Wirtschaft

Deutschlands Autokonzerne sehen erstmals wieder Licht

Volle Förderportale und neue Aufträge verbessern die Stimmung – eine echte Trendwende ist das noch nicht

5 Min.

06.08.2026

Die neue Kaufprämie für Elektroautos stößt auf große Nachfrage, während sich auch die Erwartungen der deutschen Autoindustrie deutlich aufhellen. Beide Entwicklungen nähren die Hoffnung auf eine Erholung. Noch klafft jedoch eine erhebliche Lücke zwischen dem Blick nach vorn und der gegenwärtigen Geschäftslage.

Seit dem Start des Antragsportals am 19. Mai sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle rund 103.500 Förderanträge für Elektrofahrzeuge eingegangen. Mehr als 90 Prozent davon betreffen reine Batterieautos; der Rest entfällt auf Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer.

Die Zahl bildet nicht nur unverbindliches Kaufinteresse ab. Der Förderantrag kann erst nach der Zulassung gestellt werden. Benötigt werden unter anderem Kauf- oder Leasingvertrag und Fahrzeugschein. Die Anträge beziehen sich damit auf bereits zugelassene Fahrzeuge – sie beweisen allerdings nicht, dass sämtliche Käufe allein wegen der Prämie zustande kamen.

Förderung erreicht die anvisierte Zielgruppe

Rund die Hälfte der Antragstellenden gibt ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von höchstens 45.000 Euro an. Knapp ein weiteres Viertel liegt zwischen 45.000 und 60.000 Euro. Drei von vier Anträgen stammen damit aus Haushalten mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro.

Die sozial gestaffelte Förderung beträgt je nach Antrieb, Einkommen und Kinderzahl zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Regulär liegt die Einkommensgrenze bei 80.000 Euro, für Familien mit mindestens zwei Kindern bei bis zu 90.000 Euro. Gefördert werden Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 erstmals zugelassen wurden.

Bis 2029 stehen drei Milliarden Euro zur Verfügung. Das Programm ist für rund 800.000 Fahrzeuge kalkuliert und soll nicht nur den Klimaschutz, sondern ausdrücklich auch die heimische Autoindustrie und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen unterstützen.

Der E-Auto-Markt hatte sich bereits vorher belebt

Die Prämie trifft auf einen Markt, der sich schon vor Öffnung des Antragsportals erholt hatte. Zwischen Januar und April wurden rund 224.000 reine Elektroautos neu zugelassen. Ihr Anteil erreichte 23,6 Prozent und damit fast jeden vierten Neuwagen.

Im Juni kamen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts weitere 84.057 Batterieautos hinzu. Sie erreichten einen Anteil von 28,4 Prozent an sämtlichen Pkw-Neuzulassungen.

Die hohe Zahl der Förderanträge darf deshalb nicht vollständig als zusätzlicher Nachfrageeffekt verbucht werden. Da das Programm rückwirkend für Zulassungen seit Jahresbeginn gilt, befinden sich darunter auch Fahrzeuge, deren Kaufentscheidung bereits vor dem Start des Portals gefallen war.

Die Erwartungen steigen steil – die Lage bleibt schlecht

Parallel zur Nachfrage nach Elektroautos hat sich die Stimmung in den Unternehmen verbessert. Der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für die deutsche Automobilindustrie stieg im Juli von minus 21,6 auf minus 15,6 Punkte.

Besonders deutlich fällt die Veränderung bei den Erwartungen für die kommenden Monate aus. Nach minus 30,7 Punkten im April liegt der Wert inzwischen bei nur noch minus 0,1 Punkten – so hoch wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Von einer guten Geschäftslage ist die Branche trotzdem weit entfernt. Die aktuelle Situation wird mit minus 29,9 Punkten weiterhin ausgesprochen negativ bewertet. Zudem planen die befragten Unternehmen weiteren Stellenabbau.

Die Branche hofft also auf Besserung, bevor sie diese in den laufenden Geschäften bereits deutlich spürt.

Nicht nur Elektroautos füllen die Auftragsbücher

Nach Einschätzung des ifo Instituts kommen wieder mehr Aufträge aus Deutschland und vor allem aus dem Euroraum. Auch die Exporterwartungen sind gestiegen.

Ein Teil der Belebung hat mit der klassischen Autonachfrage allerdings nur mittelbar zu tun. Hersteller von Karosserien, Aufbauten und elektronischen Ausrüstungen liefern Komponenten, die ebenfalls in der Verteidigungsindustrie eingesetzt werden können. Die steigenden europäischen Rüstungsinvestitionen könnten daher auch einzelnen Autozulieferern zusätzliche Aufträge verschaffen.

Die bessere Stimmung lässt sich somit nicht allein auf die neue E-Auto-Förderung zurückführen. Sie entsteht aus mehreren Impulsen: einer wachsenden Elektromobilität, neuen Aufträgen aus Europa und der Auslastung industrieller Kapazitäten durch andere Branchen.

Eine Prämie löst nicht alle Strukturprobleme

Die Förderung kann den Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennern verringern und zögernde Haushalte zum Kauf bewegen. Sie schafft den Herstellern zugleich kurzfristig planbarere Nachfrage.

Sie löst jedoch weder hohe Produktionskosten noch den technologischen Wettbewerb oder die schwierige Auslastung deutscher Werke. Auch Ladeinfrastruktur, Strompreise, Modellangebot und Restwertentwicklung beeinflussen, ob sich Menschen dauerhaft für ein Elektroauto entscheiden.

Hinzu kommt das bekannte Risiko staatlicher Kaufzuschüsse: Ein Teil des Geldes erreicht Haushalte, die das Fahrzeug auch ohne Förderung gekauft hätten. Die Zahl der Anträge zeigt daher, dass das Programm angenommen wird – noch nicht, wie viele zusätzliche Elektroautos es tatsächlich auf die Straße bringt.

Stefanie S. Klief

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