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China verkauft mehr E-Autos als Verbrenner

Im wichtigsten Automarkt der Welt haben Elektroautos und Plug-in-Hybride erstmals klar die Mehrheit erreicht

5 Min.

19.06.2026

China erreicht einen Wendepunkt im Automarkt: Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen sich inzwischen besser als klassische Verbrenner. Im Mai machten sogenannte New Energy Vehicles bereits 62,2 Prozent der Pkw-Verkäufe aus. Für deutsche Hersteller ist das eine Zäsur – denn ausgerechnet in ihrem wichtigsten Auslandsmarkt verschiebt sich die Nachfrage immer schneller in Richtung Elektromobilität.
 

Der chinesische Automarkt erreicht einen historischen Kipppunkt. Erstmals verkaufen sich dort Elektroautos und Plug-in-Hybride klar besser als klassische Verbrenner. Im Mai kamen sogenannte New Energy Vehicles auf einen Marktanteil von 62,2 Prozent bei Pkw-Verkäufen. Damit sind batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride in China nicht mehr die Alternative – sie sind die neue Mehrheit.

Das ist für die globale Autoindustrie ein Signal von erheblicher Tragweite. China ist der größte Automarkt der Welt und für viele Hersteller der entscheidende Wachstumstreiber. Wenn dort der Verbrenner strukturell an Bedeutung verliert, verändert das nicht nur Modellpaletten, sondern auch Investitionsentscheidungen, Lieferketten, Batterienachfrage und Wettbewerbspositionen.

Für deutsche Hersteller ist die Entwicklung besonders heikel. Volkswagen, BMW und Mercedes haben über Jahrzehnte stark vom chinesischen Markt profitiert. Doch der Wandel zur Elektromobilität wird dort vor allem von chinesischen Marken geprägt. BYD, Geely, Chery, SAIC, Xiaomi, Li Auto und weitere Anbieter setzen die etablierten Hersteller mit neuen Modellen, aggressiven Preisen und hoher Entwicklungsgeschwindigkeit unter Druck.

Der Wandel beschleunigt sich

Der hohe Anteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden fällt in eine insgesamt schwächere Marktlage. Im Mai wurden in China 1,53 Millionen Pkw verkauft, 22,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders stark traf es jedoch Verbrenner. Deren Verkäufe brachen deutlich stärker ein als der Gesamtmarkt.

Das zeigt: Der Rückgang ist nicht einfach nur eine allgemeine Kaufzurückhaltung. Er trifft die alte Antriebstechnologie besonders hart. Während der Gesamtmarkt schrumpft, verschiebt sich die Nachfrage weiter in Richtung elektrifizierter Fahrzeuge.

Mehrere Faktoren treiben diese Entwicklung. Staatliche Förderung, hohe Benzinpreise, technologische Fortschritte, ein dichtes Angebot günstiger und gut ausgestatteter E-Modelle sowie die starke Ladeinfrastruktur haben den Markt verändert. Hinzu kommt: Chinesische Hersteller haben Elektromobilität nicht als Nischenprodukt positioniert, sondern als modernes Massenangebot.

Deutsche Marken geraten unter Druck

Für deutsche Autobauer wird China damit zur Bewährungsprobe. Sie müssen nicht nur mehr elektrische Modelle anbieten, sondern schneller, lokaler und preislich wettbewerbsfähiger werden. Der frühere Vorteil bei Verbrennungsmotoren, Fahrkomfort und Markenimage reicht nicht mehr aus, wenn Käufer zunehmend Software, Reichweite, Ladegeschwindigkeit, digitale Ausstattung und Preis vergleichen.

Volkswagen hat auf diese Entwicklung bereits reagiert und setzt in China stärker auf lokale Entwicklungspartnerschaften. Auch BMW und Mercedes bauen ihre elektrischen Angebote aus. Doch der Wettbewerb bleibt brutal. Chinesische Hersteller entwickeln schneller, kalkulieren aggressiver und kennen die lokalen Kundenbedürfnisse oft besser.

Besonders gefährlich ist der Verlust technologischer Wahrnehmung. Wer in China nicht als führend bei E-Mobilität, Software und digitalem Nutzererlebnis gilt, verliert in einem Markt, der sich extrem schnell dreht.

Auch Exporte verschieben sich

Der Wandel betrifft nicht nur den Binnenmarkt. China exportiert zunehmend mehr elektrifizierte Fahrzeuge. Bereits im April überholten New Energy Vehicles bei den Exporten erstmals klassische Verbrenner. Nach Angaben des chinesischen Branchenverbands CPCA machten Elektroautos und Plug-in-Hybride 52,7 Prozent der Autoexporte aus.

Damit wird China nicht nur zum größten E-Auto-Markt, sondern auch zum Exportmotor für elektrische Fahrzeuge. Das erhöht den Druck auf europäische, japanische und amerikanische Hersteller weltweit. Chinesische Marken drängen nach Südostasien, Südamerika, Australien, Europa und in weitere Märkte.

Für Europa ist das besonders relevant. Einerseits braucht der Kontinent günstigere E-Autos, um die Elektromobilität breiter durchzusetzen. Andererseits wächst die Sorge vor unfairen Subventionen, Überkapazitäten und einem massiven Preisdruck auf heimische Hersteller.

E-Mobilität wird zur Industriefrage

Die Entwicklung in China zeigt, dass Elektromobilität längst keine reine Klimapolitik mehr ist. Sie ist Industriepolitik, Exportpolitik und Standortfrage. Wer Batterien, Software, Leistungselektronik, Ladeinfrastruktur und Fahrzeugplattformen beherrscht, gewinnt den nächsten Abschnitt der Autoindustrie.

China hat hier früh und massiv investiert. Staatliche Programme, lokale Industriepolitik, Batteriekonzerne wie CATL und BYD sowie ein riesiger Heimatmarkt haben einen Wettbewerbsvorteil geschaffen. Ausländische Hersteller profitieren zwar weiterhin vom chinesischen Markt, aber sie bestimmen ihn nicht mehr allein.

Für Deutschland ist das eine unbequeme Botschaft. Der Verbrenner war über Jahrzehnte ein Kern deutscher Industriekompetenz. Wenn der wichtigste Automarkt der Welt diese Technologie immer schneller hinter sich lässt, muss die Transformation nicht nur angekündigt, sondern operativ gewonnen werden.

Der neue Maßstab kommt aus China

Der chinesische Markt setzt damit den globalen Takt. Was sich dort durchsetzt, wirkt auf Zulieferer, Rohstoffmärkte, Batteriefabriken, Softwareplattformen und internationale Preisstrukturen zurück. Die Frage ist nicht mehr, ob Elektromobilität kommt. In China ist sie bereits im Massenmarkt angekommen.

Für deutsche Hersteller bleibt der Markt dennoch unverzichtbar. Aber er ist nicht mehr derselbe. China ist vom Absatzparadies zum Innovations- und Preiskampfplatz geworden.

Der Mai 2026 markiert deshalb mehr als eine Statistik. Er zeigt, dass der Verbrenner in China seine Mehrheit verloren hat – und dass die Autoindustrie weltweit in eine neue Phase eingetreten ist.

SK

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