Wirtschaft

Russlands Automarkt orientiert sich neu nach Osten

Chinesische Hersteller dominieren — westliche Autos gelangen indirekt ins Land

Chinesische Hersteller füllen die Lücke westlicher Anbieter in Russland. Gleichzeitig gelangen deutsche und andere westliche Fahrzeuge über Parallelimporte weiterhin ins Land.

2 Min.

13.02.2026

Strukturwandel. Während europäische, japanische und amerikanische Hersteller ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt haben, bauen chinesische Unternehmen ihre Präsenz massiv aus und dominieren zunehmend den Markt. Russland verlagert damit einen zentralen Teil seines Außenhandels in Richtung China.

Nach dem Rückzug westlicher Anbieter entstand eine erhebliche Versorgungslücke, die von chinesischen Herstellern rasch geschlossen wurde. China exportiert sowohl eigene Marken als auch Fahrzeuge internationaler Hersteller, die in chinesischen Werken produziert werden. Teilweise gelangen Autos über indirekte Handelswege oder sogenannte Parallelimporte nach Russland, wodurch Sanktionen umgangen werden können.

Parallel dazu kommen weiterhin westliche Fahrzeuge — darunter auch deutsche Marken — über Drittstaaten in den russischen Markt. Diese werden häufig in Ländern wie China oder anderen Staaten gekauft und anschließend weiterexportiert. Da Russland Parallelimporte ohne Zustimmung der Hersteller erlaubt, können solche Fahrzeuge legal eingeführt werden, obwohl direkte Lieferungen aus der EU stark eingeschränkt sind.

Die Entwicklung verändert auch die geopolitischen Kräfteverhältnisse im Handel. Russland wird zunehmend abhängig von chinesischen Industrieprodukten, während China seine wirtschaftliche Position stärkt und Marktanteile gewinnt. Gleichzeitig bleibt der russische Markt für China vergleichsweise klein, was die Verhandlungsmacht Pekings erhöht.

Sanktionen gegen Autoexporte aus der Europäischen Union und anderen westlichen Staaten zielten darauf ab, Russlands Wirtschaft und industrielle Leistungsfähigkeit zu schwächen. Tatsächlich wurden direkte Lieferungen stark reduziert, doch Handelsströme wurden über Drittstaaten oder alternative Lieferanten umgeleitet.

Für Russland bedeutet dies eine strukturelle Umgestaltung seiner Wirtschaft, insbesondere im Konsum- und Industriesektor. Der wachsende Anteil chinesischer Fahrzeuge sowie indirekt importierter westlicher Modelle verändert nicht nur das Angebot, sondern auch Service-, Ersatzteil- und Produktionsstrukturen. Beobachter sehen darin ein langfristiges Zeichen für die wirtschaftliche Neuorientierung des Landes weg von Europa und hin zu asiatischen Partnern.

SK

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