Finanzen

Frank Thelens Fonds sind zurück im Spiel

Fünf Jahre nach dem Start seines ersten Techfonds sieht die Bilanz deutlich besser aus

Der Startzeitpunkt im Herbst 2021 hätte kaum schwieriger sein können. Heute hat der Disruptive-Technologies-Fonds seine damaligen Verluste aufgeholt. Zeit für eine neue Bestandsaufnahme.

5 Min.

31.08.2026

Als Frank Thelen im September 2021 seinen ersten Publikumsfonds auflegte, waren die Erwartungen hoch. Er selbst hielt es für möglich, das investierte Kapital innerhalb von vier bis acht Jahren ungefähr zu verdreifachen. Dann drehte der Markt. Steigende Zinsen setzten hoch bewertete Wachstumsunternehmen unter Druck, Technologiewerte wurden massiv verkauft – und der damals noch 10xDNA Disruptive Technologies genannte Fonds verlor 2022 mehr als die Hälfte seines Werts. Fünf Jahre später sieht die Geschichte anders aus. Der Fonds hat sich deutlich erholt, TEQ hat seinen Investmentprozess verändert und weitere Produkte aufgelegt. Der jüngste KI-ETF liegt nach wenigen Monaten rund 30 Prozent im Plus. Zeit, Thelens Börsenbilanz noch einmal neu zu vermessen.

Der Zeitpunkt hätte schwieriger kaum sein können

Der TEQ Disruptive Technologies startete am 1. September 2021 zu einem Ausgabepreis von 25 Euro. Sein Portfolio konzentrierte sich auf disruptive Technologien und wachstumsstarke Unternehmen – also ausgerechnet auf jene Marktsegmente, die wenige Monate später besonders stark unter der Zinswende litten.

2022 verlor eine der frühen Anteilsklassen rund 51 Prozent. Thelen sprach später selbst von einem »historischen Ausverkauf von Wachstumsaktien«. Tatsächlich gerieten damals nicht nur seine Titel unter Druck: Höhere Zinsen reduzierten den heutigen Wert weit in der Zukunft erwarteter Gewinne, wodurch insbesondere hoch bewertete Technologieunternehmen neu bewertet wurden.

Das erklärt einen Teil der Entwicklung – aber nicht alles. Ein stark konzentriertes Technologieportfolio reagiert zwangsläufig heftiger auf solche Marktbewegungen. Zudem hatte Thelen seinen Ansatz stark aus der Perspektive eines Venture-Capital-Investors entwickelt: Entscheidend waren Technologie, Gründerteams und das langfristige Potenzial disruptiver Geschäftsmodelle.

Inzwischen sagt er selbst, dass diese Perspektive für den Aktienmarkt allein nicht ausreichte.

Aus der Venture-Capital-Brille wurde mehr Finanzdisziplin

In einem Interview mit dem Private Banking Magazin bezeichnete Thelen die ersten Jahre 2024 als »Bumpy Ride«. Die wichtigste Erkenntnis sei gewesen, mehr Finanzdisziplin in den Investmentprozess einzubauen. Anfangs habe man Technologie und Teams zu stark mit einer »Venture-Capital-Brille« betrachtet.

TEQ verstärkte daraufhin das Team um klassische Kapitalmarktexpertise. Neben der technologischen Beurteilung sollen Finanzkennzahlen, Cashflows, Liquidität und Bewertung stärker in die endgültige Investmententscheidung einfließen.

Auch kommunikativ blickt Thelen heute nüchterner auf seine Anfangszeit. Seine damaligen Renditeerwartungen würde er rückblickend möglicherweise defensiver formulieren, sagte er in demselben Interview.

Das ist für die heutige Einordnung nicht unwesentlich. Denn die ursprüngliche Vorstellung, das eingesetzte Kapital innerhalb von vier bis acht Jahren ungefähr zu verdreifachen, bleibt eine sehr hohe Messlatte. Thelen hatte sie allerdings stets als persönliche Erwartung und nicht als Garantie bezeichnet.

Die Erholung ist inzwischen deutlich sichtbar

Heute notiert die R-Anteilsklasse des Disruptive-Technologies-Fonds wieder über ihrem ursprünglichen Ausgabepreis. Ende August lag der Kurs bei rund 27 Euro. Allein 2026 hat der Fonds bislang kräftig zugelegt; auch über drei Jahre fällt die Wertentwicklung deutlich positiv aus.

Damit ist eine der auffälligsten Geschichten aus den Anfangsjahren zunächst korrigiert: Wer den Fonds ausschließlich anhand seines Tiefpunkts von 2022 beurteilt, bildet seine heutige Entwicklung nicht mehr angemessen ab.

Eine außergewöhnliche Langfristrendite ist daraus allerdings noch nicht geworden. Seit Auflage liegt die annualisierte Wertentwicklung weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich, und über drei Jahre schnitten breite Vergleichsgruppen von Technologiefonds stärker ab.

Gerade darin zeigt sich, wie anspruchsvoll die Mathematik nach großen Kursverlusten ist. Nach einem Minus von 50 Prozent braucht ein Investment anschließend ein Plus von 100 Prozent, um lediglich seinen Ausgangswert wieder zu erreichen.

Thelens erster Fonds hat einen erheblichen Teil dieser Strecke inzwischen geschafft.

Aus einem Fonds ist eine Produktfamilie geworden

TEQ blieb während der schwierigen Jahre nicht bei seinem ersten Produkt. 2023 kam der Small & Mid Cap Technologies Fonds hinzu. Er investiert stärker in kleinere und mittelgroße börsennotierte Technologieunternehmen. Auch dieses Produkt schwankt erheblich, hat 2026 bislang jedoch deutlich zugelegt.

Noch größer ist der konzeptionelle Unterschied beim jüngsten Produkt.

Seit Januar 2026 ist an der Deutschen Börse der TEQ General Artificial Intelligence EUR UCITS ETF handelbar. Anders als die beiden aktiv gemanagten Fonds bildet er einen Index ab. Darin können bis zu 100 Unternehmen aus fünf Bereichen der KI-Wertschöpfungskette vertreten sein: KI-Entwickler und Cloudanbieter, KI-Chips, Chipfertigung, Recheninfrastruktur sowie Datenplattformen und IT-Sicherheit. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,69 Prozent.

Das Gewicht eines einzelnen Unternehmens wird beim Rebalancing grundsätzlich auf drei Prozent begrenzt. Damit soll verhindert werden, dass einige wenige Mega-Caps den gesamten Fonds dominieren.

Der Start fällt bislang ausgesprochen stark aus. Bis zum 24. August lag der ETF seit Auflage rund 31 Prozent im Plus. Das Fondsvolumen betrug allerdings erst knapp 16 Millionen Euro. Die Historie ist mit wenigen Monaten zudem viel zu kurz, um daraus eine belastbare langfristige Bilanz abzuleiten.

Thelen schreibt seine Börsengeschichte weiter

Fünf Jahre nach dem Start seines ersten Publikumsfonds lässt sich Frank Thelens Börsengeschichte nicht mehr auf die schwierigen Anfangsjahre reduzieren.

Aus einem Fonds, der ausgerechnet zum Beginn eines massiven Ausverkaufs von Wachstumsaktien startete, ist inzwischen ein breiter aufgestelltes Investmentgeschäft hervorgegangen. Die Produkte haben sich erholt beziehungsweise positiv entwickelt, während TEQ zugleich seinen eigenen Ansatz weiterentwickelt hat. Und Thelen selbst benennt inzwischen Punkte, die er im ursprünglichen Investmentprozess anders gewichten würde.

Ob daraus langfristig eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte mit überdurchschnittlicher Investmentbilanz wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Dafür braucht es einen vollständigen Marktzyklus.

2022 musste er erklären, warum sein Ansatz so schnell und so deutlich unter Druck geraten war.

2026 kann Frank Thelen deutlich zuversichtlicher auf seine Fonds blicken – und zeigen, was aus den damaligen Erfahrungen entstanden ist. 

Stefanie S. Klief

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