Wirtschaft

Solarstrom spart Deutschland Milliarden 

Neue Berechnungen zeigen, wie stark Photovoltaik fossile Importe und Klimaschäden reduziert

4 Min.

22.06.2026

Deutschlands Solaranlagen haben nach Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft seit 2020 einen erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen gebracht. Rund sechs Millionen Anlagen erzeugten knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Strom, ersetzten fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro und vermieden Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro.

 

Solarstrom wird in Deutschland oft vor allem als Kostenfrage diskutiert: Förderung, Einspeisevergütung, Netzausbau, Strompreise. Neue Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft rücken nun eine andere Seite in den Mittelpunkt: den volkswirtschaftlichen Nutzen der Photovoltaik.

Nach Angaben des Verbands haben die mittlerweile rund sechs Millionen installierten Solarstromanlagen in Deutschland allein zwischen 2020 und 2025 knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Dadurch seien fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt worden. Zugleich seien Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden worden.

Die Zahl ist bewusst als Schätzung zu verstehen. Klimaschadenskosten sind keine Rechnung, die der Staat direkt bezahlt hätte, sondern monetarisierte Folgekosten von Treibhausgasen: Schäden an Gesundheit, Infrastruktur, Landwirtschaft, Wohlstand und Ökosystemen. Genau solche Kosten versucht das Umweltbundesamt seit Jahren in Euro zu berechnen.

Klimaschutz als vermiedener Schaden

Der wichtigste Punkt an der Berechnung ist deshalb nicht die exakte Summe, sondern die Perspektive. Jede Kilowattstunde Solarstrom, die fossile Stromerzeugung ersetzt, vermeidet Emissionen. Und jede vermiedene Tonne Treibhausgas reduziert künftige Schäden.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden durch Solarstrom in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren rund 500 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden. Mehr als die Hälfte davon entfiel allein auf die Jahre 2020 bis 2025. Das zeigt, wie stark der Ausbau in den vergangenen Jahren beschleunigt wurde.

Das Umweltbundesamt bezifferte die globalen Schäden der deutschen Treibhausgasemissionen des Jahres 2024 zuletzt auf 647 Milliarden Euro, wenn Schäden heutiger und künftiger Generationen gleich gewichtet werden. Solche Werte machen sichtbar, was in klassischen Strompreisdebatten oft fehlt: Fossile Energie wirkt billig, solange ihre Folgeschäden nicht vollständig eingepreist werden.

Weniger Importabhängigkeit

Neben den vermiedenen Klimaschäden nennt der Bundesverband Solarwirtschaft auch direkte wirtschaftliche Effekte. Zwischen 2020 und 2025 habe Solarstrom fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt. Das ist besonders relevant seit der Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine.

Je mehr Strom aus heimischen erneuerbaren Quellen stammt, desto weniger anfällig wird Deutschland für fossile Importpreise, geopolitische Krisen und Lieferabhängigkeiten. Solarstrom ersetzt dabei nicht allein Gas oder Kohle, aber er senkt den Bedarf an fossiler Stromerzeugung und dämpft damit auch Import- und Preisdruck.

Hinzu kommt der Effekt auf den Strommarkt. Eine Enervis-Analyse im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft kam bereits für 2024 zu dem Ergebnis, dass der Börsenstrompreis ohne Photovoltaik im Schnitt 15 Prozent höher gelegen hätte. Die Einsparungen für Verbraucher, Gewerbe und Industrie wurden damals auf rund 6,1 Milliarden Euro beziffert.

Die Debatte bleibt politisch

Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem über Förderung, Netzausbau und die künftige Rolle kleiner Solaranlagen gestritten wird. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte zuletzt eine kritischere Debatte über Solarförderung angestoßen. Befürworter warnen dagegen, dass Einschnitte den weiteren Ausbau bremsen könnten.

Klar ist: Photovoltaik ist kein Selbstläufer ohne Nebenprobleme. Der starke Ausbau verlangt mehr Speicher, flexiblere Stromtarife, bessere Netze und eine intelligente Steuerung von Angebot und Nachfrage. An sonnigen Tagen entstehen bereits heute Phasen mit sehr niedrigen oder sogar negativen Börsenstrompreisen. Ohne Speicher und Flexibilität sinkt der Marktwert von Solarstrom.

Das ändert aber nichts am grundsätzlichen Nutzen. Die Frage ist nicht, ob Solarstrom wirkt. Die Frage ist, wie Deutschland den weiteren Ausbau so organisiert, dass Stromsystem, Netze, Speicher und Verbrauch besser zusammenpassen.

Solar ist mehr als ein Dachthema

Die deutsche Solar- und Speicherbranche beschäftigt nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft inzwischen rund 120.000 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 30 Milliarden Euro. Damit ist Photovoltaik längst nicht mehr nur ein Klimaschutzinstrument, sondern auch ein Industrie- und Standortthema.

Gerade deshalb ist die neue Berechnung politisch brisant. Sie verschiebt den Blick von den Förderkosten hin zu den vermiedenen Kosten. Wer Solarstrom nur als Belastung des Stromsystems betrachtet, übersieht die Schäden, die durch fossile Energie überhaupt erst entstehen.

Die 250 Milliarden Euro sind keine harte Haushaltsbuchung. Aber sie zeigen eine Größenordnung: Klimaschutz ist nicht einfach teuer. Unterlassener Klimaschutz ist ebenfalls teuer – nur oft später, indirekter und schwerer zurechenbar.

Solarstrom verhindert diese Schäden nicht allein. Aber er ist ein Teil der Antwort. Und je größer sein Anteil wird, desto sichtbarer wird auch sein wirtschaftlicher Wert.

SK

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