Revolut und ING DiBa stehen beispielhaft für den Boom des digitalen Bankings – technische Störungen bei App- und Direktbanken treffen damit einen zentralen Zugang zum Alltag der Kunden.
Wenn die Banking-App plötzlich nicht mehr funktioniert, entsteht schnell eine unangenehme Frage: Ist mein Geld überhaupt noch sicher? Am Dienstag, dem 20. Oktober, kämpfen sowohl ING als auch Revolut mit technischen Problemen. Während ING-Kunden teilweise nicht auf ihre Konten zugreifen können, fallen bei Revolut auch Zahlungsfunktionen aus. Inzwischen verdichten sich die Hinweise auf eine Google-Cloud-Störung als Ursache der Revolut-Probleme. Doch was bedeutet das für Guthaben, Überweisungen und die Sicherheit der Bankkonten?
Zwei Bankstörungen sorgen für Verunsicherung
Für zahlreiche Bankkunden begann der heutige Tag mit technischen Schwierigkeiten. Seit etwa fünf Uhr morgens melden Nutzer der ING Probleme bei der Anmeldung im Online-Banking und in der Smartphone-App. Kontostände lassen sich nicht wie gewohnt abrufen, Überweisungen können über die betroffenen Zugänge vorübergehend nicht veranlasst werden.
Einige Stunden später häuften sich auch bei Revolut die Beschwerden. Die international tätige Digitalbank bestätigte Störungen mehrerer Dienste. Anders als bei der ING beschränkten sich die gemeldeten Schwierigkeiten nicht auf die Anmeldung.
Auf der offiziellen deutschen Revolut-Statusseite wurden zeitweise 31 Funktionen als zumindest teilweise beeinträchtigt ausgewiesen. Darunter befanden sich Kartenzahlungen, Überweisungen, Bargeldabhebungen, Währungsumtausch und weitere Dienstleistungen.
Besonders problematisch ist das für Menschen, die unterwegs bezahlen möchten, dringend Geld überweisen müssen oder ausschließlich über eine Banking-App auf ihre Finanzen zugreifen.
Die Frage, wann die Dienste wieder vollständig funktionieren, können die Banken bislang nicht für sämtliche betroffenen Funktionen verbindlich beantworten.
Revolut versichert: Kundengelder und Daten sind sicher
Bei Revolut gibt es inzwischen neue Informationen zur Ursache der Störung.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit dem Sachverhalt vertraute Person berichtet, hängt der Revolut-Ausfall mit einer größeren technischen Störung bei Google Cloud zusammen.
Google bestätigte Probleme in seiner Londoner Rechenzentrumsregion europe-west2. Dort traten bei mehreren Cloud-Diensten erhöhte Fehlerraten und zeitweise Netzwerkprobleme auf.
Auch andere Unternehmen waren von den Schwierigkeiten betroffen.
Revolut selbst versicherte ausdrücklich, dass die Gelder und Daten seiner Kunden sicher seien. Gleichzeitig arbeitete die Bank an der Wiederherstellung ihrer Dienste.
Ein technischer Zusammenhang zwischen Google Cloud und den Problemen bei der ING ist dagegen bisher nicht bestätigt.
Damit gibt es für den Revolut-Ausfall inzwischen eine nachvollziehbare technische Erklärung. Die genaue Ursache innerhalb der Cloud-Infrastruktur und die Folgen für sämtliche betroffenen Transaktionen sind jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Kann bei einer solchen Störung Geld verschwinden?
Ein ausgefallener Bankzugang bedeutet zunächst nicht, dass das Geld auf dem Konto verschwunden ist.
Die Anzeige in einer Banking-App ist lediglich eine Möglichkeit, auf Kontoinformationen und Zahlungsfunktionen zuzugreifen. Ist dieser Zugang vorübergehend gestört, folgt daraus nicht automatisch, dass Guthaben gelöscht oder Kontobestände verändert wurden.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem technischen Verfügbarkeitsproblem und einem tatsächlichen Eingriff in Kontodaten oder Zahlungsabläufe.
Für einen Diebstahl von Kundengeldern im Zusammenhang mit den aktuellen Ausfällen liegen bislang keine bestätigten Hinweise vor.
Auch gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass die Störungen durch einen Cyberangriff verursacht wurden.
Eine vollständige Entwarnung für jede einzelne Transaktion lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Sollte beispielsweise während des Ausfalls eine Überweisung nicht eindeutig bestätigt worden sein, muss später geprüft werden, ob sie tatsächlich ausgeführt wurde.
Was passiert mit Überweisungen und Daueraufträgen?
Besonders verunsichernd sind technische Störungen, wenn bereits eine Zahlung angestoßen wurde und anschließend keine Bestätigung erscheint.
Dann kann unklar sein, ob die Bank den Auftrag überhaupt angenommen hat, ob seine Bearbeitung noch aussteht oder ob die Überweisung bereits ausgeführt wurde.
Kunden sollten deshalb vermeiden, eine vermeintlich fehlgeschlagene Zahlung mehrfach abzusenden, solange ihr tatsächlicher Status nicht feststeht. Andernfalls können unter Umständen doppelte Zahlungsaufträge entstehen.
Sobald die Dienste wieder verfügbar sind, empfiehlt es sich, die Umsatzübersicht und den Status offener Überweisungen zu prüfen.
Auch bei Daueraufträgen und Lastschriften sollte zwischen einem gestörten App-Zugang und der bankinternen Zahlungsabwicklung unterschieden werden. Ein Login-Ausfall bedeutet nicht zwangsläufig, dass bereits eingerichtete Zahlungen ausbleiben.
Ob einzelne Aufträge verzögert oder nicht ausgeführt wurden, lässt sich jedoch nur anhand der konkreten Kontobewegungen beziehungsweise durch Rückfrage bei der Bank klären.
Wer eine zeitkritische Überweisung durchführen muss, sollte die von seinem Kreditinstitut angebotenen alternativen Kontakt- und Zahlungswege prüfen.
Und was ist mit der Einlagensicherung?
Auch bei der Sicherheit des Guthabens ist eine weitere Unterscheidung wichtig.
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt berechtigte Bankeinlagen grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Kreditinstitut. Sie greift insbesondere dann, wenn ein Institut seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann.
Die deutsche ING-DiBa AG unterliegt der deutschen gesetzlichen Einlagensicherung. Darüber hinaus gehört sie einem freiwilligen Einlagensicherungsfonds an, der für Privatkunden unter den jeweiligen Bedingungen derzeit einen höheren Schutzumfang vorsieht.
Bei Revolut Bank UAB gilt für entsprechende Einlagen grundsätzlich das litauische Einlagensicherungssystem mit einer Absicherung bis zu 100.000 Euro pro Einleger. Bei speziellen Anlage- oder Sparprodukten kann die Absicherung anders ausgestaltet sein.
Allerdings hat die gesetzliche Einlagensicherung mit dem aktuellen App-Ausfall zunächst nichts zu tun.
Sie schützt berechtigte Einlagen im Entschädigungsfall, garantiert aber nicht, dass eine Banking-App jederzeit erreichbar ist oder jede Zahlung ohne Verzögerung abgewickelt wird.
Die derzeit bekannten Störungen sind deshalb kein Hinweis darauf, dass bei ING oder Revolut ein solcher Entschädigungsfall eingetreten wäre.
Können Kriminelle die Störung ausnutzen?
Auch wenn bislang keine Hinweise auf einen Cyberangriff als Ursache der Ausfälle vorliegen, sind technische Störungen für Kriminelle grundsätzlich eine Gelegenheit, verunsicherte Kunden mit betrügerischen Nachrichten anzusprechen.
Denkbar sind beispielsweise gefälschte E-Mails oder SMS, in denen behauptet wird, das Bankkonto müsse wegen der Störung dringend entsperrt oder erneut verifiziert werden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt grundsätzlich davor, Zugangsdaten, PINs oder TANs an Dritte weiterzugeben.
Kunden sollten deshalb keine unerwarteten Links zur angeblichen Wiederherstellung ihres Bankzugangs öffnen und sensible Zugangsdaten ausschließlich über die offiziellen Zugangswege ihrer Bank verwenden.
Wichtig ist auch hier die Unterscheidung: Eine solche Betrugsgefahr besteht grundsätzlich bei Online-Banking-Störungen. Dass Betrüger die aktuellen ING- oder Revolut-Ausfälle bereits gezielt für eine größere Angriffswelle nutzen, ist damit nicht belegt.
Warum die Ausfälle eine größere Bedeutung haben
Die Störungen fallen in eine Zeit, in der sich alltägliche Bankgeschäfte zunehmend ins Smartphone verlagern.
Kontostände, Überweisungen, Wertpapierdepots und Karteneinstellungen sind jederzeit digital verfügbar – solange die technische Infrastruktur funktioniert. Dadurch entsteht eine neue Abhängigkeit.
Wenn ein einzelner Cloud-Dienstleister technische Schwierigkeiten bekommt, können davon zahlreiche Anwendungen und Unternehmen gleichzeitig betroffen sein. Der aktuelle Revolut-Ausfall zeigt, wie weitreichend solche Störungen sein können.
In einer geopolitisch angespannten Lage können plötzliche Ausfälle bei Banken zusätzliche Sorgen auslösen. Schließlich gehören Zahlungsverkehr und Finanzdienstleistungen zur kritischen Infrastruktur einer Volkswirtschaft.
Doch nicht jede technische Störung ist ein Sicherheitsvorfall, und nicht jeder größere Ausfall geht auf einen Angriff zurück.
Für Kunden bleibt dennoch eine berechtigte Erwartung: Sie müssen sich darauf verlassen können, dass Banken ihre Systeme ausreichend absichern, technische Risiken begrenzen und auch bei Störungen nachvollziehbar informieren.
Was Kunden jetzt tun sollten
Für Betroffene ist zunächst entscheidend, offizielle Statusmeldungen ihrer Bank zu verfolgen und keine überstürzten Maßnahmen zu ergreifen.
Solange der Zugang gestört ist, lässt sich nicht immer feststellen, ob eine bereits angestoßene Zahlung ausgeführt wurde. Wiederholte Zahlungsversuche sollten deshalb mit Bedacht erfolgen.
Sobald das Banking wieder funktioniert, empfiehlt sich die Kontrolle der jüngsten Umsätze, vorgemerkten Zahlungen und offenen Überweisungen.
Wer unberechtigte Buchungen entdeckt, sollte unverzüglich seine Bank kontaktieren. Bei dringenden Zahlungen können alternative Zahlungswege hilfreich sein.
Die aktuelle Störung bei ING und Revolut zeigt damit zweierlei: Technische Probleme können den Zugang zum eigenen Geld erheblich erschweren. Sie bedeuten aber nicht automatisch, dass Guthaben verloren oder Konten gehackt worden sind.
Für Banken bleibt eine zentrale Herausforderung, beides gleichermaßen sicherzustellen: den Schutz der Kundengelder und den verlässlichen Zugang zu ihnen.