Immer mehr Menschen in Deutschland geraten mit ihren Zahlungen in Rückstand. Besonders auffällig ist eine Entwicklung, die der neue Risiko- und Kreditkompass der Schufa sichtbar macht: Die Zahl der Verbraucher, bei denen erstmals eine Zahlungsstörung registriert wurde, ist innerhalb eines Jahres um zwölf Prozent gestiegen. Zugleich nehmen Privatinsolvenzen zu und immer mehr Menschen verfügen über ein Pfändungsschutzkonto. Die Zahlen zeigen eine wachsende finanzielle Belastung – aber noch keine allgemeine Verschuldungskrise.
Immer mehr Menschen geraten erstmals in Schwierigkeiten
Die finanzielle Lage vieler Verbraucher in Deutschland hat sich weiter verschlechtert. Nach dem am 8. Oktober veröffentlichten Risiko- und Kreditkompass 2026 der Schufa stieg der Anteil der Erwachsenen mit registrierten Zahlungsstörungen im Jahr 2025 auf 8,1 Prozent. Im Vorjahr hatte er bei 7,9 Prozent gelegen.
Deutlich stärker fiel die Veränderung bei den Menschen aus, die erstmals betroffen waren. Ihre Zahl erhöhte sich gegenüber 2024 um rund zwölf Prozent.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Verbraucher, bei denen bereits länger erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bekannt sind. Vielmehr kommen Menschen hinzu, die zuvor keine entsprechenden Zahlungsstörungen im Schufa-Datenbestand aufwiesen.
Der Anstieg der erstmals Betroffenen bedeutet allerdings nicht, dass zwölf Prozent aller Deutschen neu in Zahlungsschwierigkeiten geraten wären. Er beschreibt ausschließlich die relative Zunahme innerhalb der Gruppe mit erstmalig registrierten Zahlungsstörungen.
Grundlage der Untersuchung sind historische Daten zu rund 69 Millionen Verbrauchern, die zum Stichtag 31. Dezember 2025 im Schufa-Datenbestand erfasst waren.
Schufa-Vorstandschefin Tanja Birkholz sieht einen zunehmenden finanziellen Druck auf die Verbraucher, spricht aber ausdrücklich nicht von einer allgemeinen Verschuldungskrise.
Eine wachsende Zahl von Zahlungsausfällen zeigt, dass mehr Haushalte Schwierigkeiten haben, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Daraus folgt jedoch noch nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung überschuldet ist.
Warum die Preissteigerungen noch immer nachwirken
Die Schufa führt die Entwicklung vor allem auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die anhaltende wirtschaftliche Schwäche zurück.
Seit dem Inflationsschub der vergangenen Jahre haben sich Lebensmittel, Energie und zahlreiche Dienstleistungen erheblich verteuert. Selbst wenn die Inflationsrate anschließend wieder sinkt, bleiben die bereits erreichten Preisniveaus zunächst bestehen.
Eine niedrigere Inflationsrate bedeutet, dass Preise langsamer steigen. Sie bedeutet nicht, dass Lebensmittel, Strom oder andere Güter automatisch wieder so günstig werden wie vor der Teuerungswelle.
Für Haushalte, deren Einkommen nicht im gleichen Umfang gewachsen ist, bleibt die finanzielle Belastung deshalb dauerhaft höher.
Hinzu kommt, dass sich wirtschaftliche Schwierigkeiten häufig zeitverzögert zeigen. Ersparnisse können eine Phase steigender Ausgaben zunächst abfedern. Erst wenn finanzielle Reserven aufgebraucht sind, müssen Haushalte ihre Ausgaben stärker einschränken, auf Kredite zurückgreifen oder einzelne Zahlungen verschieben.
Nicht jeder Zahlungsverzug ist Ausdruck dauerhaft unzureichender Einkommen. Auch unerwartete Ausgaben, Arbeitsplatzverlust, Krankheit oder vorübergehende Liquiditätsprobleme können dazu führen, dass fällige Forderungen nicht rechtzeitig beglichen werden.
Die Schufa-Daten erlauben keine eindeutige Zuordnung jeder Zahlungsstörung zu einer bestimmten Ursache. Sie zeigen aber, dass die Probleme seit dem Beginn der stärkeren Preissteigerungen 2021 zugenommen haben.
Was eine Zahlungsstörung tatsächlich bedeutet
Nicht jede verspätet bezahlte Rechnung führt automatisch zu einem negativen Schufa-Eintrag.
Damit eine offene Forderung unter den gesetzlichen Voraussetzungen an eine Auskunftei gemeldet werden darf, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehören beispielsweise eine ausreichend dokumentierte, fällige Forderung und bei nicht titulierten Ansprüchen unter anderem Vorgaben zu Mahnungen, Fristen und der Möglichkeit, eine Forderung zu bestreiten.
Auch gerichtlich festgestellte Forderungen oder Einträge in öffentlichen Schuldnerverzeichnissen können berücksichtigt werden.
Die im Risiko- und Kreditkompass ausgewiesenen Zahlungsstörungen beschreiben daher nicht sämtliche verspäteten Zahlungen in Deutschland. Sie erfassen jene Sachverhalte, die in den untersuchten Schufa-Daten entsprechend registriert wurden.
Ein Haushalt kann erhebliche finanzielle Schwierigkeiten haben, ohne dass dies bereits zu einem Schufa-Negativmerkmal geführt hat. Umgekehrt muss eine registrierte Zahlungsstörung nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Mensch dauerhaft zahlungsunfähig ist.
Die Daten zeigen somit einen wichtigen Ausschnitt der finanziellen Belastungen, aber nicht die vollständige wirtschaftliche Lage aller privaten Haushalte.
88.000 Privatinsolvenzanträge
Deutlich wird der wachsende finanzielle Druck auch bei den Privatinsolvenzen.
Im Jahr 2025 wurden nach der Schufa-Auswertung rund 88.000 Anträge auf Privatinsolvenz gestellt. Das entsprach einem Anstieg von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders häufig waren Menschen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren betroffen. Mehr als die Hälfte der Antragsteller gehörte dieser Altersgruppe an. Weitere 13 Prozent waren zwischen 20 und 29 Jahre alt. Unter den Antragstellern befanden sich 58 Prozent Männer und 42 Prozent Frauen.
Diese Verteilung sagt nichts darüber aus, welche Alters- oder Geschlechtsgruppe das höchste individuelle Insolvenzrisiko trägt. Dafür müsste die Zahl der Insolvenzen jeweils ins Verhältnis zur Größe der entsprechenden Bevölkerungsgruppe gesetzt werden.
Die Altersverteilung ist dennoch wirtschaftlich relevant. Menschen zwischen 30 und 49 Jahren befinden sich häufig in einer Lebensphase, in der mehrere finanzielle Verpflichtungen zusammentreffen können: Wohnkosten, Kinder, Konsumkredite oder die Finanzierung einer Immobilie.
Eine Privatinsolvenz ist dabei grundsätzlich mehr als ein vorübergehender Zahlungsrückstand. Sie setzt eine schwerwiegende wirtschaftliche Situation voraus, in der der Schuldner seine fälligen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann und einen gesetzlichen Weg zur Schuldenbereinigung sucht.
Allerdings bleibt die Zahl der neuen Privatinsolvenzen trotz des jüngsten Anstiegs unter den Höchstständen der Jahre 2006 bis 2012. Damals wurden nach Angaben der Schufa jährlich mehr als 100.000 entsprechende Anträge gestellt. Von einer historischen Pleitewelle lässt sich auf Grundlage dieser Zahlen nicht sprechen.
Fast 2,82 Millionen Pfändungsschutzkonten
Ein weiterer Indikator für die finanzielle Belastung ist die Zahl der Pfändungsschutzkonten.
Ende 2025 verfügten nach der Schufa-Auswertung rund 2,817 Millionen Menschen über ein solches Konto. Das entsprach etwa vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung und war der höchste bislang ermittelte Wert.
Ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, soll verhindern, dass Menschen bei einer Kontopfändung vollständig den Zugriff auf das Geld verlieren, das sie für ihren notwendigen Lebensunterhalt benötigen.
Bis zu gesetzlich festgelegten Freibeträgen bleiben Zahlungseingänge vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Freibeträge erhöht werden, etwa bei Unterhaltspflichten.
Die Einrichtung eines P-Kontos beweist nicht automatisch eine bereits bestehende Kontopfändung. Verbraucher können ihr Konto vorsorglich umwandeln lassen. Dennoch weist eine hohe Zahl solcher Konten auf erhebliche finanzielle Risiken und das Bedürfnis nach Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen hin.
Für den Risiko- und Kreditkompass 2026 hat die Schufa diesen Bereich erstmals systematisch in ihre Untersuchung aufgenommen. Eine längerfristige Entwicklung lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit den Angaben früherer Ausgaben vergleichen.
Auch Immobilienkredite zeigen erste Belastungen
Die Schufa hat erstmals auch grundpfandrechtlich gesicherte Verbraucherdarlehen umfassender untersucht. Dabei zeigt sich ebenfalls eine Verschlechterung, allerdings auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Der Anteil nicht vertragsgemäß bedienter Hypothekendarlehen stieg von 0,10 Prozent im Jahr 2023 über 0,12 Prozent 2024 auf 0,13 Prozent im Jahr 2025.
Anders ausgedrückt: Die ganz überwiegende Mehrheit dieser Kredite wird weiterhin vertragsgemäß bedient.
Die Veränderung verdient dennoch Aufmerksamkeit, weil Immobilienfinanzierungen häufig langfristig angelegt sind und hohe monatliche Verpflichtungen mit sich bringen.
Ein möglicher Belastungsfaktor sind auslaufende Zinsbindungen. Wer vor einigen Jahren einen Immobilienkredit zu besonders günstigen Konditionen abgeschlossen hat, muss bei einer Anschlussfinanzierung unter Umständen deutlich höhere Zinsen akzeptieren. Das kann die monatliche Belastung spürbar erhöhen, insbesondere wenn gleichzeitig andere Lebenshaltungskosten gestiegen sind.
Die Schufa verweist ausdrücklich auf diesen Zusammenhang, ohne daraus eine allgemeine Krise des deutschen Immobilienkreditmarktes abzuleiten.
Kleine Kredite werden immer beliebter
Parallel zu den wachsenden Zahlungsschwierigkeiten verändert sich das Kreditverhalten der Verbraucher.
Besonders auffällig ist die Entwicklung kleiner Ratenkredite unter 1.000 Euro. Im Jahr 2025 wurden nach Schufa-Angaben rund 7,5 Millionen solcher Verträge neu abgeschlossen, elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Marktes sind sogenannte Buy-Now-Pay-Later-Angebote. Verbraucher können dabei Waren sofort kaufen und die Zahlung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben oder in Raten aufteilen.
Solche Finanzierungsmodelle sind vor allem im Onlinehandel weit verbreitet.
Sie können sinnvoll sein, wenn Verbraucher ihre Zahlungsverpflichtungen überblicken und die spätere Fälligkeit problemlos bedienen können. Problematisch wird es dagegen, wenn mehrere kleine Verpflichtungen parallel entstehen und die tatsächliche Gesamtbelastung aus dem Blick gerät.
Die Zahl der neu abgeschlossenen größeren Ratenkredite über 1.000 Euro entwickelte sich dagegen rückläufig. Sie sank um zwei Prozent auf rund 4,8 Millionen Verträge. Während größere Kreditfinanzierungen etwas zurückgingen, nahm die Nutzung kleiner Finanzierungen also deutlich zu. Diese Entwicklung zeigt, dass sich Kreditverpflichtungen stärker auf eine Vielzahl kleinerer Verträge verteilen können.
Damit wächst die Bedeutung eines vollständigen Überblicks über laufende Zahlungen.
Zwischen Bayern und Bremen liegen Welten
Die finanzielle Belastung ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt.
Nach der Schufa-Auswertung hatten 2025 in Bremen 11,2 Prozent der Erwachsenen registrierte Zahlungsstörungen. In Berlin waren es 10,1 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 9,9 Prozent.
Deutlich niedriger lagen die entsprechenden Werte in Bayern mit sechs Prozent und Baden-Württemberg mit 6,6 Prozent.
Noch größer sind die Unterschiede auf kommunaler Ebene. Im Landkreis Eichstätt lag der Anteil bei 3,6 Prozent, in Duisburg dagegen bei 19,9 Prozent.
Solche Unterschiede können mit der regionalen Wirtschaftsstruktur, dem Arbeitsmarkt, den Einkommen und der Zusammensetzung der Bevölkerung zusammenhängen. Zahlungsschwierigkeiten entstehen nicht unabhängig von den wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten.
Warum die neue Statistik anders gelesen werden muss
Der Risiko- und Kreditkompass 2026 wurde methodisch grundlegend überarbeitet.
Während frühere Ausgaben auch bereits erledigte Verbindlichkeiten und Zahlungsstörungen in bestimmte Quoten einbezogen, konzentriert sich die neue Untersuchung stärker auf bestehende offene Verpflichtungen zum jeweiligen Betrachtungszeitpunkt.
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von einer längerfristigen Betrachtung der Kreditwürdigkeit hin zur aktuellen wirtschaftlichen Situation der Verbraucher.
Zusätzlich wurden neue Kreditarten, Pfändungsschutzkonten und Daten zum Hypothekenmarkt aufgenommen.
Die Schufa weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass sich die Ergebnisse der neuen Ausgabe nur eingeschränkt mit älteren Veröffentlichungen vergleichen lassen.
Wer unterschiedliche Erhebungsmethoden unmittelbar miteinander vergleicht, kann Veränderungen feststellen, die nicht allein auf eine tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen sind.
Die im aktuellen Bericht genannten Vergleiche zwischen 2024 und 2025 beruhen auf der dafür verwendeten Datengrundlage. Sie sollten jedoch nicht ohne Weiteres mit Kennzahlen aus früheren Risiko- und Kreditkompassen zu einer vermeintlich einheitlichen Langfristreihe verbunden werden.
Auch die Datenbasis hat Grenzen. Die Schufa erhält ihre Informationen von angeschlossenen Unternehmen und aus öffentlichen Registern. Nicht jede private Schuld, jede offene Rechnung oder jede finanzielle Notlage ist darin enthalten.
Finanzielle Belastung ist noch keine Schuldenkrise
Die neuen Zahlen zeichnen kein Bild einer unmittelbar bevorstehenden allgemeinen Zahlungsunfähigkeit privater Haushalte.
Die weit überwiegende Mehrheit der Verbraucher weist weiterhin keine registrierten Zahlungsstörungen auf. Auch bei Immobilien- und Ratenkrediten werden die meisten vertraglichen Verpflichtungen ordnungsgemäß erfüllt.
Gleichzeitig wäre es falsch, die Entwicklung allein mit dem Hinweis auf die noch immer vergleichsweise niedrigen Insolvenzquoten zu beruhigen.
Die Zunahme erstmaliger Zahlungsstörungen zeigt, dass finanzielle Schwierigkeiten zusätzliche Haushalte erreichen. Steigende Privatinsolvenzen und die hohe Zahl der Pfändungsschutzkonten unterstreichen, dass ein Teil der Verbraucher bereits mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen konfrontiert ist.
Für Unternehmen ist diese Entwicklung ebenfalls relevant. Wenn mehr Kunden ihre Rechnungen verspätet oder überhaupt nicht begleichen, steigen die Risiken von Forderungsausfällen. Banken und andere Kreditgeber müssen sorgfältiger prüfen, welche zusätzlichen Belastungen Verbraucher noch tragen können.
Für die Wirtschaft insgesamt kann eine länger anhaltende finanzielle Anspannung der Haushalte zudem bedeuten, dass Konsumausgaben zurückgestellt werden. Gerade in einer schwachen Konjunktur kann dies die Nachfrage zusätzlich beeinträchtigen.
Wie stark diese Effekte tatsächlich ausfallen, lässt sich aus der Schufa-Auswertung allein nicht beziffern.
Stefanie S. Klief