Sachwerte

Grüne Rohstoffwette bringt bis zu 34 Prozent

Clean Energy, Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft gehören zu den stärksten nachhaltigen ETF-Themen 2026

5 Min.

07.08.2026

Katherina Reiche, Bundesministerin fuer Wirtschaft und Energie, besucht die Salzgitter AG, wo die erste mit Wasserstoff betriebene Direkt-Reduktions-Anlage gebaut wird, am 30.07.2026

Windkraft, Wasserstoff, Recycling und neue Energietechnik sind an den Börsen zurück. Mehrere darauf spezialisierte ETFs haben 2026 kräftig zugelegt. Für Rohstoffanleger ist die Entwicklung interessant: Die Fonds investieren nicht direkt in Kupfer, Lithium oder andere Materialien, sondern in Unternehmen, die von ihrem wachsenden Bedarf profitieren.

Nachhaltige Themenfonds hatten es zuletzt schwer. Politische Gegenbewegungen, enttäuschende Renditen und die Debatte um Greenwashing sorgten dafür, dass Anleger Milliarden abzogen. In Europa wurden im zweiten Quartal 2026 nur noch 13 neue nachhaltige Fonds aufgelegt, während 64 geschlossen wurden – die stärkste Bereinigung seit Jahren.

Umso auffälliger ist, dass einige Bereiche inzwischen wieder deutlich zulegen.

Die Kölner Vermögensverwaltung Rheinische Portfolio Management hat zum Stichtag 30. Juni insgesamt 62 nachhaltige ETFs untersucht. Bewertet wurden nicht allein Renditen, sondern auch Volatilität, maximale Verluste und risikoadjustierte Kennzahlen. Die zehn bestbewerteten Produkte bilden anschließend das Portfolio des hauseigenen Kölner Nachhaltigkeitsfonds.

Kreislaufwirtschaft liegt weit vorne

Besonders interessant für den Rohstoffbereich ist der Xtrackers MSCI Global Circular Economy ETF. Er landet im aktuellen Ranking auf Platz drei und hat seit Jahresbeginn 33,58 Prozent zugelegt.

Der Fonds investiert in Unternehmen, die von Recycling, Wiederverwendung und effizienterem Materialeinsatz profitieren sollen. Dahinter steht ein zunehmend wichtiger wirtschaftlicher Gedanke: Je knapper und geopolitisch sensibler Rohstoffe werden, desto wertvoller wird es, bereits vorhandene Materialien erneut in industrielle Kreisläufe zurückzuführen.

Damit wird Recycling vom Umweltthema zunehmend auch zur Rohstoffstrategie.

Clean Energy legt mehr als 22 Prozent zu

Auf Platz sieben findet sich der L&G Clean Energy ETF mit einem Plus von 22,26 Prozent seit Jahresbeginn. Er bildet Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette erneuerbarer Energien ab – von Wind-, Solar-, Wasser- und Geothermieprojekten bis zu ihren Zulieferern.

Gerade hier berührt das Thema unmittelbar den Rohstoffmarkt. Solaranlagen, Stromnetze, Speicher und Windkraftanlagen benötigen große Mengen Kupfer, Aluminium, seltene Metalle und weitere Industriematerialien. Der ETF selbst hält jedoch Aktien dieser Unternehmen und keine physischen Rohstoffe.

Ähnlich funktioniert der BNP Paribas Easy ECPI Global ESG Hydrogen Economy ETF auf Platz acht. Er investiert in Unternehmen aus Erzeugung, Speicherung und Transport von Wasserstoff sowie in Hersteller von Brennstoffzellen und technischer Ausrüstung. Seit Jahresbeginn kommt er auf ein Plus von 21,06 Prozent.

KI erhöht plötzlich auch den Strombedarf

Ein Grund für die Renaissance sauberer Energien liegt ausgerechnet im KI-Boom.

Neue Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom. Damit wächst nicht nur die Nachfrage nach Chips, sondern auch nach Kraftwerken, Netzen, Speichern und zusätzlicher Erzeugungskapazität. Investoren haben deshalb erneuerbare Energien wieder stärker entdeckt. Morningstar beobachtete bereits Ende 2025 nach neun Quartalen mit Abflüssen erstmals wieder erhebliche Zuflüsse in europäische Clean-Energy-Fonds.

Gleichzeitig zeigt der Iran-Krieg, wie verletzlich eine stark von fossilen Energieträgern abhängige Versorgung bleibt. Auch deshalb wird der Ausbau heimischer erneuerbarer Energien zunehmend nicht nur mit Klimaschutz, sondern mit Versorgungssicherheit begründet.

Nachhaltig bedeutet nicht automatisch risikoarm

Die starken Kursgewinne sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwankungsanfällig solche Themeninvestments sind.

Der L&G Clean Energy ETF hat seit seiner Auflegung zwischenzeitlich fast 48 Prozent an Wert verloren. Beim aktuell erstplatzierten WisdomTree BioRevolution ETF lag der maximale Rückgang sogar bei mehr als 52 Prozent.

Auch politische Entscheidungen können die Kurse stark beeinflussen. Änderungen bei Förderprogrammen, Strommarktregeln oder CO₂-Preisen verändern mitunter innerhalb kurzer Zeit die Gewinnerwartungen ganzer Branchen. Reuters warnte Anfang August zudem vor einer generellen Bereinigung des nachhaltigen Fondsmarkts.

Rohstoffinvestment über einen Umweg

Für Anleger im Sachwertebereich ist deshalb eine Unterscheidung entscheidend.

Ein Clean-Energy- oder Circular-Economy-ETF ist kein klassisches Rohstoffinvestment. Wer einen solchen Fonds kauft, besitzt weder Kupfer noch Lithium, Silber oder Öl. Er hält Aktien von Unternehmen, deren Geschäft von diesen Rohstoffen, ihrem Einsatz oder ihrer Wiederverwertung abhängt.

Damit bieten die ETFs Chancen auf Wachstum, tragen aber zugleich typische Aktienrisiken: Unternehmensgewinne, Zinsen, Bewertungen und politische Entscheidungen beeinflussen ihre Kurse.

Was bleibt

Nachhaltige Investments erleben kein flächendeckendes Comeback. Dafür ist die Branche derzeit viel zu stark im Umbruch.

Einige Themen entwickeln jedoch erneut bemerkenswerte Dynamik – und gerade dort spielt der Zugang zu Energie und Rohstoffen eine zentrale Rolle.

Kreislaufwirtschaft, Wasserstoff und erneuerbare Energien sind deshalb auch für Sachwerte-Anleger interessant. Sie zeigen, dass sich die Rohstofffrage längst nicht mehr darauf beschränkt, ob Kupfer, Lithium oder seltene Metalle im Preis steigen.

Mindestens ebenso wichtig wird die Frage, wer mit diesen Rohstoffen künftig Energie erzeugt, sie effizienter nutzt – und sie wieder zurück in den Kreislauf bringt.

Stefanie S. Klief

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