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Deutschlands IT-Arbeitsmarkt dreht sich

Mehr Arbeitslose, weniger offene Stellen – doch hoch qualifizierte Fachkräfte bleiben gefragt

4 Min.

05.08.2026

Jahrelang konnten sich IT-Fachkräfte ihre Arbeitgeber nahezu aussuchen. Nun sinkt die Zahl der offenen Stellen, während die Arbeitslosigkeit deutlich steigt. Von einem Ende des Fachkräftemangels kann dennoch keine Rede sein: Gesucht werden weiterhin Spezialisten – nur die Anforderungen verschieben sich.

Der deutsche IT-Arbeitsmarkt verliert seinen Sonderstatus. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren bei der Bundesagentur für Arbeit knapp 13.000 offene Stellen für Fachkräfte der Informations- und Kommunikationstechnik gemeldet. Das waren 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen sank um elf Prozent auf 39.000.

Gleichzeitig waren knapp 54.000 Menschen arbeitslos gemeldet, die eine Beschäftigung in einem IT-Beruf suchten. Ihre Zahl stieg innerhalb eines Jahres um 27 Prozent. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote erhöhte sich von 3,7 auf 4,5 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand der vergangenen Jahre.

Kein Zusammenbruch, sondern ein widersprüchlicher Markt

Die Zahlen wirken zunächst wie eine klare Trendwende. Gleichzeitig nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in IT-Berufen 2025 jedoch um zwei Prozent auf 1,15 Millionen Menschen zu. Seit 2015 ist sie sogar um 67 Prozent gewachsen.

Der Arbeitsmarkt schrumpft also nicht insgesamt. Unternehmen bauen weiterhin IT-Kompetenz auf, stellen aber langsamer, selektiver und für anspruchsvollere Aufgaben ein.

Die Bundesagentur nennt dafür zwei wesentliche Ursachen: Die schwache Konjunktur bremst neue Projekte und Unternehmensgründungen. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die benötigten Qualifikationen. KI wird damit nicht als alleinige Ursache der steigenden Arbeitslosigkeit ausgewiesen, sondern als Teil eines umfassenderen Strukturwandels.

Allgemeine Kenntnisse reichen seltener aus

Mehr als die Hälfte der 2025 neu gemeldeten Stellen richtete sich an Expertinnen und Experten mit hochkomplexen Qualifikationen. Etwa jedes dritte Angebot suchte Spezialisten. Nur knapp jede sechste Stelle war für Fachkräfte mit einer klassischen Berufsausbildung vorgesehen.

Entsprechend unterschiedlich fällt das Arbeitslosigkeitsrisiko aus. Während die Quote über alle IT-Berufe hinweg bei 4,5 Prozent lag, betrug sie unter hoch qualifizierten Expertinnen und Experten lediglich 3,5 Prozent. Fachkräfte mit niedrigerem Anforderungsniveau waren dagegen überproportional betroffen.

Auch die seit Jahren bekannten Engpässe in der Softwareentwicklung sind zurückgegangen. Eindeutige Besetzungsprobleme stellte die Bundesagentur 2025 nur noch in einzelnen Bereichen der allgemeinen und technischen Informatik auf Spezialistenniveau fest.

KI ersetzt nicht einfach die Entwickler

Aus den Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass Künstliche Intelligenz bereits massenhaft IT-Arbeitsplätze vernichtet.

KI-Werkzeuge können Programmcode erzeugen, Fehler suchen und Standardaufgaben beschleunigen. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Datenqualität, IT-Sicherheit, Systemarchitektur, Integration und die Kontrolle automatisierter Ergebnisse.

Die Veränderung liegt daher zunächst weniger in der Zahl aller IT-Stellen als in ihrem Profil: Unternehmen benötigen seltener Menschen, die ausschließlich einzelne standardisierbare Aufgaben erledigen. Wertvoller werden Fachkräfte, die komplexe Systeme verstehen, KI sinnvoll einsetzen und technische Lösungen mit konkreten Geschäftsprozessen verbinden. Diese Einordnung folgt aus der von der Bundesagentur beschriebenen Verschiebung zu höheren Anforderungsniveaus.

Für Gründer wird Recruiting nicht automatisch leicht

Mehr verfügbare Bewerberinnen und Bewerber können jungen Unternehmen zunächst helfen. Start-ups konkurrieren nicht mehr in jedem Bereich mit einer nahezu unbegrenzten Zahl offener Stellen und ständig steigenden Gehaltsangeboten.

Doch Quantität ersetzt keine passende Qualifikation.

Gerade erfahrene Spezialisten für KI, Cybersicherheit, Cloudarchitektur oder komplexe Dateninfrastrukturen bleiben knapp. Der öffentliche Dienst war 2025 bereits für 16 Prozent der neu gemeldeten IT-Stellen verantwortlich und damit nach den IT-Dienstleistern der zweitgrößte Nachfrager. Start-ups konkurrieren folglich weiterhin mit Konzernen, Beratungen und staatlichen Arbeitgebern.

Weiterbildung wird zur Beschäftigungsversicherung

Für Beschäftigte reicht es nicht mehr selbstverständlich aus, vor Jahren eine gefragte Programmiersprache oder Technologie gelernt zu haben. Die Bundesagentur sieht kontinuierliche Weiterbildung als entscheidend an, um in dem veränderten Umfeld dauerhaft beschäftigt zu bleiben.

Für Unternehmen gilt das ebenso. Wer jede neue Kompetenz ausschließlich über den Arbeitsmarkt einkaufen will, wird auch bei steigender Arbeitslosigkeit nicht automatisch das passende Team finden. Bestehende Beschäftigte weiterzuentwickeln kann schneller und günstiger sein als die Suche nach bereits vollständig ausgebildeten Spezialisten.

Stefanie S. Klief

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