Finanzen

Starship erreicht erstmals den Orbit – die SpaceX-Aktie fällt trotzdem

Flight 14 war technisch ein Meilenstein und brachte erstmals operative Starlink-Satelliten ins All. An der Börse verlor SpaceX dennoch gut zwei Prozent

7 Min.

29.09.2026

Starship beim Start seines 14. Testflugs in Texas. Erstmals erreichte die Riesenrakete einen echten Erdorbit, setzte operative Starlink-Satelliten aus und absolvierte anschließend einen kontrollierten Wiedereintritt mit Wasserung im Pazifik.

Technisch war es der bislang wichtigste Starship-Flug. Am Montag erreichte die Riesenrakete von SpaceX erstmals eine stabile Erdumlaufbahn und setzte dort 26 Starlink-Satelliten der neuen V3-Generation aus. Damit überschritt das bislang experimentelle Programm erstmals die Schwelle zu einem orbitalen Transportsystem mit operativer Nutzlast. An der Nasdaq löste das jedoch keine Rally aus. Die SpaceX-Aktie verlor am Montag gut zwei Prozent und schloss bei rund 145,50 Dollar. Der Gegensatz zwischen technischem Erfolg und Börsenreaktion zeigt, wie hoch die Erwartungen an das erst seit Juni börsennotierte Unternehmen inzwischen sind.

Die Aktie fällt trotz des bislang wichtigsten Starship-Flugs

SpaceX ging erst im Juni 2026 an die Börse. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar und einer Bewertung von knapp zwei Billionen Dollar war es der größte Börsengang der US-Geschichte.

Seitdem beobachten Anleger nicht nur Umsatz, Ergebnis und Starlink-Kundenzahlen. Auch die Fortschritte des Starship-Programms haben unmittelbare Bedeutung für die Bewertung des Unternehmens.

Am Montag hätte SpaceX dafür eigentlich einen starken Kurstreiber geliefert.

Starship absolvierte seinen 14. integrierten Testflug – und erreichte erstmals die Erdumlaufbahn. Anschließend wurden 26 operative Starlink-V3-Satelliten ausgesetzt. Beide Stufen kehrten kontrolliert zurück und landeten wie vorgesehen im Meer.

Die Aktie reagierte dennoch negativ. Sie verlor gut zwei Prozent auf rund 145,50 Dollar.

Dabei stand allerdings auch der Gesamtmarkt unter Druck. Der S&P 500 sank am Montag um 0,77 Prozent, der Nasdaq Composite um 0,92 Prozent. Steigende Ölpreise und deutlich höhere US-Anleiherenditen belasteten insbesondere wachstumsstarke Aktien.

Aus einem einzelnen Handelstag lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Anleger den Starship-Flug negativ bewerteten. SpaceX fiel jedoch stärker als der breite Technologieindex – trotz eines technisch bedeutenden Erfolgs.

Warum Flight 14 so wichtig war

Die ersten 13 vollständigen Starship-Testflüge waren bewusst suborbital angelegt.

Die Rakete erreichte dabei zwar bereits den Weltraum und annähernd Orbitalgeschwindigkeit, ihre Flugbahn führte aber automatisch wieder zurück in die Atmosphäre. Das diente auch der Sicherheit: Wäre die Kontrolle über das Fahrzeug verloren gegangen, hätte Starship die Erde nicht dauerhaft umkreist.

Flight 14 sollte erstmals darüber hinausgehen.

Nach dem Start von Starbase in Texas brachte der rund 70 Meter hohe Super-Heavy-Booster die Starship-Oberstufe auf ihren Weg ins All. Während des Aufstiegs schaltete sich eines der Raptor-Triebwerke der Oberstufe vorzeitig ab.

Nach Prüfung der Flugdaten entschied die Missionskontrolle dennoch, mit dem entscheidenden zweiten Triebwerksmanöver fortzufahren.

Es gelang. Starship erreichte erstmals einen echten Erdorbit.

Kurz danach öffnete sich die Nutzlastsektion und setzte 26 Starlink-Satelliten der neuen V3-Generation aus. Damit transportierte Starship erstmals Satelliten, die anschließend tatsächlich in der Erdumlaufbahn bleiben und Teil des kommerziellen Starlink-Netzes werden sollen.

Ursprünglich waren ungefähr sechs Erdumrundungen innerhalb von knapp zehn Stunden vorgesehen. Nach dem Triebwerksproblem verkürzte SpaceX die Mission vorsichtshalber. Nach gut drei Stunden verließ Starship seine Umlaufbahn wieder, trat kontrolliert in die Atmosphäre ein und wasserte im Pazifik nördlich von Hawaii.

Das wichtigste Missionsziel war zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht.

Starship wird für Starlink wirtschaftlich relevant

Vor allem die 26 Satelliten erklären, weshalb der Test für Anleger mehr ist als ein spektakuläres Raumfahrtereignis.

Die neue Starlink-V3-Generation ist erheblich leistungsfähiger als ihre Vorgänger. Nach Angaben von SpaceX soll jeder Satellit ungefähr ein Terabit pro Sekunde zusätzliche Netzkapazität bereitstellen. Mit den 26 Satelliten dieser Mission kommen damit rechnerisch 26 Terabit pro Sekunde hinzu.

SpaceX gibt an, dass allein Flight 14 dadurch ungefähr zehnmal so viel zusätzliche Starlink-Kapazität transportierte wie ein typischer Start der bisherigen V2-Mini-Satelliten mit einer Falcon 9. Dafür benötigt SpaceX Starship.

Die größeren V3-Satelliten sind auf die enorme Nutzlastkapazität der neuen Rakete zugeschnitten. Langfristig soll ein Starship deutlich mehr Satelliten pro Start transportieren können als Falcon 9.

Damit hängen zwei der wichtigsten Geschäftsbereiche des Unternehmens immer stärker zusammen: Starship soll die Transportkosten und die verfügbare Masse pro Start verändern, während Starlink mit seinem wachsenden Satellitennetz zugleich für eine hohe Auslastung der neuen Rakete sorgen könnte.

Aus einem Entwicklungsprogramm wird damit schrittweise Infrastruktur für das operative Geschäft.

Der Markt erwartet bereits sehr viel

Dass die Aktie trotzdem nicht deutlich zulegte, lässt sich deshalb auch anders lesen: Ein erfolgreicher Starship-Flug ist bei einer Unternehmensbewertung von rund zwei Billionen Dollar längst nicht nur erfreuliche Zukunftsmusik.

Er ist zunehmend Voraussetzung dafür, dass die bereits eingepreisten Wachstumsannahmen überhaupt erreichbar werden.

Barron’s verweist darauf, dass ein großer Teil der Wall-Street-Analysten SpaceX weiterhin positiv beurteilt und das durchschnittliche Kursziel deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus liegt. Selbst eine neue Kaufempfehlung von CLSA mit einem Kursziel von 250 Dollar konnte die Aktie am Montag jedoch nicht nach oben bewegen.

Gene Munster von Deepwater Asset Management argumentiert sogar, der Markt unterschätze die Bedeutung des Orbitalflugs.

Aus seiner Sicht verändert Starship langfristig nicht nur das klassische Startgeschäft. Die enorme Transportkapazität könnte den Aufbau deutlich größerer Satellitennetze beschleunigen und damit sowohl Starlink als auch neue Anwendungen wie Recheninfrastruktur im All ermöglichen.

Ob daraus tatsächlich entsprechende Umsätze und Gewinne entstehen, ist allerdings eine andere Frage.

Der schwierigere Teil kommt noch

Flight 14 hat bewiesen, dass Starship eine große operative Nutzlast in den Orbit transportieren und anschließend kontrolliert zurückkehren kann.

Das vollständige wirtschaftliche Versprechen des Systems ist damit noch nicht eingelöst.

SpaceX will langfristig sowohl den Super-Heavy-Booster als auch die Starship-Oberstufe wiederverwenden. Entscheidend wäre nicht nur eine Rückkehr zur Erde, sondern eine schnelle Wiederaufbereitung und erneute Verwendung derselben Fahrzeuge.

Darin liegt der wirtschaftliche Kern des gesamten Konzepts.

Falcon 9 hat die Startkosten bereits dadurch gesenkt, dass die erste Raketenstufe mehrfach eingesetzt werden kann. Starship soll dieses Prinzip erheblich weiter treiben: Beide Stufen sollen vollständig und möglichst schnell wiederverwendbar sein.

Erst wenn das regelmäßig gelingt, könnte Starship die Startfrequenz massiv erhöhen und die Kosten je transportiertem Kilogramm deutlich reduzieren.

Auch die NASA wartet auf weitere Fortschritte. Eine Starship-Version ist für das Artemis-Mondprogramm vorgesehen, und vor einer bemannten Landung müssen noch zentrale Technologien wie Docking und Treibstofftransfer im Orbit demonstriert werden.

Flight 14 war dafür ein notwendiger Schritt – nicht der letzte.

Ein Erfolg, der an der Börse bereits erwartet wurde

Die Börsenreaktion wirkt deshalb weniger widersprüchlich, als sie zunächst erscheint.

Starship hat am Montag etwas erreicht, was dem Programm jahrelang nicht gelungen war: Orbit, operative Nutzlast und kontrollierte Rückkehr in einer einzigen Mission.

Für ein junges Raumfahrtunternehmen wäre das möglicherweise ein Grund für einen Kurssprung.

SpaceX wird an der Börse jedoch nicht mehr wie ein experimentelles Raumfahrt-Start-up bewertet. Seit dem Rekord-IPO steht dahinter ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen Dollar und entsprechend großen Wachstumserwartungen.

Damit verändert sich auch die Messlatte.

Ein erfolgreicher Orbitalflug beweist, dass Starship technisch vorankommt. Für Anleger wird künftig entscheidender, wie schnell SpaceX daraus ein zuverlässiges, wiederverwendbares und profitables Transportsystem machen kann.

Der erste Orbit war dafür ein Meilenstein.

An der Börse war er offenbar vor allem etwas anderes: erwartet.

Stefanie S. Klief

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