Wirtschaft

Die teuerste WM bekommt ihren eigenen Zweitmarkt

Bei der WM 2026 werden Tickets zur handelbaren Ware – und die FIFA kassiert auch beim Weiterverkauf

4 Min.

15.06.2026

Die FIFA hat den Ticketverkauf für die WM 2026 deutlich marktnäher organisiert als früher. Offiziell spricht der Weltverband nicht von dynamischer Preisgestaltung, wohl aber von variablen Preisen, die je nach Nachfrage und Verfügbarkeit angepasst werden können. Zugleich ist der Weiterverkauf von Tickets über die offizielle FIFA-Börse ausdrücklich vorgesehen – und daran verdient die FIFA mit 15 Prozent Käufergebühr und 15 Prozent Verkäufergebühr kräftig mit.
 

Die Fußball-WM 2026 droht zur teuersten Weltmeisterschaft aller Zeiten zu werden. Das liegt nicht nur an der gewaltigen Nachfrage nach dem erstmals auf 104 Spiele ausgeweiteten Turnier. Es liegt auch an einem Ticketmodell, das Fußballkarten stärker denn je nach Marktlogik behandelt.

Die FIFA hat ihr System so aufgebaut, dass Preise nicht starr bleiben. Zwar weist der Weltverband ausdrücklich darauf hin, dass bei der WM 2026 kein automatisches Dynamic Pricing eingesetzt werde. Gleichzeitig erklärt die FIFA aber selbst, dass sie »variable pricing« anwendet und Ticketpreise in den Verkaufsphasen anhand von Nachfrage und Verfügbarkeit anpassen kann. Mit anderen Worten: Die Preise werden nicht minütlich automatisch hoch- und runtergerechnet, sie können aber sehr wohl steigen, wenn die Nachfrage hoch ist.

Die FIFA nennt es: nicht dynamisch – aber variabel

Genau darin liegt der entscheidende Punkt. Die FIFA vermeidet den politisch und öffentlich aufgeladenen Begriff Dynamic Pricing, beschreibt aber faktisch ein Modell, das stark auf Marktdruck reagiert. Der Verband begründet das mit »fair market value«, optimaler Auslastung und Umsatzoptimierung.

Schon zum Start des Ticketverkaufs war die Spannweite groß. Gruppenspiele wurden ab 60 US-Dollar angeboten, während die besten Plätze für das Finale bis zu 6.730 US-Dollar kosten konnten. Später führte die FIFA zusätzlich einen »Supporter Entry Tier« ein, ebenfalls zum Festpreis von 60 US-Dollar. Dieser günstigere Zugang gilt jedoch nur für einen begrenzten Teil der Nachfrage und ist speziell an Fans qualifizierter Nationalteams gebunden.

Die gewaltige Nachfrage verschärft den Effekt zusätzlich. Bereits Ende Dezember 2025 meldete die FIFA mehr als 150 Millionen Ticketanfragen aus über 200 Ländern allein in einer laufenden Verkaufsphase. Das Turnier war damit laut FIFA schon damals mehr als 30-fach überzeichnet. Wer ein solches Nachfragegefälle mit variabler Preislogik kombiniert, schafft einen Markt, in dem Tickets zwangsläufig zum Hochpreisgut werden.

Der offizielle Wiederverkauf ist Teil des Systems

Noch brisanter wird die Lage durch den offiziellen Wiederverkauf. Die FIFA betreibt mit dem »FIFA Resale/Exchange Marketplace« eine eigene Weiterverkaufsplattform. Dort können Tickets nicht nur sicher übertragen, sondern ausdrücklich auch wieder gehandelt werden.

Bemerkenswert ist dabei: Selbst Empfänger eines übertragenen Tickets erhalten laut FIFA »full control« über die Karte. Sie dürfen das Ticket also nicht nur nutzen oder weitergeben, sondern auch wieder zum Wiederverkauf einstellen. Damit wird aus dem ursprünglichen Stadionticket eine handelbare digitale Ware innerhalb eines offiziell geregelten Systems.

Und genau daran verdient die FIFA erneut. Für den Kauf eines Tickets auf der offiziellen Resale-Plattform werden 15 Prozent Gebühr fällig. Für den Verkauf beziehungsweise die Wiedereinstellung eines Tickets verlangt die FIFA weitere 15 Prozent. Rechnet man beide Seiten zusammen, kassiert der Weltverband bei einer erfolgreichen Transaktion also bis zu 30 Prozent Gebühren rund um denselben Ticketumsatz.

Nicht völlig frei – aber deutlich marktnäher

Ganz schrankenlos ist dieses System allerdings nicht. Die FIFA weist selbst darauf hin, dass es in einzelnen Märkten rechtliche Grenzen gibt. Für Spiele in Mexiko sowie für Partien in Toronto in der kanadischen Provinz Ontario dürfen Tickets auf der offiziellen Plattform nur zum ursprünglich gezahlten Preis oder günstiger weiterverkauft werden.

Das ist wichtig, weil es zeigt: Von völlig freien Börsen kann man nicht in jedem Austragungsort sprechen. Dennoch ändert das nichts am Grundprinzip. Die WM 2026 folgt bei der Ticketvermarktung deutlich stärker einer marktwirtschaftlichen Logik als frühere Turniere. Preise dürfen variieren, Nachfrage darf in Preisaufschläge übersetzt werden, und der Zweitmarkt ist nicht bloß geduldet, sondern integraler Bestandteil des Systems.

Damit verschiebt sich auch die Rolle der FIFA. Sie ist nicht mehr nur Organisator und Erstverkäufer, sondern zugleich Betreiber einer offiziellen Ticketbörse, an der jede zusätzliche Transaktion neue Einnahmen erzeugt.

SK

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