Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten hat sich im November überraschend stark ausgeweitet und ist um 94,6 Prozent auf 56,8 Milliarden US-Dollar gestiegen – der größte prozentuale Zuwachs seit März 1992. Dieses Ergebnis wurde vom US-Handelsministerium veröffentlicht und übertrifft deutlich die Prognosen von Ökonomen, die im Vorfeld nur ein moderates Ansteigen erwartet hatten.
Hauptursache für die deutliche Ausweitung ist ein kräftiger Anstieg der Einfuhren, der die Zunahme des Defizits dominiert. Die gesamten Importe stiegen um etwa 5 Prozent, wobei insbesondere Kapitalgüter wie Computer und Halbleiter neue Rekordwerte erreichten – ein Trend, der mit verstärkten Investitionen in künstliche Intelligenz und technologieorientierte Ausrüstung in Verbindung gebracht wird. Zugleich gingen die gesamten Exporte um rund 3,6 Prozent zurück, was den negativen Saldo weiter vergrößerte.
Diese Entwicklung folgt auf eine Phase, in der das Defizit im Oktober auf ein Tief seit vielen Jahren gefallen war, und markiert nun eine deutliche Trendwende. Ökonomen warnen, dass die stark wachsende Lücke in der Handelsbilanz wachstumsdämpfend für die US-Wirtschaft im vierten Quartal wirken könnte, da die schwächeren Exporte und die Importdynamik das Bruttoinlandsprodukt beeinflussen.
Die Steigerung fällt in eine Zeit, in der die US-Regierung weiter auf protektionistische Maßnahmen wie Zollerhöhungen und neu ausgehandelte Handelsabkommen setzt, mit dem erklärten Ziel, Handelsungleichgewichte zu verringern und inländische Produktion zu fördern. Der aktuelle Anstieg demonstriert jedoch, wie komplex die ökonomischen Kräfte sind, wenn Nachfrage, Technologieinvestitionen und Preise gleichzeitig wirken.
Die Nachrichtenlage zum US-Arbeitsmarkt deutet darauf hin, dass trotz dieser Handelsdynamik die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe leicht gesunken ist, während andere makroökonomische Indikatoren auf eine weitgehend stabile, wenn auch herausgeforderte, wirtschaftliche Lage hindeuten.
SK