Wirtschaft

„Für Value-Investoren hat das keine Auswirkung“ – stimmt das wirklich?

3 Min.

03.03.2026
IMAGO / Westend61; Annalena Haslinger

Ein Gastbeitrag von David Bader-Egger

Value Investing wird in Krisen gerne mit einem Satz verteidigt: »In zehn Jahren zählen Cashflows, nicht Schlagzeilen.« Als Prinzip ist das stark. Als Pauschalurteil ist es gefährlich, weil geopolitische Schocks über zwei Kanäle wirken, die Value-Investoren ernst nehmen müssen: Diskontsatz und Inputkosten.

Was Forschung und Institutionen zeigen – in einem Satz

Der IWF kommt zum Ergebnis, dass große geopolitische Risikoereignisse Aktienkurse drücken und Sovereign Risk Premia erhöhen können, also nicht nur Stimmung bewegen, sondern Risikopreise (vgl. Global Financial Stability Report, April 2025).

Und: Caldara/Iacoviello zeigen mit ihrem Geopolitical-Risk-Index, dass Spikes historisch bei Ereignissen wie Golfkrieg, 9/11, Irak-Invasion, Russland/Ukraine etc. auftreten und dass höhere geopolitische Risiken mit schwächerer Aktivität und niedrigeren Aktienrenditen einhergehen können.

Der häufigste Denkfehler: »Geopolitik ist nur Volatilität«

In vielen Fällen stimmt: Märkte normalisieren sich nach Schocks. JPMorgan zeigt in einer historischen Betrachtung, dass die durchschnittlichen realen S&P-Renditen nach geopolitischen Ereignissen nach 6 und 12 Monaten oft wieder in der Nähe langfristiger Durchschnitte liegen.

Aber: Das gilt vor allem, wenn der Schock nicht zu einem länger anhaltenden Inflations-/Energieschub wird.

Warum der aktuelle Kontext anders wirken kann: Hormus = Energie = Inflation

Die Straße von Hormus ist ein Chokepoint für einen relevanten Anteil des weltweiten Ölflusses. Reuters berichtet über stark gestiegene Ölpreise und höhere Risiken weiterer Ausfälle. Das ist genau der Mechanismus, der Value-Investoren betrifft:

  • Höhere Inflationserwartungen → höherer Diskontsatz → niedrigere Multiples
  • Höhere Inputkosten → niedrigere Margen (außer bei Pricing Power)
  • Höhere Unsicherheit → höhere geforderte Sicherheitsmarge

Die richtige Value-Position (nuanciert, nicht bequem)

  1. Kurzfristig: Volatilität ist normal – sie ist nicht automatisch Risiko.
  2. Mittelfristig: Wenn Energie/Logistik/Versicherung teuer bleibt, ist das kein
  3. Rauschen, sondern Cashflow-Mathematik.
  4. Langfristig: Gewinner bleiben Unternehmen mit Burggraben, Pricing Power, solider Bilanz – aber der Einstiegspreis muss das neue Risikoniveau reflektieren.

Historischer Vergleich – was man daraus wirklich lernen darf

Die Geschichte lehrt nicht »diesmal wird es gleich«, sondern: Welche Art Schock ist es?

  • Schocks, die primär Unsicherheit sind, normalisieren häufig schneller.
  • Schocks, die Energie/Inflation strukturell treiben, können länger nachwirken. (Das ist auch der Grund, warum viele den Öl-Kanal so genau beobachten.)

Fazit: »Keine Auswirkung« ist zu grob. Richtig ist: Geopolitik wirkt selten direkt auf den inneren Wert aber oft indirekt über Diskontsatz, Kosten und Risikoprämien. Für Value-Investoren heißt das nicht »handeln«, sondern Sicherheitsmarge hoch, Bilanz prüfen, Pricing Power priorisieren. 

(Keine Anlageberatung.)

Über David Bader-Egger
David Bader-Egger ist Gründer von Stockanalyzer und entwickelte die Idee, einem Programm beizubringen, wie Warren Buffett zu denken. Er analysiert die Anlageentscheidungen Buffetts seit über einem Jahrzehnt. Bader-Egger ist mehrfacher Buchautor und bekannt aus der TV-Sendung »2 Minuten 2 Millionen«, dem österreichischen Pendant zu »Die Höhle der Löwen«.

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