Der frühere Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller hat die bisherige Strategie der etablierten Parteien im Umgang mit der AfD kritisiert und eine teilweise Öffnung der sogenannten Brandmauer ins Gespräch gebracht. Nach seiner Einschätzung könnte ein solcher Schritt dazu beitragen, die politische und inhaltliche Leistungsfähigkeit der Partei sichtbar zu machen.
In einem Interview erklärte Müller, die bisherige strikte Abgrenzung könne dazu führen, dass sich die AfD politisch weiter stabilisiere, ohne inhaltlich stärker geprüft zu werden. Eine begrenzte Öffnung der Brandmauer könne dagegen die »Unfähigkeit der Partei zutage bringen«.
Der Begriff »Brandmauer« beschreibt in der deutschen Politik die Strategie der demokratischen Parteien, keine Kooperation mit der AfD einzugehen und gemeinsame politische Projekte auszuschließen. Ziel dieser Linie ist es, eine politische Isolation der Partei sicherzustellen.
Müller gehörte viele Jahre zu den einflussreichsten Managern der deutschen Industrie. Von 2015 bis 2018 führte er den Volkswagen-Konzern als Vorstandsvorsitzender und verantwortete in dieser Zeit unter anderem die Neuaufstellung des Unternehmens nach der Dieselkrise. Seine Aussagen sorgen daher auch außerhalb der Parteipolitik für Aufmerksamkeit.
Der Vorstoß des ehemaligen Autobosses fügt sich in eine breitere Debatte über den politischen Umgang mit der AfD. In den vergangenen Jahren haben Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter immer wieder unterschiedliche Strategien diskutiert – von konsequenter Abgrenzung bis hin zu punktuellen Gesprächen über einzelne Sachfragen.
Ob Müllers Vorschlag politischen Einfluss haben wird, ist offen. Klar ist jedoch, dass der Umgang mit der AfD weiterhin zu den umstrittensten Fragen der deutschen Innenpolitik zählt.
SK