Der Konflikt zwischen Tesla und der IG Metall in der Gigafactory Grünheide geht in eine neue Eskalationsstufe. Kurz vor der anstehenden Betriebsratswahl warnte Konzernchef Elon Musk vor einem stärkeren Einfluss der Gewerkschaft und stellte indirekt einen Stopp weiterer Investitionen in Aussicht. Damit verschärft sich der grundlegende Dissens über Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und Tarifbindung, über den bereits seit Monaten berichtet wird.
In einem internen Videogespräch mit Mitarbeitern deutete Musk an, dass externe Organisationen die Entwicklung des Unternehmens erschweren könnten. Auch die deutsche Werksleitung hatte zuvor signalisiert, dass ein Wahlerfolg der IG Metall die Expansion der Fabrik negativ beeinflussen könnte. Hintergrund ist die Abstimmung über einen neuen Betriebsrat, die als Richtungsentscheidung für den Standort gilt.
Die IG Metall fordert bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag, während Tesla betont, bereits überdurchschnittliche Löhne zu zahlen und gewerkschaftliche Strukturen ablehnt. Gewerkschaftsvertreter werfen dem Management vor, mit Unsicherheiten über den Ausbau der Fabrik Einfluss auf die Wahl nehmen zu wollen.
Der Streit ist Teil eines grundsätzlichen Konflikts zwischen dem US-Konzern und dem deutschen Modell der Mitbestimmung. Tesla betreibt in Grünheide sein einziges europäisches Werk mit rund 11.500 Beschäftigten und hat bislang keinen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Entscheidung über die zukünftige Arbeitnehmervertretung könnte daher weitreichende Folgen für Investitionen und Arbeitsbedingungen haben.
Mit Blick auf sinkende Verkaufszahlen in Europa und steigenden Wettbewerbsdruck steht der Standort zusätzlich unter wirtschaftlichem Druck. Beobachter sehen darin einen weiteren Faktor, der die Verhandlungen zwischen Management und Gewerkschaft verschärfen könnte.
SK