Die Internationale Energieagentur (IEA) prüft die bislang größte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte. Hintergrund ist der starke Preisanstieg auf den Energiemärkten infolge des Konflikts im Nahen Osten und der damit verbundenen Risiken für die globale Energieversorgung.
Nach Angaben von mit den Beratungen vertrauten Personen könnte die geplante Maßnahme größer ausfallen als die Freigabe von rund 182 Millionen Barrel Öl im Jahr 2022, die damals als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine beschlossen worden war. Über die mögliche Freigabe beraten derzeit die 32 Mitgliedsstaaten der Energieagentur in einer außerordentlichen Sitzung.
Auslöser der Diskussion sind massive Spannungen im Nahen Osten. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran hat zu erheblichen Störungen im internationalen Ölhandel geführt. Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa zwanzig Prozent des weltweit gehandelten Erdöls transportiert werden.
Die Unsicherheit über mögliche Lieferunterbrechungen hatte die Ölpreise zeitweise deutlich steigen lassen. Brent-Rohöl kletterte zeitweise auf über 100 US-Dollar pro Barrel, bevor die Preise nach Berichten über eine mögliche Freigabe von Reserven wieder etwas nachgaben.
Die strategischen Ölreserven der IEA-Mitgliedstaaten gelten als wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Märkte in Krisensituationen. Insgesamt verfügen die beteiligten Länder über Notfallbestände von mehr als 1,2 Milliarden Barrel Rohöl, die bei schweren Versorgungsstörungen koordiniert freigegeben werden können.
Sollte es tatsächlich zu einer Freigabe kommen, wäre dies erst die sechste koordinierte Intervention seit der Gründung der Energieagentur nach der Ölkrise der 1970er Jahre. Die Maßnahme zielt darauf ab, kurzfristige Versorgungslücken zu schließen und extreme Preisschwankungen am Energiemarkt abzufedern.
SK