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Neue Führungsschule: McKinsey holt Militär ins Top-Management

Atemtechniken, Stresskontrolle und taktisches Denken werden zum Standard

Top-Manager lernen plötzlich von Elite-Soldaten – nicht aus Imagegründen, sondern aus Notwendigkeit. Die Welt wird komplexer, Entscheidungen müssen schneller und unter Druck getroffen werden. McKinsey reagiert darauf radikal: Führung wird zur Disziplin, die näher an Krisenmanagement ist als an klassischem Business.

2 Min.

31.03.2026

Die Strategieberatung McKinsey verändert ihr Führungskräfteprogramm grundlegend und setzt dabei zunehmend auf Methoden aus dem Militär. Wie aus einem Bericht von Business Insider hervorgeht, werden Top-Manager des Unternehmens künftig unter anderem von Navy SEALs geschult, um ihre Entscheidungsfähigkeit unter Druck zu verbessern.

Hintergrund ist die wachsende Komplexität moderner Führungsrollen. Laut McKinsey hat sich die Zahl der Themen, mit denen sich Top-Manager gleichzeitig befassen müssen, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Neben klassischen wirtschaftlichen Fragen spielen geopolitische Risiken, Lieferkettenprobleme und der Einfluss von Künstlicher Intelligenz eine immer größere Rolle.

Die Reaktion darauf ist ein deutlich ausgeweitetes Trainingsprogramm. Die Teilnahme an Führungskräfteentwicklungen hat sich innerhalb von weniger als 2 Jahren etwa verdoppelt und gilt inzwischen nicht mehr als optionale Weiterbildung, sondern als fester Bestandteil der Rolle.

Ein zentrales Element des neuen Ansatzes ist die Orientierung an militärischen Führungsprinzipien. Dabei geht es nicht um operative Ausbildung, sondern um mentale Fähigkeiten: Stressresistenz, klare Entscheidungsstrukturen und Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit. Externe Experten, darunter ehemalige Elite-Soldaten, vermitteln diese Kompetenzen anhand realer Einsatzsituationen.

Ergänzt wird das Programm durch Methoden zur Selbstregulation. Dazu zählen unter anderem Atemübungen und Techniken zur mentalen Fokussierung, die helfen sollen, auch in hochkomplexen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Ziel ist es, Führungskräfte nicht nur fachlich, sondern auch psychologisch auf extreme Belastungssituationen vorzubereiten.

Organisatorisch setzt McKinsey auf kleine Gruppenformate. Führungskräfte werden in festen Kohorten zusammengeführt, um Vertrauen aufzubauen und persönliche Reflexion zu ermöglichen. Dieser Ansatz orientiert sich ebenfalls an militärischen Ausbildungsstrukturen, bei denen Teamdynamik und gegenseitiges Feedback eine zentrale Rolle spielen.

Die Entwicklung zeigt eine grundlegende Verschiebung im Verständnis von Führung. Während früher vor allem fachliche Expertise im Vordergrund stand, rücken heute Belastbarkeit, Entscheidungsfähigkeit und Selbststeuerung stärker in den Fokus. Führung wird zunehmend als Fähigkeit verstanden, in unsicheren und dynamischen Umfeldern stabil zu agieren.

Der Bericht von Business Insider macht damit deutlich, dass sich auch in der Unternehmenswelt die Anforderungen verändern. Führungskräfte werden nicht mehr nur als Strategen betrachtet, sondern als Akteure in einem Umfeld, das in seiner Komplexität zunehmend an Krisensituationen erinnert.

SK

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