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Midterms: Beginnt jetzt der Machtkampf um MAGA?

Warum JD Vances Kritik am Iran-Krieg weit über die Wahlniederlage hinausgeht – und die Republikaner vor eine schwierige Nachfolgefrage stellt

11 Min.

05.11.2026

Die Zukunft der MAGA-Bewegung steht zur Debatte: Nach der Niederlage der Republikaner bei den US-Midterms sorgen unterschiedliche Bewertungen des Iran-Krieges für Diskussionen über den künftigen Kurs der Partei.

Nach den amerikanischen Zwischenwahlen beginnt innerhalb der Republikanischen Partei die Suche nach den Ursachen. Donald Trump verteidigt seine Politik und erklärt, er selbst hätte die Wahl gewonnen. Sein Vizepräsident JD Vance dagegen benennt den Iran-Krieg als entscheidenden Grund für das Debakel. Die ungewöhnlich offene Kritik berührt eine Frage, die weit über die Midterms hinausreicht: Was wird aus der MAGA-Bewegung, wenn ihre politische Zukunft nicht mehr allein von Donald Trump abhängen kann?

Die republikanische Niederlage bei den US-Midterms vom 3. November 2026 hat eine Debatte ausgelöst, die für die politische Zukunft der Vereinigten Staaten von erheblicher Bedeutung sein könnte. Die Demokraten gewinnen nach den vorliegenden Wahlprognosen beide Kammern des Kongresses und erzielen selbst in traditionell republikanischen Bundesstaaten überraschende Erfolge.

Doch während Donald Trump versucht, die Verantwortung für das Ergebnis von seiner Person zu trennen, stellt sein Vizepräsident JD Vance eine zentrale Entscheidung der gemeinsamen Regierung infrage.

In einem ausführlichen Beitrag auf der Plattform X bezeichnete Vance den Iran-Krieg als wesentliche Ursache der Wahlniederlage. Seine Feststellung fiel ungewöhnlich eindeutig aus: »The reason we lost is the war.« Der Grund für die Niederlage sei der Krieg gewesen.

Vance ging noch weiter. Wer der Auffassung sei, der Krieg habe seinen Preis wert gewesen, müsse auch erklären können, weshalb dafür der Verlust der republikanischen Senatsmehrheit für mindestens die nächsten sechs Jahre in Kauf genommen worden sei.

Damit macht der Vizepräsident aus einer Wahlanalyse zugleich eine politische Grundsatzfrage.

Denn der Iran-Krieg ist nicht irgendeine umstrittene Entscheidung der Trump-Regierung. Er berührt den Kern eines politischen Versprechens, mit dem Trump und seine Bewegung über Jahre hinweg um Unterstützung geworben haben: »America First«.

Trump sieht vor allem die Folgen des Krieges als Problem

Donald Trump selbst räumte nach dem Wahlausgang ein, dass der Iran-Krieg zur Niederlage beigetragen haben könnte. Seine Erklärung unterschied sich allerdings wesentlich von derjenigen seines Stellvertreters.

Trump verwies vor allem auf die gestiegenen Energiepreise und die wirtschaftlichen Belastungen amerikanischer Haushalte. Den Krieg selbst verteidigte er ausdrücklich. Gegenüber dem Wall Street Journal erklärte er, er habe richtig gehandelt und würde dieselbe Entscheidung erneut treffen.

In einem späteren öffentlichen Auftritt bestätigte er erneut, dass die höheren Preise im Zusammenhang mit dem Krieg ein wichtiger Grund für die Wahlniederlage gewesen seien. An der militärischen Entscheidung hielt er jedoch fest.

  • Trump argumentiert, die Wähler hätten vor allem die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen einer notwendigen Maßnahme abgelehnt.
  • Vance stellt dagegen ausdrücklich die Frage, ob der Krieg und seine politischen Kosten überhaupt gerechtfertigt waren.

Das sind zwei unterschiedliche Bewertungen derselben Regierungsentscheidung.

Vier Forderungen enttäuschter Trump-Wähler

In seinem Beitrag schilderte Vance auch die Ergebnisse einer internen Analyse aus dem republikanischen Wahlkampfumfeld.

Demnach habe sich gezeigt, dass zahlreiche Menschen, die 2024 noch für Trump und Vance gestimmt hatten, inzwischen bereit waren, demokratische Kandidaten zu unterstützen.

Nach Vances Darstellung nannten diese Wähler vor allem vier Anliegen: den Iran-Krieg beenden, die Lebenshaltungskosten und Inflation in den Mittelpunkt stellen, wieder konsequent »America First« verfolgen und das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu Israel verändern.

Vance wies damit auch die Erklärung zurück, die Niederlage sei überwiegend auf eine mangelnde Mobilisierung republikanischer Wähler zurückzuführen.

Nicht allein das Fernbleiben bisheriger Unterstützer sei entscheidend gewesen. Vielmehr hätten sich Teile der früheren Trump-Wählerschaft bewusst anders entschieden.

Die von Vance angeführten Befunde stammen allerdings aus dem eigenen politischen Umfeld. Sie sind deshalb zunächst als seine Darstellung der Ursachen zu verstehen, nicht als unabhängiger Nachweis einer bestimmten Wählerwanderung.

Groß angelegte Nachwahlbefragungen liefern jedoch Hinweise, die seine Einschätzung teilweise stützen.

Nach den Erhebungen der Associated Press spielten insbesondere hohe Lebenshaltungskosten, Inflation, die Zollpolitik und die Folgen des Iran-Krieges eine wichtige Rolle. Rund zwei Drittel der befragten Wähler bewerteten die wirtschaftlichen Auswirkungen von Trumps Politik negativ.

Die wirtschaftliche Unzufriedenheit traf die Republikaner auch in Bundesstaaten, die Trump zwei Jahre zuvor deutlich gewonnen hatte.

Warum ausgerechnet der Iran-Krieg MAGA trifft

Die Abkürzung MAGA steht für »Make America Great Again«. Unter diesem politischen Leitmotiv hat Trump die Republikanische Partei über mehr als ein Jahrzehnt geprägt.

Zu den zentralen Botschaften gehörten die Begrenzung illegaler Einwanderung, eine protektionistische Wirtschaftspolitik, die Betonung nationaler Interessen und eine skeptische Haltung gegenüber kostspieligen internationalen Verpflichtungen. Vor allem das außenpolitische Versprechen war für viele Unterstützer von besonderer Bedeutung.

Trump kritisierte wiederholt die amerikanischen Kriege im Nahen Osten und stellte infrage, weshalb die Vereinigten Staaten enorme Summen für militärische Einsätze außerhalb des eigenen Landes ausgeben sollten.

Das bedeutete nie, dass seine Außenpolitik grundsätzlich auf militärische Gewalt verzichten würde. Auch innerhalb von MAGA existierten unterschiedliche Vorstellungen davon, wann amerikanische Macht eingesetzt werden sollte. Dennoch war die Kritik an langwierigen Auslandseinsätzen ein wichtiger Bestandteil der politischen Identität der Bewegung.

Der Iran-Krieg hat diesen Widerspruch sichtbar gemacht.

Die militärische Auseinandersetzung verursachte erhebliche politische und wirtschaftliche Kosten. Gestiegene Energiepreise belasteten Haushalte und Unternehmen. Zugleich mussten die Republikaner erklären, weshalb eine Regierung, die nationale Interessen und wirtschaftliche Entlastung in den Vordergrund gestellt hatte, erneut in einen militärischen Konflikt im Nahen Osten verwickelt war.

Vances Kritik setzt genau an dieser Stelle an.

Er stellt nicht die gesamte MAGA-Bewegung infrage. Vielmehr beansprucht er, deren ursprüngliche politische Prioritäten gegen Entscheidungen der amtierenden Regierung zu verteidigen.

Donald Trump Jr. unterstützt die Kritik

Die Reaktion aus Trumps unmittelbarem familiärem Umfeld ist erstaunlich.

Donald Trump Jr. verbreitete Vances Analyse auf X weiter und unterstützte sie ausdrücklich. Er kommentierte den Beitrag mit einer dreifachen hundertprozentigen Zustimmung. Damit erhält die Kritik eine zusätzliche politische Bedeutung. Sie stammt nicht ausschließlich von republikanischen Gegnern Trumps oder von Politikern, die sich längst von der Bewegung distanziert haben.

Vance gehört seit Jahren zu den wichtigsten Vertretern des MAGA-Lagers. Donald Trump Jr. ist eine prominente Stimme innerhalb derselben politischen Bewegung. Ihre Zustimmung zur Kritik am Iran-Krieg verdeutlicht, dass die Debatte über die künftige Ausrichtung der Republikaner auch im engeren Umfeld des Präsidenten geführt wird.

Daraus lässt sich allerdings noch kein vollständiger Bruch mit Trump ableiten. Beide können die politische Grundausrichtung von MAGA weiterhin unterstützen und zugleich einzelne Regierungsentscheidungen ablehnen.

Diese Unterscheidung dürfte für die kommenden Jahre wesentlich werden.

Die Republikaner sind längst eine MAGA-Partei

Ein Wahldebakel bedeutet nicht automatisch das Ende einer politischen Bewegung. Das gilt besonders für MAGA, das längst tief in den Strukturen der Republikanischen Partei verankert ist.

Eine im Juni 2026 veröffentlichte Analyse der amerikanischen Denkfabrik Brookings verweist auf eine deutliche Veränderung der republikanischen Wählerschaft.

Nach Erhebungen von Economist/YouGov bezeichneten sich im September 2022 rund 38 Prozent der Republikaner selbst als MAGA-Republikaner. Im Mai 2026 waren es bereits 62 Prozent. Die Bewegung ist damit nicht mehr nur eine einflussreiche Strömung innerhalb der Partei. Sie stellt einen erheblichen Teil ihrer politischen Basis.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass Republikaner, die sich nicht mit MAGA identifizieren, bei verschiedenen politischen Fragen zunehmend von der Bewegung abweichen. Zu den Konfliktfeldern gehören unter anderem die Zollpolitik, der Iran-Krieg und das Verhältnis zu traditionellen konservativen Positionen.

Die Republikanische Partei steht damit vor einem doppelten Problem.

Sie kann MAGA nicht einfach hinter sich lassen, ohne einen großen Teil ihrer Anhängerschaft zu verlieren. Zugleich reicht eine starke Bindung der eigenen Basis an MAGA offenbar nicht aus, um auch Wähler außerhalb dieses Lagers dauerhaft zu überzeugen.

Die Midterms haben diese Spannung verschärft.

Kann die Bewegung ohne Trump funktionieren?

Die Frage nach der Zukunft von MAGA ist untrennbar mit der politischen Nachfolge Donald Trumps verbunden.

Der Präsident befindet sich in seiner zweiten gewählten Amtszeit. Nach dem 22. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung kann er nicht erneut zum Präsidenten gewählt werden. Spätestens 2028 müssen die Republikaner deshalb entscheiden, wer die Partei künftig führen und welche politischen Positionen diese Person vertreten soll.

Dabei geht es um mehr als die Auswahl eines neuen Spitzenkandidaten.

MAGA ist nicht nur ein politisches Programm. Die Bewegung ist in erheblichem Umfang durch Trumps Persönlichkeit, seine Kommunikationsweise und seine besondere Beziehung zu den eigenen Anhängern geprägt.

Ein Nachfolger müsste deshalb zwei unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Er müsste die politische Identität der Bewegung bewahren, um deren Anhänger nicht zu verlieren. Gleichzeitig müsste er auch Wähler erreichen, die sich durch Trumps Regierungsführung inzwischen von den Republikanern entfernt haben.

Ob sich diese Anforderungen miteinander vereinbaren lassen, ist offen. Ein reines Festhalten an sämtlichen Entscheidungen Trumps könnte die Ursachen der aktuellen Wahlniederlage fortschreiben.

Eine zu deutliche Abgrenzung wiederum könnte jene Anhänger verunsichern, für die die Loyalität zum Präsidenten einen wesentlichen Teil ihrer politischen Identität ausmacht.

JD Vance zwischen Loyalität und Abgrenzung

Vizepräsident JD Vance gehört zu den Politikern, die als mögliche Nachfolger Trumps gehandelt werden. Seine Stellung ist allerdings widersprüchlich.

  • Einerseits ist er eng mit der Trump-Regierung verbunden und trägt als Vizepräsident politische Mitverantwortung.
  • Andererseits versucht er nun, sich in einem zentralen Streitpunkt von der Entscheidung des Präsidenten abzugrenzen.

Die Kritik am Iran-Krieg kann deshalb als Versuch verstanden werden, ein eigenständigeres politisches Profil zu entwickeln, ohne die Grundüberzeugungen der MAGA-Bewegung aufzugeben.

Dass Vance ausgerechnet die außenpolitischen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges hervorhebt, ist dabei kein Zufall. Mit der Forderung nach einer stärkeren Konzentration auf die Interessen amerikanischer Haushalte knüpft er an jene Botschaften an, mit denen Trump 2024 erfolgreich warb.

Doch Vance steht mit möglichen Nachfolgeambitionen nicht allein. Auch Außenminister Marco Rubio und Floridas Gouverneur Ron DeSantis werden als potenzielle Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2028 genannt. Sie verkörpern teilweise andere außenpolitische Traditionen und unterschiedliche Beziehungen zur MAGA-Basis.

Wer sich tatsächlich um die republikanische Kandidatur bewerben wird, ist noch nicht entschieden. Die aktuelle Niederlage dürfte jedoch die Auseinandersetzung darüber verstärken, welche Teile von Trumps politischem Erbe künftig fortgeführt und welche korrigiert werden sollen.

MAGA ist nicht gleich Trump – aber auch nicht unabhängig von ihm

Die wichtigste Erkenntnis aus den ersten Reaktionen auf die Midterms liegt möglicherweise darin, dass innerhalb der republikanischen Bewegung unterschiedliche Vorstellungen von »America First« aufeinandertreffen.

  • Für einen Teil bedeutet der Begriff vor allem wirtschaftlichen Protektionismus, Grenzsicherung und die Wiederherstellung amerikanischer Industriekapazitäten.
  • Andere verbinden damit insbesondere eine außenpolitische Zurückhaltung und die Ablehnung neuer Kriege.
  • Wieder andere betonen nationale Stärke, militärische Abschreckung und die Bereitschaft, amerikanische Interessen auch mit Waffengewalt durchzusetzen.

Solange Trump als unangefochtene Führungsfigur der Bewegung auftritt, können solche Widersprüche teilweise überdeckt werden. Ein Machtwechsel innerhalb der Partei zwingt dagegen dazu, aus diesen unterschiedlichen Positionen eine tragfähige gemeinsame Politik zu entwickeln.

Die Niederlage von 2026 macht diese Aufgabe dringlicher. Denn die Wahlergebnisse zeigen, dass eine starke innerparteiliche Bindung nicht automatisch genügt, um eine Mehrheit der amerikanischen Wählerschaft zu gewinnen.

MAGA ist nach den Midterms keineswegs verschwunden. Doch erstmals seit langer Zeit steht deutlicher im Raum, ob die Bewegung ihre politischen Versprechen auch unabhängig von der Person einlösen kann, die ihr den Namen und ihre heutige Bedeutung gegeben hat.

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