Politik

Deutschlands Wachstumssieger profitiert vom Rüstungsboom

Bremens Wirtschaftsleistung steigt um 1,4 Prozent, doch der Aufschwung ruht auf wenigen starken Branchen

3 Min.

24.06.2026

Während die deutsche Wirtschaft 2025 nahezu stagnierte, legte Bremen deutlich zu. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe, militärische Großaufträge und steigende Hafenumschläge trieben die Entwicklung an. Die starke Abhängigkeit von einzelnen Branchen bleibt jedoch ein wirtschaftliches Risiko.
 

Bremen hat sich 2025 gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern an die Spitze des deutschen Wirtschaftswachstums gesetzt. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent. Deutschlandweit erreichte das Wachstum lediglich 0,2 Prozent.

Nominal erhöhte sich die Wirtschaftsleistung des Zwei-Städte-Staates um 4,2 Prozent auf rund 43 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftet Bremen etwa ein Prozent des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Industrie entwickelt sich gegen den Bundestrend

Besonders stark wuchs das Produzierende Gewerbe mit einem Plus von 3,2 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich die Wirtschaftsleistung sogar um 5,4 Prozent, während beide Bereiche im Bundesdurchschnitt leicht schrumpften.

Die Industrieumsätze legten nach vorläufigen Angaben um 7,8 Prozent zu. Handelskammer-Präses André Grobien führt diese Entwicklung insbesondere auf Investitionen und Großaufträge in der Verteidigungsindustrie zurück.

Dazu zählen der Bau von Fregatten für die Bundesmarine, Aufträge im Bereich militärischer Satelliten und weitere Rüstungsprojekte. Bremen profitiert damit unmittelbar von den deutlich gestiegenen Verteidigungsausgaben des Bundes.

Häfen schlagen mehr Güter um

Auch die Häfen trugen zum Wachstum bei. Der Containerumschlag stieg 2025 um 10,3 Prozent. Beim Massen- und Stückgut wurde ein Zuwachs von 5,4 Prozent verzeichnet.

Hinzu kommen Investitionen des Bundes in den Hafenstandort Bremerhaven. Die maritime Wirtschaft, Logistikunternehmen und die dort angesiedelte Industrie bilden damit neben der Rüstungswirtschaft eine zweite tragende Säule des Bremer Wachstums.

Der Dienstleistungsbereich entwickelte sich dagegen mit einem Plus von 0,5 Prozent wesentlich verhaltener und lag ungefähr auf dem bundesweiten Niveau.

Produktivität steigt, Beschäftigung bleibt stabil

Das nominale Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem erhöhte sich um vier Prozent auf rund 96.400 Euro. Preisbereinigt entsprach dies einem Produktivitätszuwachs von 1,1 Prozent, ebenfalls mehr als im Bundesdurchschnitt.

Die Beschäftigung blieb stabil. Zugleich sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Gesamtjahr 2025 nach Angaben des Senats um 7,1 Prozent.

Der wirtschaftliche Erfolg ist allerdings nicht gleichmäßig über alle Branchen verteilt. Während Rüstung, Industrie und Häfen wachsen, bewerten viele Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Aussichten deutlich zurückhaltender. Hohe Energie- und Materialkosten sowie bürokratische Belastungen setzen vor allem kleineren Betrieben zu.

Standortpolitik bleibt entscheidend

Die Handelskammer würdigt, dass der Bremer Senat die Chancen des Verteidigungsbooms nutzt. Gleichzeitig fordert sie schnellere Verwaltungsverfahren und einen stärkeren Bürokratieabbau.

Auch die Verkehrsanbindung bereitet der Wirtschaft Sorgen. Die angekündigte Einstellung der Lufthansa-Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt zum 1. Juli könnte die internationale Erreichbarkeit des Standorts verschlechtern. Die Handelskammer drängt deshalb auf eine Lösung.

Hinzu kommt, dass die Wachstumszahlen für 2025 noch vorläufig sind. Frühere Ergebnisse wurden bereits korrigiert. Für 2024 weist die Statistik inzwischen einen Rückgang um 0,5 Prozent aus, nachdem zunächst ein Minus von einem Prozent angenommen worden war.

Dennoch zeigt Bremen, dass regionale Spezialisierung auch in einer schwachen Gesamtkonjunktur Wachstum ermöglichen kann. Wie nachhaltig der Aufschwung ist, hängt nun davon ab, ob das Land seine starken Branchen ausbaut und zugleich eine breitere wirtschaftliche Basis schafft.

SK

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