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Finanzkriminalität — wirtschaftlicher Schaden für Deutschland kaum bezifferbar

Analyse zeigt massive Unterschiede bei Finanzdelikten zwischen Bundesländern

Fast 4 Millionen Finanzdelikte in Deutschland. Kriminalstatistik zeigt hohe Fallzahlen in Berlin und besonders niedrige Aufklärungsquoten in Hamburg.

2 Min.

18.02.2026

Mehr als 3,8 Millionen Straftaten mit Finanzbezug wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik für 2024 in Deutschland registriert. Gleichzeitig warnt der Bundesrat, dass bestehende Instrumente zur Bekämpfung von Finanzkriminalität in der Praxis häufig nur begrenzt wirksam sind, da illegal erworbene Vermögenswerte oft über komplexe und schwer nachvollziehbare Wege in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden.

Eine Analyse der Polizeidaten durch den Finanzplattform-Dienst BrokerChooser zeigt deutliche regionale Unterschiede. Demnach weist Berlin mit Abstand die höchsten Fallzahlen pro 100.000 Einwohner auf und erreicht einen Indexwert von 7,591 von 10. Besonders häufig sind Vermögens- und Fälschungsdelikte, Kapitalanlagebetrug sowie Computerbetrug mit gestohlenen Zahlungsdaten. Für zahlreiche Deliktarten liegt die Hauptstadt bundesweit an der Spitze.

Auf Rang zwei folgt Bremen mit ebenfalls sehr hohen Fallzahlen, insbesondere bei Warenkredit- und Zahlungsbetrug sowie Geldwäsche. Teilweise übersteigen die Werte dort sogar die Berliner Zahlen, auch wenn Bremen insgesamt weniger Deliktarten anführt.

Am anderen Ende der Skala steht Mecklenburg-Vorpommern. Das Bundesland verzeichnet in 29 von 80 untersuchten Deliktarten die niedrigsten Fallzahlen und gleichzeitig die besten Aufklärungsquoten. In einigen Bereichen liegt die Quote deutlich über 75 Prozent. Sachsen schneidet ebenfalls vergleichsweise gut ab und erreicht den zweiten Platz bei der Aufklärung.

Problematisch ist hingegen die Lage in großen Metropolregionen. Berlin, trotz höchster Fallzahlen, landet bei der Aufklärung nur im Mittelfeld. Besonders niedrig ist die Quote bei digitalem Zahlungsbetrug. Noch kritischer ist die Situation in Hamburg: Die Hansestadt weist die schlechtesten Aufklärungsquoten bundesweit auf, teils deutlich unter 50 Prozent und in einzelnen Deliktarten sogar unter 20 Prozent.

Die häufigste Form von Finanzkriminalität sind Vermögens- und Fälschungsdelikte, die bundesweit über 1.180 Fälle pro 100.000 Einwohner ausmachen. Experten sehen vor allem im digitalen Raum wachsende Risiken. Betrug im Zusammenhang mit Online-Investments, Zahlungsdiensten und sozialen Medien nimmt zu und ist für Ermittlungsbehörden besonders schwer zu verfolgen.

Der Bundesrat fordert daher effektivere Instrumente zur Vermögenseinziehung sowie erweiterte Ermittlungsbefugnisse. Ohne solche Maßnahmen droht, dass ein erheblicher Teil der illegalen Gewinne dauerhaft im Wirtschaftskreislauf verbleibt.

SK

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