Politik

FDP setzt auf Kubicki statt Kampfabstimmung

Nach Hönes Rückzug geht es für die Liberalen nicht nur um Führung, sondern um ihre wirtschaftspolitische Identität

Die FDP vermeidet kurz vor dem Bundesparteitag einen offenen Machtkampf: Henning Höne zieht seine Bewerbung für den Parteivorsitz zurück und macht den Weg für Wolfgang Kubicki frei. Für die Liberalen geht es dabei um mehr als Personalfragen. Die Partei muss nach schweren Wahlniederlagen klären, wofür sie wirtschaftspolitisch noch steht. Kubicki könnte ihr wieder mehr Sichtbarkeit verschaffen – ob daraus neue Glaubwürdigkeit entsteht, bleibt offen.

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16.05.2026

Die FDP steuert auf eine neue Führung unter Wolfgang Kubicki zu. Der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Höne hat seine Kandidatur für den Bundesvorsitz zurückgezogen und will stattdessen als erster stellvertretender Bundesvorsitzender antreten. Damit fällt das erwartete Duell zwischen dem 39-jährigen Höne und dem 74-jährigen Kubicki aus. Auf dem Bundesparteitag Ende Mai soll die Partei nun geschlossen auftreten.

Nach außen wird der Schritt als Bündelung der Kräfte dargestellt. Tatsächlich zeigt er aber auch, wie groß der Druck auf die Liberalen geworden ist. Die FDP ist 2025 mit 4,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und nicht mehr im Bundestag vertreten. Auch in den Ländern ist ihre Lage angespannt. In Baden-Württemberg verpasste sie im März 2026 ebenfalls den Wiedereinzug in den Landtag. Für eine Partei, die sich über Jahrzehnte als Stimme von Marktwirtschaft, Mittelstand und wirtschaftlicher Vernunft verstand, ist das mehr als ein organisatorisches Problem.

Kubicki soll nun offenbar stabilisieren, zuspitzen und Aufmerksamkeit zurückholen. Der langjährige FDP-Politiker gehört zu den wenigen Liberalen, die bundesweit noch hohe Bekanntheit haben. Er steht für direkte Sprache, Konfliktbereitschaft und eine politische Art, die weniger technokratisch wirkt als vieles, was die FDP in den vergangenen Jahren ausstrahlte. Gerade darin liegt seine Chance – aber auch das Risiko.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob Kubicki die FDP wieder lauter machen kann. Entscheidend ist, ob er sie wieder glaubwürdig als Wirtschaftspartei positionieren kann. Die Liberalen waren einmal die Partei, die ordnungspolitische Debatten prägte, für Unternehmer, Selbständige und Leistungsträger sichtbar war und wirtschaftliche Freiheit mit staatlicher Zurückhaltung verband. In den vergangenen Jahren wurde dieses Profil jedoch unschärfer. Viele Wähler nahmen die FDP eher als taktierende Regierungspartei wahr denn als klare wirtschaftspolitische Kraft.

Unter Kubicki könnte sich das ändern, wenn die Partei ihren Kern neu sortiert: weniger abstrakte Freiheitsrhetorik, mehr konkrete Antworten auf Bürokratie, Standortkosten, Energiepreise, Digitalisierung, Steuerlast und Mittelstand. Genau dort liegt für die FDP theoretisch noch immer ihr politischer Raum. Deutschland diskutiert über Wachstumsschwäche, Investitionsstau und Standortattraktivität – eigentlich Themen, bei denen eine wirtschaftsliberale Partei gebraucht werden könnte.

Ob Kubicki diese Lücke füllen kann, ist offen. Seine Stärke liegt in Präsenz und Zuspitzung, nicht zwingend in programmatischer Erneuerung. Höne wiederum gilt trotz Rückzug weiter als möglicher Zukunftskopf der Partei. Das neue Duo könnte also als Übergangskonstruktion funktionieren: Kubicki bringt Aufmerksamkeit, Höne soll Erneuerung andeuten.

Für die FDP wird daraus ein Test. Wenn sie unter Kubicki nur lauter wird, aber wirtschaftspolitisch unpräzise bleibt, dürfte der Neustart schnell verpuffen. Wenn sie jedoch wieder klarer formuliert, wofür sie in einer schwächelnden deutschen Wirtschaft steht, könnte der alte Markenkern tatsächlich noch einmal tragfähig werden. Die Partei war einmal Wirtschaftspartei. Jetzt muss sie zeigen, ob sie diesen Anspruch noch mit Inhalt füllen kann.

SK

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