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Kurz vor der WM holt Platini zum Gegenschlag aus

Der frühere UEFA-Chef wirft Infantino und der FIFA vor, ihn gezielt aus dem Rennen um die Macht gedrängt zu haben

4 Min.

09.06.2026

Gianni Infantino mit Donald Trump, Claudia Sheinbaum und Mark Carney bei der WM-Auslosung am 05.12.2025

Wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-WM in Nordamerika wird FIFA-Präsident Gianni Infantino von alten Machtfragen eingeholt. Der frühere UEFA-Präsident Michel Platini hat in Frankreich Strafanzeige und eine Zivilklage gegen Infantino, die FIFA und mehrere frühere Funktionäre eingereicht. Platini wirft ihnen vor, ihn 2015 durch eine gezielte Kampagne an seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten gehindert zu haben.

Der Fall führt zurück in die Zeit nach dem Sturz von Sepp Blatter. Damals galt Platini als möglicher Nachfolger an der Spitze des Weltfußballverbands. Doch eine umstrittene Zahlung über zwei Millionen Schweizer Franken, die Platini 2011 von der FIFA erhalten hatte, führte zu Ethikverfahren und Sperren gegen ihn und Blatter. Am Ende war Platinis Weg zur FIFA-Präsidentschaft blockiert und Infantino wurde 2016 FIFA-Chef.

Platini sieht eine gezielte Ausschaltung

Platini behauptet nun, die Vorgänge seien nicht nur Ergebnis eines normalen Ethikverfahrens gewesen. Nach seiner Darstellung soll es eine koordinierte Aktion gegeben haben, um seine Kandidatur zu verhindern und Infantino den Weg zu ebnen. Im Raum stehen Vorwürfe wie böswillige Strafverfolgung und unzulässige Einflussnahme.

Juristisch ist damit nichts bewiesen. Die neuen Anzeigen und Klagen eröffnen zunächst ein weiteres Verfahren. Politisch aber ist der Zeitpunkt brisant. Die FIFA steht kurz vor ihrem größten Turnier: 48 Mannschaften, 3 Gastgeberländer, enorme Ticket- und Vermarktungserlöse, globale Aufmerksamkeit.

Dass ausgerechnet jetzt alte Vorwürfe gegen die Machtarchitektur des Verbands wieder hochkommen, ist für Infantino unangenehm.

Der Freispruch verändert die Erzählung

Wichtig ist: Platini und Blatter wurden in der Schweiz später vom Vorwurf des Betrugs und der Urkundenfälschung freigesprochen. Dieser Freispruch ist inzwischen rechtskräftig. Genau darauf stützt Platini seinen politischen Gegenangriff. Wenn die ursprünglichen strafrechtlichen Vorwürfe nicht hielten, stellt sich aus seiner Sicht die Frage, ob das damalige Verfahren missbraucht wurde, um ihn aus dem Rennen zu nehmen.

Für die FIFA ist das heikel. Der Verband hatte sich nach den Skandalen der Blatter-Ära als reformiert und transparenter präsentieren wollen. Infantino trat 2016 mit dem Versprechen an, den Weltfußball neu aufzustellen. Doch der neue Fall erinnert daran, dass die Machtübernahme selbst weiter umstritten ist.

Die WM ist längst ein Milliardenunternehmen

Der Zeitpunkt kurz vor der WM macht den Fall wirtschaftlich relevant. Die Fußball-WM ist nicht nur ein Sportereignis, sondern eines der größten kommerziellen Events der Welt. Tickets, Sponsoren, Medienrechte, Hospitality, Städtepartnerschaften, Fanreisen und Sicherheitskosten erzeugen Milliardenströme.

Gerade deshalb ist Governance so entscheidend. Wer ein solches globales Geschäft kontrolliert, kontrolliert nicht nur Spielpläne, sondern enorme Einnahmen, politische Sichtbarkeit und wirtschaftliche Chancen. Die Frage, wie jemand an die Spitze dieses Systems gelangt ist, ist deshalb mehr als persönliche Vergangenheit. Sie berührt das Vertrauen in den Verband, der den Weltfußball organisiert und vermarktet.

Infantino steht auch anderswo unter Druck

Die Platini-Klage ist nicht der einzige Streit um Infantino. Der FIFA-Präsident wird auch wegen seiner politischen Nähe zu Donald Trump kritisiert. Die norwegische Fußballföderation unterstützt eine Ethikbeschwerde gegen ihn, nachdem Infantino Trump im Umfeld der WM-Auslosung einen Friedenspreis verliehen hatte. Kritiker sehen darin einen möglichen Verstoß gegen die politische Neutralität der FIFA.

Auch in den USA wächst kurz vor dem Turnier die Kritik an FIFA und Infantino. Demokraten wie Republikaner äußern Bedenken wegen hoher Ticketpreise, FIFA-Strukturen und der Nähe zur Politik. Selbst Trump kritisierte öffentlich Ticketpreise von rund 1.000 Dollar, obwohl er die WM zugleich politisch für sich nutzt.

Damit entsteht ein ungewöhnliches Bild: Der Weltverband organisiert sein größtes Turnier – und steht gleichzeitig wegen Machtfragen, Preisen, Politiknähe und alten Skandalen unter Beobachtung.

Der Weltfußball bleibt ein Machtapparat

Die schwerwiegendste Frage lautet nicht, ob Platini mit seiner Klage am Ende Erfolg hat. Das wird erst ein Gericht oder eine Ermittlungsbehörde klären. Die größere Frage lautet, warum der Weltfußball immer wieder an denselben Punkten verwundbar wirkt: Machtkonzentration, politische Nähe, undurchsichtige Verfahren, enorme Vermarktungserlöse und ein Ethiksystem, dessen Unabhängigkeit regelmäßig bezweifelt wird.

Infantino hat die FIFA in eine neue kommerzielle Größenordnung geführt. Die WM wurde erweitert, neue Wettbewerbe wurden geschaffen, die Einnahmen wachsen. Doch je größer das Geschäft wird, desto stärker wird auch der Anspruch an Transparenz und Glaubwürdigkeit.

SK

 

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