehmen mit sehr hoher Marktkapitalisierung könnten dadurch deutlich schneller in den Nasdaq 100 aufgenommen werden als bisher. Damit wäre denkbar, dass SpaceX bereits wenige Wochen nach dem IPO in den wichtigen Technologieindex einzieht. ETF-Anleger, die den Nasdaq 100 abbilden, würden dann automatisch zu SpaceX-Aktionären.

Schneller Weg in den Index

Bislang galten für neue Börsenwerte längere Fristen, bevor sie in große Indizes aufgenommen werden konnten. Die neuen Regeln verkürzen diesen Zeitraum für Mega-IPOs erheblich. Laut ETF Stream könnten Unternehmen künftig bereits 15 Tage nach dem Börsengang für den Nasdaq 100 infrage kommen. Genau diese Änderung wird nun als mögliche »Lex SpaceX« diskutiert.

Der Hintergrund liegt auf der Hand: SpaceX wäre bei einem erfolgreichen Börsengang sofort eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Ein Ausschluss aus großen Indizes würde deren Abbildungsgenauigkeit infrage stellen. Gleichzeitig erzeugt eine schnelle Aufnahme enormen Kaufdruck, weil Indexfonds und ETFs die Aktie erwerben müssten.

Passive Anleger als Käufer

Für den Kapitalmarkt ist das besonders brisant. Passive Fonds kaufen nicht, weil sie ein Unternehmen fundamental attraktiv finden, sondern weil sie einen Index nachbilden. Wird SpaceX in den Nasdaq 100 aufgenommen, müssten entsprechende Produkte die Aktie kaufen. Je nach Gewichtung könnten dadurch erhebliche Milliardenbeträge in den Titel fließen.

Reuters hatte bereits berichtet, dass SpaceX eine frühe Aufnahme in den Nasdaq 100 anstrebt, weil dies die Nachfrage nach der Aktie deutlich erhöhen könnte. Auch die Financial Times sprach im Zusammenhang mit den neuen Regeln von zusätzlicher Liquidität für SpaceX.

Geringer Streubesitz erhöht die Spannung

Zusätzliche Brisanz entsteht durch die erwartete Aktienstruktur. SpaceX plant laut Heise eine Dual-Class-Struktur, bei der normale Aktionäre deutlich weniger Stimmrechte erhalten als Elon Musk und ein kleiner Kreis kontrollierender Anteilseigner. Zugleich dürfte nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Aktien frei handelbar sein.

Das kann die Kursdynamik verschärfen. Wenn die Nachfrage durch Indexfonds hoch ist, der frei handelbare Anteil aber begrenzt bleibt, kann dies den Preis zusätzlich treiben. Genau diese Kombination aus Mega-Bewertung, begrenztem Free Float und automatischer ETF-Nachfrage macht den Börsengang für Anleger so außergewöhnlich.

Governance-Fragen bleiben

Die Debatte hat jedoch nicht nur eine technische Seite. Sie berührt auch Fragen der Aktionärsrechte. Reuters wies bereits darauf hin, dass SpaceX mit seiner geplanten Struktur Investorenrechte beschränken und Musk weitreichende Kontrolle sichern könnte. Für aktive Anleger wäre das ein klarer Prüfpunkt. Passive Anleger hätten dagegen kaum eine Wahl, sobald SpaceX Teil großer Indizes wird.

Damit wird der SpaceX-IPO auch zu einem Grundsatzfall für die Macht passiver Kapitalströme. Je größer Indexfonds werden, desto stärker beeinflussen Indexregeln, welche Unternehmen automatisch Kapital erhalten. Bei SpaceX könnte diese Mechanik besonders sichtbar werden.

SK

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