Donald Trump erklärt die Straße von Hormus für von Minen geräumt und unter Kontrolle der USA. An den Rohstoffmärkten sorgt das jedoch nicht für Entspannung: Der Ölpreis steigt deutlich, weil eine politische Lösung mit Iran weiter entfernt scheint und nur wenige Schiffe die strategisch wichtige Meerenge passieren.
Trump meldet vollständige Minenräumung
Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump haben amerikanische Streitkräfte sämtliche iranischen Minen aus der Straße von Hormus entfernt. Die USA hätten die Kontrolle über die Meerenge und die wichtige Schifffahrtsroute sei geöffnet, erklärte Trump im Weißen Haus. Eine vollständige Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr lässt sich daraus bislang jedoch nicht ableiten.
Die aktuellen Verkehrsdaten zeichnen ein deutlich vorsichtigeres Bild. Reuters zufolge passierten am Montag lediglich sechs Schiffe die Straße von Hormus. Im Durchschnitt der vorherigen zehn Tage waren es etwaelf. Die Nettoexporte von Rohöl und Ölprodukten durch die Meerenge lagen in der Woche bis zum 7. August bei rund drei Millionen Barrel täglich, nach 4,4 Millionen Barrel in der Vorwoche.
Ölpreis steigt auf höchsten Stand seit Ende Juli
Statt auf Trumps Entwarnung reagieren die Rohstoffmärkte derzeit vor allem auf die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Brent-Rohöl verteuerte sich am Dienstagvormittag um 2,38 Prozent auf 89,81 US-Dollar je Barrel. WTI stieg um 2,62 Prozent auf 84,28 US-Dollar. Beide Sorten erreichten damit den höchsten Stand seit dem 31. Juli. Bereits am Montag hatten die Ölpreise um mehr als fünf Prozent zugelegt.
Belastet wird die Aussicht auf eine schnelle Wiederöffnung der Meerenge durch neue politische Forderungen. Iran verlangt unter anderem ein Ende amerikanischer Sanktionen und Entschädigungen. Trump wiederum fordert nun seinerseits Zahlungen Teherans für Tote und Schäden aus Konflikten und Angriffen der vergangenen Jahrzehnte. Damit haben sich die Positionen zuletzt eher voneinander entfernt.
Warum Hormus für die Weltwirtschaft entscheidend bleibt
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Engpässen des weltweiten Energiehandels. Im 1. Halbjahr 2025 wurden dort durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl pro Tag transportiert – rund 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs an Erdöl und Erdölprodukten. Gleichzeitig liefen mehr als 20 Prozent des weltweiten Handels mit Flüssiggas durch die Meerenge.
Ausweichmöglichkeiten gibt es nur begrenzt. Pipelines in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten können einen Teil der Mengen an Hormus vorbeiführen, reichen aber bei Weitem nicht aus, um den üblichen Schiffsverkehr zu ersetzen.
Was bleibt
Trumps Erklärung zur Minenräumung beseitigt eines der militärischen Risiken in der Straße von Hormus – zumindest nach Darstellung der US-Regierung. Für den Ölmarkt reicht das bislang nicht zur Entwarnung.
Solange Tanker die Meerenge nur eingeschränkt nutzen, Versicherungs- und Transportkosten hoch bleiben und Washington und Teheran keine politische Lösung finden, bleibt ein erheblicher Risikoaufschlag im Ölpreis. Entscheidend ist für die Märkte deshalb nicht, ob die Minen verschwunden sind – sondern ob das Öl wieder ungehindert fließt.
Stefanie S. Klief