Sachwerte

Luxus-Sachwerte bleiben gefragt – aber der Markt wird selektiver

Der Wealth Report 2026 zeigt: Premiumimmobilien und hochwertige Uhren behaupten sich trotz Zinsdruck und schwächerer Luxusmärkte

5 Min.

10.06.2026

Luxus-Sachwerte haben schwierige Jahre hinter sich, doch ganz verschwunden ist die Nachfrage nicht. Der Wealth Report 2026 zeigt ein differenziertes Bild: Premiumimmobilien legten weltweit weiter zu, hochwertige Uhren konnten sich ebenfalls erholen. Der Markt belohnt jedoch nicht mehr jeden Hype, sondern zunehmend Qualität, Knappheit und langfristige Werthaltigkeit.
 

Der Markt für Luxus-Sachwerte sortiert sich neu. Nach Jahren starker Preissteigerungen, spekulativer Nachfrage und anschließender Korrekturen zeigt der Wealth Report 2026 von Knight Frank ein deutlich nüchterneres Bild. Luxusinvestments sind nicht tot, aber sie funktionieren anders als während der Boomphase.

Besonders stabil zeigen sich Premiumimmobilien. Der Prime International Residential Index stieg 2025 weltweit um 3,2 Prozent. In Europa lag das Plus mit 3,3 Prozent sogar leicht darüber. Damit behauptet sich das Luxussegment in einem Umfeld, in dem viele klassische Immobilienmärkte unter hohen Zinsen, Finanzierungskosten und Kaufzurückhaltung leiden.

Auch hochwertige Uhren konnten wieder zulegen. Der Knight Frank Luxury Investment Index weist für Uhren 2025 ein Plus von 5,1 Prozent aus. Damit gehören sie zu den stärkeren Segmenten innerhalb eines insgesamt noch vorsichtigen Luxusmarktes. Der Gesamtindex lag 2025 nur noch 0,4 Prozent im Minus, nach stärkeren Rückgängen zuvor. Auf Sicht von 10 Jahren steht dennoch ein Plus von 38,6 Prozent.

Luxusimmobilien reagieren anders auf den Zinsdruck

Der wichtigste Unterschied zwischen Premiumimmobilien und dem breiten Wohnimmobilienmarkt liegt in der Käuferstruktur. Hochpreisige Objekte werden deutlich häufiger mit hohem Eigenkapitalanteil oder vollständig aus vorhandenen Vermögen erworben. Dadurch treffen steigende Zinsen dieses Segment weniger direkt als normale Immobilienkäufer, die stark auf Bankfinanzierungen angewiesen sind.

Hinzu kommt: Für sehr vermögende Käufer sind Luxusimmobilien längst mehr als Wohnraum. Sie dienen als Vermögensspeicher, internationaler Anker, Inflationsschutz und Absicherung in politisch unsicheren Zeiten. Gute Lagen, begrenztes Angebot und globale Nachfrage stützen diesen Markt zusätzlich.

Besonders starke Zuwächse verzeichneten laut Wealth Report einzelne internationale Standorte. Dubai legte um 25,1 Prozent zu, Manila um 17,5 Prozent und Seoul um 14,7 Prozent. Das zeigt, wie stark sich der globale Immobilienmarkt inzwischen aufspaltet. Während Durchschnittsmärkte vielerorts unter Druck stehen, bleiben exklusive Lagen für kapitalkräftige Käufer interessant.

Uhren profitieren von Knappheit und Sammlerwert

Auch der Uhrenmarkt zeigt, wie selektiv Luxus-Sachwerte inzwischen bewertet werden. Nach der starken Nachfrage der vergangenen Jahre hatten viele Modelle zwischenzeitlich deutliche Korrekturen erlebt. Vor allem während der Niedrigzinsphase waren Luxusuhren für viele Käufer nicht nur Sammlerobjekt, sondern auch Anlageersatz.

Mit dem veränderten Zinsumfeld hat sich dieser Hype abgeschwächt. Doch hochwertige Uhren bleiben gefragt, wenn Marke, Modell, Zustand, Seltenheit und Herkunft stimmen. Genau diese Faktoren werden wichtiger. Der Markt belohnt nicht mehr blind jedes begehrte Modell, sondern unterscheidet stärker zwischen Substanz und Spekulation.

Das Plus von 5,1 Prozent im Jahr 2025 deutet deshalb nicht auf eine Rückkehr zur Euphorie hin. Es zeigt eher eine Stabilisierung. Uhren bleiben ein mobiler, emotional aufgeladener und international handelbarer Sachwert. Aber sie sind kein Selbstläufer mehr.

Vom Hype zur Qualitätsprüfung

Der gemeinsame Nenner von Luxusimmobilien und Uhren lautet: Qualität zählt wieder stärker als Trend. Während in der Boomphase viele Luxusgüter von überschüssiger Liquidität und niedrigen Zinsen profitierten, entscheidet heute stärker die konkrete Werthaltigkeit des einzelnen Objekts.

Das gilt auch für andere Segmente des Luxusmarktes. Impressionistische Kunst legte 2025 um 13,6 Prozent zu, moderne Kunst um 7,1 Prozent und Post-War-Art um 5,2 Prozent. Gleichzeitig verloren Whisky 10,9 Prozent, Druckgrafiken 6,6 Prozent, zeitgenössische Kunst 6 Prozent und Burgunder-Weine 4,8 Prozent.

Der Wealth Report zeigt damit keinen einheitlichen Luxusboom, sondern eine neue Sortierung. Manche Märkte stabilisieren sich, andere bleiben unter Druck. Anleger schauen genauer hin, vergleichen stärker und achten mehr auf Provenienz, Zustand, Knappheit, Standort und langfristige Nachfrage.

Sachwerte bleiben gefragt – aber nicht jeder Sachwert überzeugt

Für vermögende Investoren bleibt der Grundgedanke dennoch attraktiv. Sachwerte bieten etwas, das reine Finanzanlagen nicht leisten: Sie sind greifbar, begrenzt verfügbar und oft emotional aufgeladen. Eine Villa in einer Toplage oder eine seltene Uhr erfüllt nicht nur eine Anlagefunktion, sondern steht auch für Status, Identität und Unabhängigkeit.

Genau darin liegt aber auch das Risiko. Luxus-Sachwerte sind keine einfachen Renditeprodukte. Sie brauchen Expertise, Marktkenntnis, Geduld und Zugang. Wer nur dem nächsten Trend folgt, kann schnell in überhitzte Segmente geraten. Wer dagegen Qualität, Seltenheit und langfristige Nachfrage erkennt, findet weiterhin stabile Nischen.

Der Wealth Report 2026 sendet deshalb eine klare Botschaft: Luxus-Sachwerte bleiben ein wichtiger Teil der Vermögenswelt. Doch die Zeit, in der fast jedes begehrte Objekt automatisch im Wert stieg, ist vorbei. Der Markt wird erwachsener, anspruchsvoller und selektiver.

SK

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