Wirtschaft

BYD & Co. greifen Europa an

Eigene Werke, günstige Preise und lokale Anpassung sollen Europas Markt verändern

Deutschlands wirtschaftliche Basis bröckelt. Neue Daten zeigen, dass erstmals mehr abgeschrieben als investiert wird. Die Folge: Anlagen veralten, Regionen verlieren an Substanz und die Frage nach der Zukunft des Standorts wird zunehmend drängender.

2 Min.

07.05.2026

Chinesische Autobauer intensivieren ihre Expansion nach Europa – und ändern dabei ihre Strategie grundlegend. Statt Fahrzeuge nur aus China zu exportieren, setzen Unternehmen wie BYD, Geely, Chery oder SAIC zunehmend auf lokale Produktion, europäische Entwicklungszentren und angepasste Modelle für den europäischen Markt.

Ein zentraler Treiber sind die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos. Um diese zu umgehen, bauen chinesische Hersteller derzeit Produktionskapazitäten in Europa und angrenzenden Ländern auf. BYD errichtet Werke in Ungarn und der Türkei, Chery produziert künftig in Spanien, während Geely offenbar Teile eines früheren Ford-Werks in Valencia übernimmt.

Gleichzeitig verändern die Unternehmen ihre Produkte. Statt primär chinesische Modelle nach Europa zu exportieren, entwickeln sie Fahrzeuge gezielt für europäische Kunden. Kleinwagen, kompakte SUVs und Plug-in-Hybride sollen besser zu den regionalen Vorlieben passen. Branchenbeobachter sprechen bereits von einem möglichen „Yaris-Moment“ chinesischer Hersteller – in Anlehnung an Toyotas europäische Erfolgsstrategie der 1990er-Jahre.

Der Druck auf europäische Hersteller wächst dadurch erheblich. Chinesische Marken punkten vor allem über aggressive Preise und hohe Ausstattung. Teilweise liegen die Verkaufspreise mehrere tausend Euro unter vergleichbaren europäischen Modellen.

Besonders erfolgreich sind chinesische Hersteller derzeit in preisempfindlichen Märkten wie Spanien, Italien oder Großbritannien. Dort erreichen sie bereits Marktanteile im hohen einstelligen Prozentbereich.

Hinzu kommt der Ausbau eigener Infrastruktur. BYD investiert nicht nur in Werke und Händlernetze, sondern auch in Schnelllade-Technologie und europäische Entwicklungsstandorte. Der Konzern plant bis Ende 2026 rund 2.000 Verkaufsstellen in Europa und baut parallel ein eigenes Schnellladenetz auf.

Für Europas Autoindustrie entsteht damit eine neue Situation. Der Wettbewerb kommt nicht mehr nur über Importe aus China – sondern zunehmend aus Produktions- und Entwicklungsstrukturen innerhalb Europas selbst.

Die Entwicklung zeigt einen tiefgreifenden Wandel der Branche:
Chinesische Hersteller wollen Europa nicht mehr nur beliefern. Sie wollen Teil des europäischen Automarkts werden – mit eigenen Fabriken, eigener Infrastruktur und langfristiger Präsenz.

SK

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