Wirtschaft

Wenn Champagner zum Druckmittel wird

Trump will Frankreichs Digitalsteuer kippen – und droht Macron mit 100 Prozent Zoll auf Wein

4 Min.

16.06.2026

Donald Trump hat Frankreich kurz vor dem G7-Gipfel mit Strafzöllen auf Wein und Champagner gedroht. Der US-Präsident verlangt, dass Paris seine Digitalsteuer auf amerikanische Tech-Konzerne abschafft. Damit flammt ein alter Konflikt neu auf – und der fragile Handelsfrieden zwischen den USA und der EU gerät wieder unter Druck.

Ein Zollstreit vor laufender G7-Kulisse

Kurz vor dem G7-Gipfel im französischen Évian hat US-Präsident Donald Trump Gastgeber Emmanuel Macron mit einem Zollaufschlag von 100 Prozent auf französischen Wein und Champagner gedroht. Der Grund ist die französische Digitalsteuer, die große Technologiekonzerne auf in Frankreich erzielte digitale Umsätze zahlen müssen. Trump erklärte, er habe Macron direkt aufgefordert, die Steuer abzuschaffen. Andernfalls bleibe ihm keine andere Wahl, als Strafzölle auf französische Weine und Champagner zu erheben.

Frankreich erhebt die Digitalsteuer seit 2019. Sie beträgt 3 Prozent und gilt für Unternehmen, die weltweit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz erzielen und in Frankreich mehr als 25 Millionen Euro mit digitalen Dienstleistungen umsetzen. Betroffen sind vor allem große US-Tech-Konzerne wie Google, Amazon, Apple oder Meta.

Macron will nicht nachgeben

Macron wies die Drohung zurück. Gegenüber dem französischen Sender TF1 sagte er sinngemäß, Zölle nützten niemandem, erst recht nicht zwischen G7-Staaten. Auf die Frage, ob Frankreich dem Druck nachgeben werde, antwortete er klar: Nein.

Damit wird der G7-Gipfel nicht nur von Sicherheits- und Nahostfragen überschattet, sondern auch von einem alten transatlantischen Grundkonflikt: Europa will große Digitalkonzerne stärker besteuern, die USA sehen darin eine gezielte Belastung amerikanischer Unternehmen. Der Streit ist nicht neu, aber Trump hebt ihn erneut auf die maximale Eskalationsstufe.

Wein als Opfer eines Tech-Streits

Besonders absurd ist die Branchenlogik dieses Konflikts. Der Streit dreht sich um Digitalumsätze amerikanischer Plattformkonzerne. Treffen würde ein Strafzoll aber französische Winzer, Champagnerhäuser, Exporteure, Händler und am Ende auch amerikanische Importeure und Verbraucher.

Französische Wein- und Spirituosenexporteure reagierten entsprechend alarmiert. Ihr Verband FEVS sprach gegenüber Reuters von schlechten Nachrichten für eine stark exportabhängige Branche, die in einen Konflikt hineingezogen werde, den sie selbst gar nicht verursacht habe.

Der EU-US-Handelsfrieden wackelt

Die Drohung ist auch deshalb brisant, weil sie den ohnehin fragilen Handelsfrieden zwischen den USA und der EU gefährdet. Wein und Spirituosen aus der EU unterliegen in den USA aktuell bereits einem Zollsatz von 15 Prozent. Frankreich drängt darauf, diese Zölle im Rahmen des EU-US-Handelsabkommens wieder zu senken.

Gleichzeitig steht die EU kurz davor, eigene Zugeständnisse aus dem mit Trump ausgehandelten Zollabkommen umzusetzen. Reuters berichtet, dass das Europäische Parlament über entsprechende Zollsenkungen abstimmen soll. Doch Trumps neue Drohung gegen französischen Wein könnte diesen Prozess erneut belasten.

Weil Handelspolitik EU-Zuständigkeit ist, wäre ein Angriff auf französische Produkte nicht nur ein bilateraler Konflikt zwischen Washington und Paris. Er könnte eine Reaktion der gesamten EU auslösen. Genau darin liegt die eigentliche Sprengkraft: Ein national aufgeladener Streit um französischen Wein kann schnell wieder zu einem transatlantischen Handelskonflikt werden.

Trump bleibt seiner Methode treu

Die Methode ist bekannt: Trump nimmt ein einzelnes, symbolisch starkes Produkt und macht es zum Hebel gegen eine politische Entscheidung, die ihm missfällt. Bei Frankreich ist Wein dafür perfekt geeignet. Kein anderes Produkt steht so sehr für französische Kultur, Exportstolz und internationale Sichtbarkeit.

Doch wirtschaftlich ist diese Drohung riskant. Sie trifft nicht nur Frankreich, sondern auch amerikanische Händler, Restaurants, Importeure und Konsumenten. Außerdem beschädigt sie das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und Europa in einem Moment, in dem beide Seiten eigentlich Stabilität brauchen.

Am Ende geht es deshalb nicht nur um Champagner, Bordeaux oder Burgund. Es geht um die Frage, ob die USA europäische Steuerpolitik über Strafzölle beeinflussen wollen — und wie weit Europa bereit ist, diesem Druck standzuhalten.

SK

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