Politik

China bleibt für deutsche Unternehmen unverzichtbar

Katherina Reiche ist mit rund 40 Unternehmensvertretern nach China gereist. Die Wirtschaftsministerin fordert verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen. Für deutsche Unternehmen bleibt China zugleich wichtiger Markt und wachsendes Risiko.

3 Min.

27.05.2026

Katherina Reiche ist zu ihrer ersten offiziellen China-Reise als Bundeswirtschaftsministerin aufgebrochen. Begleitet wird sie von einer Wirtschaftsdelegation mit rund 40 Unternehmen. Zu den prominenten Teilnehmern gehören Vertreter von BASF, Thyssenkrupp und Siemens Energy. Auf dem Programm stehen politische Gespräche, ein Wirtschaftsforum und Unternehmensbesuche.

Schon die Vorbereitung der Reise zeigte, wie groß das Interesse der deutschen Wirtschaft ist. Nach Informationen der »WirtschaftsWoche« erhielten einige Unternehmenschefs erst spät Klarheit über ihre Teilnahme. Vor Ort wurde zudem Konkurrenz um einzelne Termine erwartet. Das wirkt organisatorisch holprig, verweist aber auf den eigentlichen Punkt: Für viele deutsche Konzerne bleibt China trotz aller Risiken ein Markt, den sie nicht ignorieren können.

Kooperation und Konkurrenz zugleich

In Peking formulierte Reiche den neuen Grundton der deutschen China-Politik: Kooperation ja, aber unter fairen Bedingungen. Eine moderne Wirtschaftsbeziehung müsse Zusammenarbeit, Wettbewerb und Reziprozität miteinander verbinden. Genau diese Gegenseitigkeit fordert die deutsche Wirtschaft seit Jahren ein. Deutsche Unternehmen wollen besseren Marktzugang, fairere Ausschreibungen und weniger Benachteiligung gegenüber chinesischen Wettbewerbern.

Der Hintergrund ist klar. China war 2025 weiterhin Deutschlands wichtigster Handelspartner mit einem Handelsvolumen von rund 250 Milliarden Euro. Gleichzeitig sind die deutschen Exporte nach China deutlich zurückgegangen, während Importe aus China hoch bleiben. Das verschärft die Sorge vor einem unausgewogenen Verhältnis.

Rohstoffe bleiben neuralgischer Punkt

Besonders sensibel ist die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen. Reiche machte in China deutlich, dass verlässlicher Zugang zu seltenen Erden und anderen Schlüsselmaterialien für die deutsche Industrie entscheidend ist. Diese Rohstoffe werden für Elektromobilität, Windkraft, Halbleiter, Verteidigungstechnik und viele industrielle Anwendungen gebraucht.

Für Deutschland ist das eine strategische Schwachstelle. Die Industrie soll grüner, digitaler und resilienter werden, ist aber bei vielen Vorprodukten und Rohstoffen weiterhin stark auf China angewiesen. Damit wird Wirtschaftspolitik zur Sicherheitsfrage. Wer Lieferketten nicht absichern kann, riskiert Produktionsausfälle, höhere Kosten und politische Erpressbarkeit.

Unternehmen wollen Markt, Politik will Risiko senken

Die Reise zeigt den Grundkonflikt der deutschen China-Strategie. Die Politik spricht von Risikoreduzierung, die Unternehmen brauchen Wachstum. BASF etwa hat in Zhanjiang seine größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte aufgebaut. Für viele Industriekonzerne bleibt China nicht nur Absatzmarkt, sondern auch Produktionsstandort und Innovationsraum.

Gleichzeitig wächst der Druck, Abhängigkeiten zu verringern. Die EU diskutiert schärfere Antworten auf chinesische Überkapazitäten, Subventionen und Marktzugangsbarrieren. Mehrere europäische Staaten fordern eine härtere Linie gegenüber Peking. Deutschland zeigt sich traditionell vorsichtiger, weil seine Industrie besonders stark mit China verflochten ist.

Reiches Besuch ist damit ein Realitätstest für die neue Bundesregierung. Es reicht nicht, China nur als Partner, Wettbewerber oder systemischen Rivalen zu beschreiben. In der Praxis ist Peking alles gleichzeitig. Deutsche Unternehmen wollen Geschäfte machen, die Politik will Souveränität zurückgewinnen, und China nutzt seine wirtschaftliche Stärke zunehmend selbstbewusst.

Die Delegationsreise macht deutlich, wie schwer sich Deutschland aus alten Abhängigkeiten lösen kann. China bleibt für viele Unternehmen zu groß, zu dynamisch und zu wichtig, um sich zurückzuziehen. Gleichzeitig ist das Risiko zu offensichtlich, um einfach weiterzumachen wie früher.

SK

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