Wirtschaft

Studie: Produktion im Osten kein Selbstläufer für Kostenvorteile

Fachkräftemangel, steigende Löhne und Energiepreise mindern den Effekt

Eine Studie zeigt: Die Verlagerung von Produktion nach Osteuropa spart oft weniger Kosten als erwartet. Steigende Löhne, Fachkräftemangel und Energiepreise schmälern den Vorteil. Nearshoring ist daher kein automatischer Wettbewerbsgewinn.

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02.03.2026

Die Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Mittel- und Osteuropa bringt deutschen Industrieunternehmen häufig deutlich weniger finanzielle Vorteile als angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der Strategieberatung Strategy&, die zunehmende Investitionen in osteuropäische Standorte untersucht.

Viele Unternehmen reagieren mit der Verlagerung auf hohe Energiepreise und Arbeitskosten in Deutschland. Die Löhne liegen hier rund 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt, weshalb sogenannte Nearshoring-Strategien — also Produktionsverlagerungen in geografisch nahe Länder — in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Besonders häufig wählten Unternehmen Polen und Tschechien als neue Standorte.

Die erwarteten Einsparungen bleiben jedoch oft aus. In den Zielregionen sind die Arbeitskosten zuletzt deutlich gestiegen — teilweise schneller als die Produktivität. Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel in der Industrie dort teilweise sogar ausgeprägter als in Deutschland. Hinzu kommen ein niedriger Automatisierungsgrad sowie stark gestiegene Energiepreise, die sich innerhalb weniger Jahre nahezu verdreifacht haben.

Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle. Moderne Produktionsprozesse profitieren zunehmend von Automatisierung und qualifizierten Fachkräften statt ausschließlich von niedrigen Löhnen. In einigen asiatischen Ländern zeigen sich deshalb weiterhin größere Wettbewerbsvorteile, etwa durch günstigere Energie und schnellere Produktivitätssteigerungen durch Robotik und Digitalisierung.

Die Studie legt nahe, dass Standortentscheidungen künftig weniger auf reinen Kostendifferenzen beruhen sollten. Vielmehr gewinnen Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Infrastruktur, Fachkräfteverfügbarkeit und politische Stabilität an Bedeutung. Unternehmen, die ausschließlich auf kurzfristige Einsparungen setzen, könnten langfristig Wettbewerbsnachteile riskieren.

Insgesamt deutet die Analyse darauf hin, dass Produktionsverlagerungen innerhalb Europas kein Allheilmittel für strukturelle Probleme der Industrie sind. Die wirtschaftlichen Effekte hängen stärker von Produktivität und technologischer Entwicklung ab als von geografischer Nähe allein.

SK

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