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Deutschland prüft wirtschaftliche Hebel gegenüber den USA

Regierung analysiert gegenseitige Abhängigkeiten im transatlantischen Handel

Die Bundesregierung analysiert, in welchen Bereichen die USA auf Deutschland und Europa angewiesen sind. Ziel ist mehr Handlungsspielraum in geopolitischen Konflikten.

2 Min.

14.02.2026

Die Bundesregierung untersucht, in welchen Bereichen die Vereinigten Staaten wirtschaftlich auf Deutschland und Europa angewiesen sind. Bundeskanzler Friedrich Merz ließ dazu eine Liste potenzieller Einflussfaktoren erstellen, um im Konfliktfall über eigene Druckmittel zu verfügen. Hintergrund sind wiederkehrende Spannungen in den transatlantischen Beziehungen und ein zunehmend konfrontativer wirtschaftspolitischer Kurs der USA.

Analysen zeigen, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit keineswegs einseitig ist. US-Kunden kauften zuletzt Waren im Wert von rund 290 Milliarden US-Dollar, die überwiegend in der Europäischen Union hergestellt wurden. Bei zahlreichen Produktgruppen beziehen die Vereinigten Staaten einen Großteil ihrer Importe aus Europa — teilweise sogar ausschließlich.

Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle als Lieferant von Industrie- und Spezialgütern. Dazu gehören unter anderem Stahlrohre für Energieprojekte, medizinische Geräte wie MRT-Scanner sowie Maschinen für Infrastruktur und Industrie. In einzelnen Bereichen stammen bis zu 80 Prozent der US-Importe aus deutschen oder europäischen Quellen.

Neben industriellen Gütern gelten auch andere Faktoren als potenzielle Hebel. Der europäische Binnenmarkt mit rund 450 Millionen Verbrauchern ist für US-Technologiekonzerne ein entscheidender Absatzraum. Zudem halten europäische Investoren erhebliche Bestände an US-Staatsanleihen, und militärische Infrastruktur in Europa unterstützt amerikanische Einsätze weltweit.

Die Diskussion verdeutlicht eine strategische Neubewertung der transatlantischen Beziehungen. Während Europa traditionell seine Abhängigkeit von den USA betont, rückt nun stärker die wechselseitige Verwundbarkeit globaler Lieferketten und Märkte in den Fokus. Beobachter sehen darin einen Schritt hin zu einer selbstbewussteren europäischen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik.

SK

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