Wissen

Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und Führung bleibt hinter Erwartungen

Langsamer Fortschritt in deutschen Unternehmen trotz Diversity-Debatten

Trotz verstärkter Diversity-Debatten bleibt der Anteil von Frauen in Aufsichtsrat, Vorstand und Management in Deutschland gering. Strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen

2 Min.

06.02.2026

In Deutschland sind Frauen in leitenden Unternehmenspositionen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert – das zeigen aktuelle Daten aus dem Personal- und HR-Bereich. Zwar wird die Debatte um Gleichstellung und Diversität in Führungsstrukturen seit Jahren geführt, doch sowohl in Aufsichtsräten als auch in Vorständen und Managementebenen ist der Anteil weiblicher Führungskräfte weiterhin vergleichsweise gering.

In Aufsichtsräten großer und mittlerer Unternehmen ist der Frauenanteil in den letzten Jahren zwar gestiegen, bewegt sich jedoch weiterhin deutlich unter 50 Prozent. In Vorständen fällt der Anteil noch geringer aus – teils im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich. Auch bei Geschäftsführungs- und anderen Entscheidungspositionen zeigt sich, dass Frauen im Vergleich zu Männern strukturell seltener vertreten sind, trotz höherer Bildungsabschlüsse und wachsender Präsenz auf dem Arbeitsmarkt.

Experten führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück: Einerseits existieren nach wie vor strukturelle Hürden, etwa ungleiche Karriere- und Führungschancen, stereotype Rollenbilder und fehlende Netzwerke. Andererseits spielen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, unterschiedliche Arbeitszeitpräferenzen und unzureichende Förderprogramme für weibliche Talente eine Rolle. Selbst dort, wo Unternehmen Diversity-Programme eingeführt haben, zeigen sich oft nur breite Lippenbekenntnisse statt konsequenter Umsetzung.

Befürworter einer stärkeren Diversität in Führungspositionen betonen, dass eine höhere Präsenz von Frauen nicht nur ein sozialpolitisches Ziel, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil ist. Studien mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute legen nahe, dass Unternehmen mit vielfältigeren Führungsteams tendenziell innovationsfreudiger und widerstandsfähiger agieren. Eine ausgewogene Geschlechterverteilung wird zudem mit besserer Unternehmenskultur und höherer Attraktivität als Arbeitgeber verknüpft.

Kritiker argumentieren, dass Quotenregelungen und rein zahlenzentrierte Ziele die tiefer liegenden Ursachen nicht adressieren und stattdessen auf strukturelle Reformen in Ausbildung, Karriereentwicklung und Unternehmenskultur gesetzt werden sollte. Sie plädieren für Maßnahmen wie Mentoring-Programme, flexiblere Arbeitsmodelle und transparente Karrierepfade, um die Grundlage für nachhaltige Veränderungen zu schaffen.

Insgesamt zeigen die aktuellen Daten, dass der Weg zu einer echten Geschlechterbalance in deutschen Unternehmensspitzen noch weit ist, auch wenn in einzelnen Branchen und Unternehmen Fortschritte sichtbar werden. Die Frage, wie Führungskräfte von morgen zusammengesetzt sind, bleibt ein zentraler Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und gesellschaftliche Akzeptanz.

SK

 

Nach oben