Polnische Unternehmen bauen ihre wirtschaftliche Präsenz in Deutschland zunehmend durch Übernahmen aus. Nach Bloomberg-Daten kündigten Firmen aus Polen im vergangenen Jahr so viele Akquisitionen in Westeuropa an wie noch nie zuvor. Deutschland gilt dabei als besonders attraktiver Zielmarkt aufgrund seiner Größe, industriellen Basis und technologischen Infrastruktur.
Die Entwicklung markiert eine Umkehr früherer Investitionsströme. Jahrzehntelang expandierten vor allem deutsche Unternehmen nach Osteuropa, während Polen vor allem als Produktionsstandort galt. Inzwischen verfügen viele polnische Konzerne über ausreichendes Kapital und internationale Erfahrung, um selbst aktiv im Ausland zu investieren. Experten sehen darin ein Zeichen der wirtschaftlichen Reife und steigenden Wettbewerbsfähigkeit polnischer Firmen.
Ein zusätzlicher Faktor ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Konjunkturschwäche, steigende Kosten und ungelöste Nachfolgefragen im Mittelstand schaffen Einstiegsmöglichkeiten für Investoren. Viele Familienunternehmen suchen Käufer oder Partner, während gleichzeitig Bewertungen unter Druck stehen. Diese Kombination erleichtert grenzüberschreitende Übernahmen.
Durch Firmenkäufe erhalten polnische Unternehmen unmittelbaren Zugang zu etablierten Marken, Kundenbeziehungen und Vertriebsstrukturen sowie zum Label »Made in Germany«. Gleichzeitig sichern sie sich technologische Kompetenzen und Marktanteile im größten europäischen Absatzmarkt.
Die zunehmende Präsenz polnischen Kapitals wird als Teil einer breiteren wirtschaftlichen Annäherung innerhalb Europas gesehen. In Deutschland sind bereits zahlreiche Unternehmen mit polnischem Hintergrund aktiv, und die Zahl grenzüberschreitender Beteiligungen wächst weiter. Beobachter erwarten daher, dass Polen künftig eine noch wichtigere Rolle als Investor in der deutschen Wirtschaft spielen wird.
SK