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Strategiewechsel bei BASF: 4.400 Wohnungen sollen veräußert werden

Rückzug aus traditioneller Mitarbeiterversorgung zugunsten des Kerngeschäfts

Der Chemiekonzern BASF plant den Verkauf eines Großteils seiner Werkswohnungen bis 2027. Rund 4.400 Einheiten in Ludwigshafen und Umgebung sind betroffen.

3 Min.

24.02.2026

Der Chemiekonzern BASF plant, einen großen Teil seines Wohnungsbestands in Ludwigshafen und Umgebung zu verkaufen. Insgesamt sollen rund 4.400 Wohnungen veräußert werden, die bislang über die Tochtergesellschaft BASF Wohnen + Bauen verwaltet werden. Der Verkauf soll bis Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Dabei ist vorgesehen, etwa 1.100 Wohnungen einzeln an private Käufer zu verkaufen, während rund 3.300 Einheiten als Gesamtpaket an einen institutionellen Investor gehen könnten. Ziel ist laut Unternehmen, einen langfristig orientierten Käufer zu finden.

Konzentration auf das Kerngeschäft

BASF begründet den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung. Der Konzern wolle sich stärker auf sein industrielles Kerngeschäft konzentrieren und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere des Stammwerks Ludwigshafen sichern. Das Marktumfeld gilt seit längerem als schwierig, weshalb zusätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Bilanz notwendig seien.

Ein Teil der Immobilien im Umfeld des Werks soll allerdings im Besitz des Unternehmens bleiben. Die zu verkaufenden Wohnungen befinden sich überwiegend in Ludwigshafen, kleinere Bestände liegen auch in Frankenthal und Mannheim.

Tradition der Werkswohnungen steht auf dem Prüfstand

Werkswohnungen haben bei BASF eine lange Tradition und dienten ursprünglich dazu, Beschäftigten in der Industrieregion bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Die Tochtergesellschaft verwaltet insgesamt mehrere Tausend Wohnungen in der Region.

Mit dem Verkauf würde sich das Unternehmen deutlich aus dieser Rolle zurückziehen und stärker auf externe Wohnungsanbieter verweisen. Für Beschäftigte könnte dies langfristig Auswirkungen auf Mietpreise, Verfügbarkeit und Bindung an den Standort haben.

Kritik von Gewerkschaft und Region

Die Industriegewerkschaft IGBCE kritisiert den geplanten Verkauf scharf und spricht von der Veräußerung von „Tafelsilber“. Neben wirtschaftlichen Bedenken wird auch der Verlust der sozialen Bindung zwischen Unternehmen und Belegschaft befürchtet.

Für die Region Ludwigshafen ist der Schritt von großer Bedeutung, da BASF nicht nur größter Arbeitgeber, sondern auch prägender Akteur im lokalen Wohnungsmarkt ist.

Symbol für den Wandel großer Industriekonzerne

Der geplante Immobilienverkauf steht exemplarisch für einen breiteren Trend: Große Industrieunternehmen trennen sich zunehmend von nicht unmittelbar produktionsbezogenen Bereichen, um Kapital freizusetzen und Risiken zu reduzieren.

Ob die Wohnungen langfristig in den Händen stabiler Investoren bleiben oder in stärker renditeorientierte Strukturen übergehen, wird entscheidend für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region sein.

SK

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