Der bekannte US-Venture-Capitalist Marc Andreessen, Mitgründer der Investmentfirma Andreessen Horowitz, hat sich gegen verbreitete Zukunftsängste zur künstlichen Intelligenz (KI) positioniert und dabei eine provokante These aufgestellt: Die größte Gefahr für die globale Wirtschaft sei nicht, dass KI-Arbeitsplätze vernichtet, sondern dass sie ohne KI heute in eine tiefe wirtschaftliche Krise geraten wäre. Diese Einschätzung äußerte Andreessen kürzlich in einem Podcast-Interview und in öffentlichen Statements, die breit in der Tech-Presselandschaft rezipiert wurden.
Andreessen argumentiert, dass viele entwickelte Volkswirtschaften – darunter die USA und große Teile Europas – schon seit Jahren mit einer schleppenden Produktivitätsentwicklung und stark sinkenden Geburtenraten kämpfen. Diese Kombination habe ohne einen technologischen Produktivitätsschub das Potenzial, zu wirtschaftlichem Schrumpfen und stagnierendem Lebensstandard zu führen. In diesem Kontext betont er, dass KI als zeitlicher Glücksfall erscheine: Sie könne Arbeitskräftemangel kompensieren und Produktivität dort steigern, wo traditionelle Innovationen versagen würden.
Im Gegensatz zu Stimmen, die etwa vor massiven Jobverlusten durch Automatisierung warnen, sieht Andreessen KI nicht als primären Jobkiller, sondern eher als Werkzeug zur Umgestaltung von Arbeit. Er erklärt, KI werde zwar bestimmte Aufgaben automatisieren, aber nicht zwangsläufig ganze Jobs auslöschen. Vielmehr werde sich die Art der Arbeit verändern, und in vieler Hinsicht könne menschliche Arbeit sogar an Wert gewinnen, wenn Bevölkerungen altern und Arbeitskräfteknappheit zunimmt.
Andreessens Optimismus basiert auf der Perspektive, dass Produktivitäts- und Wohlstandgewinne durch KI letztlich zu niedrigeren Preisen für Güter und Dienstleistungen und damit zu einem höheren realen Lebensstandard führen könnten, selbst wenn manche Aufgaben künftig stärker durch Maschinen übernommen werden. In diesem Szenario beschreibt er KI-gestützte Produktivität als eine Art »ökonomischen Booster«, der bestehende Herausforderungen wie demografischen Wandel und lange Phasen schwachen Wachstums begegnet.
Seine Position steht in der breiten Debatte um KI zwischen zwei Polen:
Skeptiker warnen vor Risiken, darunter Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit oder ethische Probleme.
Befürworter wie Andreessen sehen KI als Mittel zur Sicherung künftigen Wachstums, solange sie klug eingesetzt wird.
Diese Perspektive beeinflusst nicht nur Anleger und Technologiefirmen, sondern auch wirtschaftspolitische Diskussionen darüber, wie moderne Volkswirtschaften auf demografische Herausforderungen und Produktivitätsschwächen reagieren sollten. Die Debatte darüber, ob KI hauptsächlich Risiko oder primär Chance ist, bleibt zentral für Entscheidungen in Politik, Unternehmensstrategie und gesellschaftlicher Zukunftsplanung.
SK