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Künstliche Intelligenz teilt den Arbeitsmarkt in zwei Welten

PwC-Studie verbindet künstliche Intelligenz mit höherer Produktivität, steigenden Löhnen und neuen Kompetenzanforderungen

4 Min.

24.06.2026

Der Einsatz künstlicher Intelligenz geht laut einer neuen PwC-Studie nicht automatisch mit Stellenabbau einher. Besonders KI-exponierte Unternehmen steigern Beschäftigung, Produktivität und Löhne sogar überdurchschnittlich. Gleichzeitig verändert die Technologie die Anforderungen an Mitarbeiter in bislang unbekanntem Tempo.
 

Künstliche Intelligenz könnte den Arbeitsmarkt weniger verkleinern als grundlegend neu ordnen. Zu diesem Ergebnis kommt der «Global AI Jobs Barometer 2026» von PwC. Für die Studie wurden mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen aus 27 Ländern und sechs Kontinenten untersucht, darunter 82,6 Millionen aus Deutschland.

Demnach ist das Produktivitätswachstum in den am stärksten von KI beeinflussten Unternehmen 40 Prozent höher als in Unternehmen mit geringer KI-Exposition. Seit dem breiten Durchbruch generativer KI im Jahr 2022 habe sich dieser Vorsprung verdreifacht.

Mehr Produktivität, aber auch mehr Beschäftigung

Die Unternehmen mit der stärksten KI-Exposition bauten ihre Beschäftigung zwischen 2018 und 2024 beziehungsweise 2025 um 52 Prozent aus. Bei den am wenigsten betroffenen Unternehmen waren es 36 Prozent.

Auch die Löhne entwickelten sich in den stärker exponierten Unternehmen besser. Sie stiegen um 24 Prozent, verglichen mit 17 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Die Ergebnisse widersprechen damit der Vorstellung, Unternehmen setzten KI hauptsächlich ein, um Mitarbeiter einzusparen. PwC sieht vielmehr Hinweise darauf, dass besonders erfolgreiche Unternehmen die Technologie nutzen, um neue Produkte zu entwickeln, zusätzliche Märkte zu erschließen und die Leistung ihrer Mitarbeiter zu steigern.

Zwei unterschiedliche Arbeitsmärkte entstehen

Allerdings profitieren nicht alle Tätigkeiten gleichermaßen. PwC unterscheidet zwischen Berufen, die durch KI «professionalisiert» werden, und solchen, die durch sie «demokratisiert» werden.

Bei professionalisierten Tätigkeiten übernimmt die Technologie Routineaufgaben, während für den Menschen komplexere Aufgaben übrig bleiben. Urteilsvermögen, Kreativität, Führung und Fachwissen gewinnen dadurch an Bedeutung. Die Zahl dieser Stellen wächst laut Studie doppelt so schnell wie die der demokratisierten Berufe. Seit 2021 verzeichneten sie außerdem ein um 42 Prozent stärkeres Lohnwachstum.

Bei demokratisierten Tätigkeiten senkt KI dagegen die erforderliche Fachkompetenz. Aufgaben können dadurch von mehr Menschen ausgeführt werden. Das erleichtert zwar den Zugang, erhöht aber zugleich den Wettbewerb und könnte die Austauschbarkeit einzelner Mitarbeiter vergrößern.

Berufliche Fähigkeiten veralten schneller

In den am stärksten von KI betroffenen Berufen verändern sich die verlangten Fähigkeiten mehr als doppelt so schnell wie in wenig exponierten Tätigkeiten. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Abstand laut PwC nochmals um 75 Prozent vergrößert.

Bemerkenswert ist, dass menschliche Fähigkeiten dabei nicht an Bedeutung verlieren. Neue Aufgaben in KI-exponierten Berufen verlangen 2,5-mal häufiger Kompetenzen wie Empathie, Urteilsvermögen und Kreativität.

KI ersetzt demnach vor allem einzelne Arbeitsschritte. Gleichzeitig steigt der Wert jener Fähigkeiten, die sich nur schwer automatisieren lassen.

Die erste Karrierestufe wird anspruchsvoller

Besonders deutlich verändert sich der Berufseinstieg. Juniorpositionen mit hoher KI-Exposition verlangen siebenmal häufiger Fähigkeiten wie strategisches Denken und Führung als wenig betroffene Einstiegsstellen.

Während die Gesamtzahl klassischer Einstiegspositionen in stark exponierten Branchen stagniert, sind solche «seniorisierten» Juniorstellen seit 2019 um 35 Prozent gewachsen. Berufsanfänger sollen damit Aufgaben übernehmen, für die früher mehrere Jahre Erfahrung vorausgesetzt wurden.

Für Unternehmen entsteht daraus ein neues Problem: Wenn KI einfache Aufgaben übernimmt, fehlen möglicherweise jene Tätigkeiten, an denen junge Mitarbeiter bislang ihr Fachwissen aufbauen konnten. Ausbildungs-, Mentoren- und Einstiegsprogramme müssen deshalb neu gestaltet werden.

Zusammenhang ist noch kein Beweis

Die Ergebnisse zeigen starke Zusammenhänge, belegen aber nicht, dass KI allein das höhere Produktivitäts-, Beschäftigungs- und Lohnwachstum verursacht hat. Besonders innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Branchen könnten zugleich stärker in KI investieren und unabhängig davon schneller wachsen.

Zudem leitet PwC die KI-Exposition einzelner Unternehmen weitgehend aus ihrer Branchenzugehörigkeit ab. Die tatsächliche Nutzung der Technologie wurde nicht in jedem Unternehmen separat gemessen.

Dennoch zeichnet die Studie ein deutliches Bild: KI macht menschliche Arbeit nicht grundsätzlich überflüssig. Sie erhöht jedoch das Tempo, in dem Fähigkeiten an Wert gewinnen oder verlieren. Die entscheidende Trennlinie auf dem Arbeitsmarkt könnte deshalb künftig weniger zwischen Mensch und Maschine verlaufen als zwischen Mitarbeitern, deren Fähigkeiten durch KI aufgewertet werden, und jenen, deren Tätigkeiten leichter ersetzbar werden.

SK

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