Finanzen

Deutschland startet Privatisierung von Gazprom-Tochter

Staat will sich schrittweise aus Energieversorger SEFE zurückziehen

Deutschland beginnt den Rückzug aus einem zentralen Energieunternehmen. Der frühere Gazprom-Ableger SEFE soll schrittweise privatisiert werden. Eine Kapitalerhöhung von bis zu 2 Milliarden Euro bildet den Auftakt. Hintergrund sind EU-Vorgaben zur Reduzierung staatlicher Beteiligungen. Der Schritt markiert eine neue Phase nach der Energiekrise. Gleichzeitig bleibt die strategische Bedeutung des Unternehmens hoch.

2 Min.

21.04.2026

Die Bundesregierung hat den nächsten Schritt zur Privatisierung des ehemaligen Gazprom-Ablegers in Deutschland eingeleitet. Der Energiekonzern SEFE (Securing Energy for Europe), hervorgegangen aus Gazprom Germania, bereitet eine Kapitalerhöhung vor, die bis zu 2 Milliarden Euro einbringen könnte. Damit beginnt erstmals die schrittweise Reduzierung der staatlichen Beteiligung an dem Unternehmen.

SEFE war 2022 im Zuge des Ukraine-Kriegs verstaatlicht worden, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern. Seitdem gehört das Unternehmen vollständig dem Staat und spielt eine zentrale Rolle im europäischen Gasmarkt, insbesondere bei Handel, Speicherung und Transport von Erdgas.

Die geplante Kapitalerhöhung stellt den ersten konkreten Schritt zurück in Richtung Markt dar. Durch die Ausgabe neuer Anteile würde der bisherige Staatsbesitz verwässert. Hintergrund ist eine klare Vorgabe der Europäischen Union: Deutschland muss bis Ende 2028 mindestens 75 Prozent seiner Beteiligung an SEFE abgeben.

Das frische Kapital soll vor allem in den Ausbau der Infrastruktur fließen. Geplant sind Investitionen in Gasspeicher, Pipelines und Handelsaktivitäten, insbesondere in internationalen Märkten wie Großbritannien. Damit soll die Rolle des Unternehmens als zentraler Akteur in der europäischen Energieversorgung weiter gestärkt werden.

Nach der Kapitalmaßnahme ist ein schrittweiser Rückzug des Staates vorgesehen. Neben einem möglichen Börsengang werden auch alternative Verkaufsmodelle geprüft. Ein IPO gilt jedoch aufgrund des engen Zeitplans und der aktuellen Marktbedingungen als anspruchsvoll.

Die Entwicklung markiert eine neue Phase in der Energiepolitik Deutschlands. Nach der staatlichen Stabilisierung in der Krise folgt nun die Rückführung in private Strukturen. Damit wird SEFE zugleich zu einem der zentralen Fälle für den Umgang mit strategisch wichtigen Infrastrukturunternehmen in einem geopolitisch angespannten Umfeld.

SK

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