Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung steht 2026 vor einer Reihe von Herausforderungen, wie aktuelle Einschätzungen der Wirtschaftsweisen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zeigen.
Obwohl die Experten keine unmittelbare Rezession prognostizieren, verläuft das Wachstum weiterhin moderat und bleibt hinter früheren Erwartungen zurück. Nach ihren Berechnungen dürften die realen Wachstumsraten für das laufende Jahr größtenteils zwischen 0,8 Prozent und 1,3 Prozent liegen, was zwar eine leichte Erholung gegenüber früheren Jahren signalisiert, aber nicht an stärkere Konjunkturphasen anknüpft. Ein Teil dieses Wachstums sei auf staatliche Infrastruktur- und Transformationsausgaben zurückzuführen, während die private Nachfrage und Unternehmensinvestitionen deutlich verhaltener blieben.
Die wirtschaftliche Lage bleibt dabei von strukturellen Problemen geprägt. Deutschland hat seit mehreren Jahren nur geringe Produktivitätszuwächse, eine stagnierende Industrieproduktion und anhaltend schwache Exportnachfrage erlebt. Diese Aspekte werden von zahlreichen Analysen als Risikofaktoren für das langfristige Wachstum bezeichnet und tragen zu einer erhöhten Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren bei. Gleichzeitig werden Planungs- und Genehmigungsverfahren, etwa bei Infrastrukturprojekten, als zu langsam kritisiert, was die Nutzung staatlicher Mittel verzögert und die Dynamik dämpft.
Ein Teil der Kritik der Wirtschaftsweisen richtet sich gegen die Bundesregierung, die aus Sicht der Experten nicht alle verfügbaren Möglichkeiten zur Förderung von Investitionen ausreichend genutzt habe. Insbesondere der Einsatz der im Sondervermögen vorgesehenen Mittel für Klimaschutz, Digitalisierung und technologische Modernisierung müsse effektiver und zielgerichteter erfolgen, um nachhaltige Impulse zu setzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Die gemischten Signale spiegeln sich auch in aktuellen Wirtschafts- und Konjunkturdaten wider: Die deutsche Inflation ist zuletzt stärker als erwartet gesunken, was die Kaufkraft stabilisiert, während der Arbeitsmarkt weiterhin belastet ist und die Arbeitslosenzahl steigt. Zugleich zeigen Indikatoren wie die Industrieproduktion erste leichte Erholungsansätze, doch diese sind bislang nicht breit im gesamten Wirtschaftssektor erkennbar.
Vor diesem Hintergrund betonen die Wirtschaftsweisen, dass die kommenden Monate entscheidend sein könnten, um strukturelle Schwächen zu adressieren und ein robusteres Wachstumsumfeld zu gestalten. Ohne zügige Reformen in Bereichen wie Investitionsförderung, Genehmigungsverfahren und Innovationsanreizen könnten die moderaten Verbesserungen in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nicht nachhaltig sein.
SK