Finanzen

Rückenwind für RWE: Energiekonzern verdient deutlich mehr

Der DAX-Konzern profitiert von neuen Wind- und Solarparks, bleibt aber auch auf flexible Kraftwerke angewiesen

RWE ist mit einem deutlichen Ergebnisplus in das Jahr 2026 gestartet und bestätigt seine Jahresziele. Für Anleger ist vor allem relevant, dass der Ausbau von Windkraft, Solarparks und Batteriespeichern zunehmend sichtbar zum Ergebnis beiträgt. Gleichzeitig zeigt der Quartalsbericht, dass die Transformation des Konzerns weiter Kapital, Geduld und politische Verlässlichkeit braucht. Die Aktie bleibt damit ein Börsenwert zwischen Energiewende, Infrastrukturwette und klassischem Versorgerprofil.

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16.05.2026

RWE hat zum Jahresauftakt deutlich mehr verdient und damit die Erwartungen am Markt im Wesentlichen erfüllt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im 1. Quartal 2026 auf rund 1,6 Milliarden Euro, nach etwa 1,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Nettoergebnis lag bei rund 600 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte der Energiekonzern seine Prognose.

Für Anleger ist die Entwicklung vor allem deshalb interessant, weil sich der Umbau des Konzerns immer stärker in den Zahlen zeigt. RWE profitiert von besseren Windverhältnissen in Europa, neuen Windkraftanlagen, Solarparks und Batteriespeichern. Seit Ende März 2025 nahm der Konzern zusätzliche Anlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 2,3 Gigawatt in Betrieb. Besonders deutlich legte das Geschäft mit Offshore-Windkraft zu. In diesem Segment stieg das bereinigte operative Ergebnis von 380 Millionen Euro auf 570 Millionen Euro.

Finanzchef Michael Müller sprach von einem guten Start ins Jahr und verwies auf Fortschritte beim Portfolioausbau. Die Jahresprognose bleibt unverändert: RWE erwartet für 2026 ein bereinigtes operatives Ergebnis zwischen 5,2 Milliarden und 5,8 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 1,55 Milliarden und 2,05 Milliarden Euro liegen.

Ganz ohne Sondereffekte ist das Ergebnis allerdings nicht. Reuters zufolge trug eine Einmalzahlung der niederländischen Regierung in Höhe von 332 Millionen Euro zum Ergebnis bei. Sie steht im Zusammenhang mit Belastungen durch eine frühere Begrenzung der CO₂-Emissionen am Kohlekraftwerk Eemshaven. Ohne diesen Effekt wäre der Ergebnisanstieg weniger deutlich ausgefallen. Für die Börse ist das ein wichtiger Punkt: Operativ läuft der Ausbau der Erneuerbaren zwar besser, doch die Quartalsdynamik ist nicht ausschließlich organisch.

Strategisch bleibt RWE ein Konzern im Umbau. Das Unternehmen will bis 2040 klimaneutral werden und investiert massiv in Windkraft, Solarenergie, Speicher und flexible Erzeugung. Bis 2031 plant RWE Nettoinvestitionen von 35 Milliarden Euro. Die Erzeugungskapazität soll auf rund 65 Gigawatt steigen. Gleichzeitig bleibt der Konzern in fossilen Strukturen verankert und dürfte auch beim geplanten Neubau wasserstofffähiger Gaskraftwerke in Deutschland eine Rolle spielen.

Für die Aktie ergibt sich daraus ein gemischtes, aber durchaus interessantes Bild. Positiv ist, dass RWE mit berechenbaren Erträgen, Infrastrukturinvestitionen und einem wachsenden Erneuerbaren-Portfolio ein klares Kapitalmarktnarrativ bietet. Hinzu kommt die Aussicht auf steigende Dividenden: Für 2026 peilt der Konzern eine Dividende von 1,32 Euro je Aktie an, nach 1,20 Euro für das Geschäftsjahr 2025.

Gleichzeitig bleibt der Titel abhängig von Regulierung, Strompreisen, Projektkosten und politischen Entscheidungen zur Energieversorgung. Der Umbau ist kapitalintensiv, und nicht jeder Zubau bei Erneuerbaren schlägt sofort stabil auf den Gewinn durch. Für Anleger bleibt RWE daher weniger eine schnelle Wachstumsstory als vielmehr eine langfristige Wette auf den Umbau der europäischen Stromversorgung.

An der Börse zählt nun, ob RWE die bestätigte Prognose im weiteren Jahresverlauf mit operativer Stärke untermauern kann. Der Auftakt liefert dafür Argumente – aber auch den Hinweis, dass Sondereffekte und politische Rahmenbedingungen weiter genau beobachtet werden müssen.

SK

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