Die Welthandelsorganisation WTO sieht den internationalen Handel in einer historischen Krise. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala warnte, dass die zunehmenden Handelskonflikte und neuen Strafzölle die globale Handelsordnung massiv unter Druck setzen könnten. Nach ihrer Einschätzung erlebt das System derzeit die schwerste Belastung seit dem Zweiten Weltkrieg.
Auslöser der Entwicklung sind vor allem neue Zollmaßnahmen der Vereinigten Staaten. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Monaten zusätzliche Importzölle auf zahlreiche Produkte aus verschiedenen Ländern angekündigt oder bereits umgesetzt. Diese Maßnahmen betreffen eine breite Palette internationaler Handelspartner und erhöhen die Gefahr neuer Handelskonflikte.
Nach WTO-Daten ist der Anteil des globalen Handels, der noch vollständig nach den Regeln der Organisation abgewickelt wird, bereits deutlich gesunken. Der Wert fiel von rund 80 Prozent auf etwa 72 Prozent des weltweiten Handelsvolumens. Dieser Rückgang gilt als Hinweis darauf, dass immer mehr Staaten auf bilaterale Maßnahmen und nationale Schutzinstrumente setzen.
Die WTO befürchtet, dass eine Eskalation der Zollpolitik zu einer Spirale gegenseitiger Handelsbeschränkungen führen könnte. Solche sogenannten Vergeltungsmaßnahmen waren bereits in den Handelskonflikten der 1930er Jahre ein entscheidender Faktor für den Einbruch der Weltwirtschaft. Ökonomen warnen daher vor erheblichen Risiken für Wachstum, Investitionen und globale Lieferketten.
Zugleich wächst der politische Druck auf das internationale Handelssystem. Die WTO selbst steht seit Jahren vor Reformforderungen, während gleichzeitig immer mehr Staaten ihre wirtschaftspolitischen Interessen über nationale Handelsmaßnahmen durchsetzen. Beobachter sehen darin eine grundlegende Verschiebung der globalen Wirtschaftsordnung.
SK