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London-Gipfel zur Ukraine: Europa will mitreden, bevor andere entscheiden

Merz, Macron und Starmer beraten mit Selenskyj über Unterstützung, Sicherheitsgarantien und mögliche Friedenspfade

5 Min.

07.06.2026

Die vier Hauptprotagonisten beim letzten Gipfeltreffen in London am 08.12.2025

In London kommen heute zentrale europäische Unterstützer der Ukraine zu neuen Gesprächen zusammen. Der britische Premierminister Keir Starmer empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Im Mittelpunkt stehen weitere Unterstützung für Kiew, mögliche Sicherheitsgarantien und die Frage, wie Europa auf einen möglichen Verhandlungsprozess vorbereitet sein müsste.

Das Treffen findet in einer Phase statt, in der die militärische Lage festgefahren bleibt und zugleich die diplomatischen Suchbewegungen zunehmen. Selenskyj hatte sich erneut offen für direkte Gespräche mit Wladimir Putin gezeigt. Der Kremlchef wies solche Überlegungen jedoch zurück und stellte den Nutzen eines Treffens infrage. Gleichzeitig gehen die Angriffe weiter: Russland attackiert ukrainische Städte, während die Ukraine zunehmend Ziele tief im russischen Hinterland trifft.

Europa will nicht nur Zuschauer sein

Der London-Gipfel zeigt, dass Europa stärker versucht, seine eigene Rolle in der Ukraine-Diplomatie zu definieren. Großbritannien und Frankreich treiben seit Monaten eine «Koalition der Willigen» voran, die der Ukraine langfristige Sicherheitsgarantien geben soll. Deutschland gehört zu den wichtigsten Unterstützern Kiews, muss aber zugleich klären, wie weit es bei militärischen Zusagen, Finanzierung und möglicher Nachkriegsabsicherung gehen will.

Für Europa geht es dabei nicht nur um Solidarität. Es geht um strategische Selbstbehauptung. Sollte es irgendwann zu Verhandlungen kommen, wollen die Europäer nicht erst am Ende gefragt werden, wenn andere über Sicherheitsarchitektur, Gebietsfragen oder Garantien entscheiden.

Genau deshalb ist London mehr als ein weiteres Treffen mit Selenskyj. Es ist ein Versuch, europäische Handlungsfähigkeit zu zeigen.

Sicherheitsgarantien werden zur Schlüsselfrage

Der härteste Punkt bleibt die Frage, wie ein möglicher Frieden abgesichert werden könnte. Die Ukraine wird keinem Waffenstillstand vertrauen können, der Russland nur Zeit für eine neue Offensive gibt. Deshalb fordert Kiew belastbare Sicherheitsgarantien.

Solche Garantien wären politisch und militärisch anspruchsvoll. Sie könnten Waffenlieferungen, Ausbildung, Luftabwehr, Nachrichtendienstkooperation, langfristige Rüstungszusagen oder im äußersten Fall auch Präsenzmodelle europäischer Staaten umfassen. Genau darüber wird seit Monaten diskutiert.

Für Deutschland ist das besonders sensibel. Merz muss einerseits zeigen, dass Berlin Führungsverantwortung übernimmt. Andererseits bleibt jede Form dauerhafter Sicherheitsgarantie mit Kosten, Risiken und innenpolitischen Konflikten verbunden.

Die wirtschaftliche Dimension wird größer

Hinter der Diplomatie steht eine gewaltige wirtschaftliche Rechnung. Je länger der Krieg dauert, desto teurer werden Waffenlieferungen, Munitionsproduktion, Luftverteidigung, Energiehilfe und humanitäre Unterstützung. Hinzu kommt der spätere Wiederaufbau der Ukraine, der zu den größten europäischen Investitionsprojekten der kommenden Jahrzehnte werden könnte.

Europa kann diese Fragen nicht vom Verhandlungstisch trennen. Ein Kriegsende wäre nicht das Ende der Kosten. Es wäre der Beginn einer neuen Phase: Wiederaufbau, Minenräumung, Infrastruktur, Energieversorgung, Sicherheitssektor, EU-Annäherung und wirtschaftliche Stabilisierung.

Für Unternehmen könnten sich daraus langfristig Chancen ergeben, etwa beim Wiederaufbau von Energieanlagen, Verkehrsinfrastruktur, Wohnraum, digitaler Verwaltung und Industrie. Für die öffentlichen Haushalte bedeutet es jedoch zunächst enorme Verpflichtungen.

Russland setzt weiter auf Zermürbung

Moskau zeigt bislang wenig Bereitschaft, ernsthaft auf ukrainische Bedingungen einzugehen. Putins Ablehnung direkter Gespräche mit Selenskyj passt zu einer Strategie der Zermürbung. Russland setzt offenbar darauf, dass der Westen ermüdet, politische Mehrheiten schwanken und die Kosten der Unterstützung weiter steigen.

Gerade deshalb ist europäische Geschlossenheit entscheidend. Wenn Russland den Eindruck bekommt, dass Ukraine-Hilfen, Sanktionen oder Sicherheitsgarantien nachlassen, sinkt der Anreiz zu echten Verhandlungen weiter.

Der London-Gipfel soll deshalb auch ein Signal an Moskau senden: Die Ukraine steht nicht allein, und Europa bereitet sich auf einen langen Atem vor.

Die USA bleiben der entscheidende Unsicherheitsfaktor

Trotz aller europäischen Bemühungen bleibt die Rolle der USA zentral. Ohne amerikanische Unterstützung wäre die militärische Lage der Ukraine deutlich schwieriger. Gleichzeitig wächst in Europa seit Langem die Sorge, Washington könne seine Prioritäten verschieben oder in Verhandlungen andere Akzente setzen.

Das zwingt Europa zu einer unbequemen Konsequenz: Wer künftig mitreden will, muss mehr leisten. Diplomatische Sichtbarkeit reicht nicht aus. Europa braucht militärische Produktionskapazitäten, finanzielle Zusagen, strategische Planung und politische Geschlossenheit.

Der London-Gipfel ist deshalb auch ein Test, ob Deutschland, Frankreich und Großbritannien tatsächlich gemeinsam eine europäische Sicherheitslinie formulieren können.

Frieden wird nicht billig

Die Gespräche in London zeigen, dass ein mögliches Kriegsende nicht einfach als Entlastung verstanden werden darf. Frieden in der Ukraine würde Investitionen in Sicherheit, Wiederaufbau und Abschreckung verlangen. Ein schlechter oder ungesicherter Waffenstillstand könnte dagegen nur die nächste Eskalation vorbereiten.

Für Europa ist das die unangenehme Wahrheit: Der Krieg ist teuer. Aber ein instabiler Frieden wäre ebenfalls teuer – politisch, militärisch und wirtschaftlich.

Merz, Macron und Starmer beraten deshalb nicht nur über Diplomatie. Sie beraten über die künftige Sicherheitsordnung Europas und über die Frage, wie viel Verantwortung der Kontinent selbst zu tragen bereit ist.

SK

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