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346.613 Dollar im Durchschnitt – 53.485 Dollar in der Mitte

Warum Deutschlands Vermögensstatistik zwei völlig unterschiedliche Realitäten zeigt

8 Min.

28.09.2026

Berlin Grunewald

Deutschland gehört zu den größten und wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt. Das durchschnittliche Privatvermögen eines Erwachsenen beträgt nach Berechnungen der UBS 346.613 Dollar. Wer daraus auf den typischen Vermögensstand der Bevölkerung schließt, liegt jedoch weit daneben: Der Median erreicht nur 53.485 Dollar. Eine neue Datenabfrage bei der Schweizer Großbank zeigt nun noch einen zweiten Befund. Nach der aktuell verwendeten UBS-Modellierung ist das reale Medianvermögen in Deutschland zwischen 2020 und 2025 um 19,87 Prozent gesunken. Hinter der Zahl steckt allerdings eine methodische Überraschung – denn noch vor einem Jahr hatte UBS für Deutschland eine völlig andere Entwicklung ausgewiesen.

Neue UBS-Daten beziffern den Rückgang auf 19,87 Prozent

Das Institut für konservative Wirtschaftspolitik, kurz IKW, bat UBS um zusätzliche Daten zu der im Bericht dargestellten Vermögensentwicklung seit 2020. Die zugrunde liegende Zeitreihe wurde daraufhin von der Bank zur Verfügung gestellt und vom Institut am 22. September veröffentlicht.

Danach sank das reale Median-Nettovermögen je Erwachsenen in Deutschland zwischen 2020 und Ende 2025 um 19,87 Prozent.

Der Global Wealth Report beziffert das Medianvermögen für 2025 auf 53.485 Dollar. Umgerechnet entspricht das nach der vom IKW verwendeten Berechnung rund 45.500 Euro. Auf Grundlage der von UBS übermittelten Veränderungsrate errechnet das Institut für 2020 ein Medianvermögen von rund 56.800 Euro, ausgedrückt in der Kaufkraft von 2025.

Damit hätte die Mitte der Vermögensverteilung innerhalb von fünf Jahren real rund 11.300 Euro eingebüßt.

»Real« ist dabei wichtig. Die Zahlen sind um die Preisentwicklung bereinigt. Gemessen wird also nicht nur, wie viele Euro an Vermögenswerten vorhanden sind, sondern welche Kaufkraft dieses Vermögen besitzt.

Deutschland ist im Durchschnitt sehr viel reicher

Schon die aktuellen UBS-Werte für 2025 zeigen, weshalb der Median für die Beurteilung der Vermögenslage so wichtig ist.

Das durchschnittliche Nettovermögen eines Erwachsenen in Deutschland beträgt nach dem Global Wealth Report 346.613 Dollar. Damit belegt Deutschland unter den 56 untersuchten Märkten Rang 14.

Beim Median sind es lediglich 53.485 Dollar. Deutschland landet damit auf Rang 30 der von UBS veröffentlichten Top-30-Tabelle – hinter Griechenland mit 59.162 Dollar, den USA mit 68.998 Dollar und Österreich mit 71.378 Dollar.

Die Differenz entsteht durch die unterschiedliche Berechnung. Für den Durchschnitt wird das gesamte erfasste Nettovermögen rechnerisch auf alle Erwachsenen verteilt. Sehr große Vermögen ziehen diesen Wert nach oben.

Der Median fragt etwas anderes. Er bezeichnet exakt die Mitte der Verteilung: Eine Hälfte der Erwachsenen besitzt mehr, die andere weniger.

Ein durchschnittliches Vermögen von rund 346.600 Dollar bedeutet deshalb keineswegs, dass ein typischer Erwachsener in Deutschland über Vermögenswerte in dieser Größenordnung verfügt.

UBS selbst weist in seinem Report darauf hin, dass sich Durchschnitts- und Medianvermögen seit 2020 in vielen Ländern zunehmend auseinanderentwickelt haben.

Weltweit wächst das Vermögen – Deutschland fällt beim Median zurück

Der deutsche Befund steht zugleich in auffälligem Kontrast zur globalen Entwicklung.

Nach Berechnungen von UBS stieg das weltweite Privatvermögen 2025 in Dollar gerechnet um 10,8 Prozent. Es war das dritte Wachstumsjahr in Folge und der stärkste Anstieg seit 2017.

Auch die Zahl der Dollar-Millionäre nahm weiter zu. Weltweit kamen innerhalb eines Jahres nahezu eine Million hinzu. Deutschland gehört laut UBS zu den Staaten mit mehr als zwei Millionen Dollar-Millionären.

Ein Land kann deshalb gleichzeitig mehr Millionäre hervorbringen, ein hohes Durchschnittsvermögen besitzen und beim Median vergleichsweise schlecht abschneiden. Diese Aussagen widersprechen sich nicht. Sie beschreiben unterschiedliche Bereiche derselben Vermögensverteilung.

Der Vorjahresreport erzählte noch eine andere Geschichte

Der neue Datensatz hat allerdings einen Haken, der für die Interpretation mindestens ebenso wichtig ist wie der Rückgang selbst.

Der Global Wealth Report 2025 hatte für Deutschland noch ausgewiesen, dass das reale Medianvermögen zwischen Anfang 2020 und Ende 2024 gestiegen sei. In der damaligen Darstellung betrug der Zuwachs rund 19 Prozent.

Jetzt ergibt die aktuelle UBS-Modellierung für den Zeitraum 2020 bis 2025 ein Minus von 19,87 Prozent.  Aus einem deutlichen Plus ist innerhalb einer Berichtsgeneration ein beinahe ebenso großes Minus geworden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das deutsche Medianvermögen allein im Jahr 2025 um annähernd 40 Prozent eingebrochen wäre.

Nach den Informationen, die UBS dem IKW übermittelte, wurde die Modellierung neu kalibriert. Auch die historischen Werte wurden innerhalb dieser aktuellen Modellgeneration neu berechnet. Die Zeitreihe des Reports 2026 ist deshalb nicht unmittelbar mit den historischen Angaben des Reports 2025 vergleichbar.

Die aktuelle Berechnung ist intern konsistent: Die Werte von 2020 bis 2025 stammen aus derselben Modellgeneration. Wer dagegen einfach die Zahlen aus verschiedenen UBS-Jahrgängen nebeneinanderstellt, kann zu irreführenden Ergebnissen kommen.

Für Vermögensrankings ist das eine wichtige Einschränkung. Die Daten wirken mit ihren Dollarbeträgen und Nachkommastellen äußerst präzise, beruhen international aber teilweise auf Schätzungen und Modellierungen, die mit neuen Daten angepasst werden können.

Die Bundesbank sieht ebenfalls reale Vermögensverluste

Dass die hohe Inflation zeitweise erhebliche Spuren bei den realen Vermögen hinterlassen hat, lässt sich allerdings auch mit einer vollkommen anderen Datenquelle beobachten.

Die Deutsche Bundesbank befragt für ihre Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ regelmäßig Haushalte in Deutschland.

Zwischen 2021 und 2023 stieg deren durchschnittliches Nettovermögen nominal von 316.500 auf 324.800 Euro. Bereinigt um die Inflation sank es jedoch von 268.700 auf 239.200 Euro.

Auch beim Median ging die reale Entwicklung nach unten: von 90.500 auf 76.000 Euro.

Die Bundesbankdaten bestätigen damit nicht die konkrete UBS-Zahl von minus 19,87 Prozent. Dafür unterscheiden sich Untersuchungsmethode, Bezugsgröße und Zeitraum zu stark. UBS berechnet Vermögen je Erwachsenen und verwendet internationale Modellierungen; die Bundesbank erhebt Vermögen auf Haushaltsebene durch eine Befragung.

Beide Datensätze weisen aber für die besonders inflationsgeprägten Jahre in dieselbe Richtung: Nominale Vermögenswerte allein sagen wenig darüber aus, ob Haushalte und Erwachsene ihre reale Vermögensposition halten konnten.

Auf längere Sicht sieht die Bilanz wieder anders aus

Auch die Wahl des Startjahres verändert das Ergebnis. Die Bundesbank kommt für den längeren Zeitraum von 2017 bis 2023 zu einem realen Zuwachs des Medianvermögens der Haushalte um 18 Prozent. Der reale Rückgang zwischen 2021 und 2023 folgte also auf eine vorherige Phase des Vermögensaufbaus.

Das verhindert eine zu einfache Erzählung vom kontinuierlichen Vermögensverfall. Vermögensentwicklung hängt stark vom betrachteten Zeitraum ab. Immobilienpreise, Aktienmärkte, Sparverhalten, Schulden, Zinsen und Inflation können verschiedene Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich treffen.

Wer bereits Wohneigentum oder größere Kapitalanlagen besitzt, nimmt an Wertsteigerungen dieser Vermögenswerte teil. Wer sein Vermögen überwiegend auf Konten hält, spürt die Entwertung durch Inflation unmittelbarer.

UBS verweist in seinem aktuellen Bericht ebenfalls darauf, dass die Zusammensetzung der Vermögen zunehmend darüber entscheidet, wer an marktgetriebenen Zuwächsen teilnimmt.

Die Daten erklären nicht automatisch die Ursachen

Das IKW führt den von UBS errechneten realen Rückgang unter anderem auf den Inflations- und Energiepreisschock zurück und verbindet ihn darüber hinaus mit einer kritischen Bewertung der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik.

Diese weitergehende Ursachenzuschreibung stammt vom Institut selbst.

Der UBS Global Wealth Report weist Deutschland zwar einen realen Rückgang und ein vergleichsweise niedriges Medianvermögen zu, untersucht aber nicht, welcher Anteil davon auf einzelne politische Entscheidungen, Energiepreise, Steuern oder andere wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen ist.

Auch aus den Bundesbankdaten lässt sich keine einfache einzelne Ursache ableiten. Gerade bei Vermögen wirken viele Entwicklungen gleichzeitig: Inflation mindert die Kaufkraft, steigende Zinsen verändern Immobilienpreise und Finanzierungskosten, Aktienmärkte beeinflussen Wertpapiervermögen und unterschiedliche Eigentumsstrukturen entscheiden darüber, welche Haushalte von steigenden Vermögenspreisen profitieren.

Die interessantere Zahl steht nicht beim Durchschnitt

Für Deutschland bleibt damit ein Befund bestehen, der sich durch unterschiedliche Untersuchungen zieht. Das Land verfügt über erhebliche private Vermögen. Diese sind jedoch sehr ungleich verteilt, sodass Durchschnittswerte ein Bild erzeugen können, das mit der Vermögenssituation in der Mitte der Bevölkerung wenig zu tun hat.

346.613 Dollar Durchschnittsvermögen und 53.485 Dollar Medianvermögen beschreiben dasselbe Deutschland.

Die jetzt veröffentlichten zusätzlichen UBS-Daten verschärfen dieses Bild: Nach der aktuellen Modellierung hat die Mitte der Vermögensverteilung seit 2020 auch real deutlich verloren.

Gleichzeitig zeigt die Revision gegenüber dem Vorjahresbericht, wie vorsichtig solche internationalen Vergleiche gelesen werden müssen.

Die präziseste Zahl ist nicht automatisch die verlässlichste Aussage über Wohlstand. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie sie berechnet wurde – und wer innerhalb eines Landes überhaupt hinter dem Durchschnitt steht.

Stefanie S. Klief

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