Ein Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz zur Förderung von Elektroautos hat eine scharfe wirtschaftliche Debatte ausgelöst. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht den Plan nicht als sinnvolle Investition in die Verkehrswende, sondern warnt davor, dass die geplanten staatlichen Zuschüsse und Fördermittel zu einer Vergeudung von Steuergeldern führen könnten, ohne die intendierten Klima- und Mobilitätsziele effektiv zu erreichen.
Konkret geht es um Vorschläge, Zuschüsse für den Kauf von E-Autos auszuweiten oder steuerliche Erleichterungen zugunsten elektrischer Fahrzeuge kräftig anzuheben. Laut dem Kritiker würden solche großzügigen Fördermodelle vor allem Gutverdienende bedienen, die sich ohnehin bereits teure E-Fahrzeuge leisten können, während sie weniger gezielt dazu beitragen, breite Bevölkerungsschichten oder kleine Betriebe zur Umstellung zu bewegen.
Der Experte argumentiert im Merkur, dass der Fokus auf direkte Kaufprämien und staatliche Zuschüsse den Blick von strukturell effizienteren Maßnahmen ablenkt – etwa dem schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur, der Stromnetze oder Anreizmodellen für Sharing- und Flottenlösungen. Solche Maßnahmen seien seiner Ansicht nach wirkungsvoller, um CO₂-Emissionen zu reduzieren und die Verkehrswende zu beschleunigen, statt Privatkäufe zu subventionieren.
Auch in wirtschaftspolitischen Kreisen wird betont, dass staatliche Interventionen in Form von Kaufprämien immer sorgfältig auf ihre Effizienz und Verteilungseffekte geprüft werden müssten. Kritiker verweisen darauf, dass andere europäische Länder, die ähnliche Fördermodelle eingesetzt haben, oft beobachten mussten, dass ein erheblicher Teil der Mittel nicht zu einer Nettoverbesserung der Umweltbilanz führte, weil vielfach nur die Nachfrage nach ohnehin geplanten Fahrzeugkäufen vorgezogen wurde.
Befürworter der Merz-Initiative hingegen argumentieren, dass ohne staatliche Anreize die Marktdurchdringung emissionsarmer Fahrzeuge deutlich langsamer verlaufen würde, weil derzeit hohe Kaufpreise für Elektroautos eine Barriere darstellen. Sie sehen Fördermittel als einen »Brückenschlag« hin zur kosteneffizienten Massenproduktion und sinkenden Preisen, die langfristig ohne Subventionen erreicht werden sollen.
Unabhängig von der fachlichen Kritik hat der Vorschlag die laufende Debatte über die Rolle staatlicher Förderpolitik in der Mobilitäts- und Klimapolitik erneut angefacht. Sie stellt die grundsätzliche Frage, wie Deutschland die Verkehrswende flankieren will – mit direkten Kaufanreizen, infrastrukturellen Maßnahmen oder einem Mix aus mehreren Instrumenten. Angesichts enger öffentlicher Kassen und anderer konkurrierender Prioritäten im Staatshaushalt dürfte diese Diskussion weiterhin das Wirtschafts- und Verkehrsressort beschäftigen.
SK