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Russlands neue Drohkulisse

Lawrow will westliche Nachschubstrukturen härter bekämpfen, London soll für Drohnenlieferungen »bezahlen«. Die Eskalationsrhetorik zeigt, wie stark sich der Krieg inzwischen auf Europas Sicherheitsraum ausweitet

5 Min.

18.08.2026

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigt an, alles härter zu bekämpfen, was die ukrainische Kriegsführung aus dem Westen unterstützt. Fast gleichzeitig warnt die russische Botschaft Großbritannien vor Konsequenzen, nachdem britische Drohnen bei ukrainischen Angriffen tief im russischen Staatsgebiet eingesetzt worden sein sollen. Berlin und London reagieren demonstrativ gelassen. Doch hinter dem Wortgefecht steckt eine reale Verschiebung: Der Krieg wird militärisch weiterhin in der Ukraine und Russland geführt – seine Droh-, Logistik- und Sicherheitszone reicht inzwischen weit nach Europa hinein.

Lawrow kündigt härteres Vorgehen gegen westliche Hilfe an

Lawrow erklärte im russischen Staatsfernsehen, Moskau werde seine Methoden deutlich verschärfen, um jene Strukturen zu zerstören, die die ukrainische Kriegsführung aus dem Westen speisen. Russland wirft insbesondere den USA vor, nicht nur Waffen, sondern auch Geheimdienstinformationen für ukrainische Angriffe tief im russischen Staatsgebiet bereitzustellen. Washington hat sich zu den konkreten Vorwürfen bislang nicht geäußert.

Die Bundesregierung weist die russische Drohkulisse zurück. Berlin hat bereits mehrfach erklärt, sich durch russische Eskalationsdrohungen nicht von der Unterstützung der Ukraine abbringen zu lassen. Die Haltung lautet ausdrücklich, man werde sich »nicht einschüchtern lassen«.

Noch brisanter wird diese Aussage durch die Sicherheitslage in Deutschland selbst.

Anfang August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt. Die sächsischen Ermittlungsbehörden untersuchen den Vorfall wegen des Verdachts eines versuchten Sprengstoffanschlags und eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Eine offizielle deutsche Zuschreibung an Russland gibt es bislang nicht. US-Geheimdienste bringen den Vorfall Medienberichten zufolge jedoch mit russischen Diensten in Verbindung. Moskau weist jede Verantwortung zurück.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach anschließend von einer täglichen hybriden Bedrohung Deutschlands durch ausländische Akteure und verwies auf Spionage, Sabotage und Cyberangriffe. Russland nannte er im Zusammenhang mit Leipzig ausdrücklich nicht.

Nun gerät Großbritannien ins Visier

Noch direkter fällt die russische Drohung gegenüber London aus.

Nach einem Bericht der »Sunday Times« sollen Drohnen britischer Hersteller bei ukrainischen Langstreckenangriffen auf Ziele in Russland eingesetzt worden sein. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte den konkreten Einsatz nicht. Großbritannien hat allerdings angekündigt, der Ukraine bis Ende 2026 insgesamt 150.000 Drohnen im Rahmen eines 752 Millionen Pfund schweren Programms bereitzustellen.

Die russische Botschaft in London warf Großbritannien daraufhin eine bewusste Eskalation vor und bezeichnete das Land als Mitverantwortlichen ukrainischer Angriffe. Die britische Regierung werde dafür einen »Preis« zahlen, hieß es, ohne konkrete Maßnahmen zu nennen.

London reagierte ähnlich wie Berlin: Die Unterstützung der Ukraine werde fortgesetzt. Die britische Regierung verwies darauf, dass sich Kiew gegen die russische Invasion verteidige.

Warum Moskau gerade jetzt schärfer droht

Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Die Ukraine hat ihre Fähigkeit zu weitreichenden Angriffen auf russisches Gebiet erheblich ausgebaut. Am vergangenen Wochenende startete sie einen der größten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn. Ziele lagen unter anderem im Moskauer Umland und in der Region Rostow. Auch Logistik- und Industrieanlagen wurden getroffen. Bei den Angriffen starben nach russischen Behördenangaben mindestens sechs Menschen.

Damit verändert sich ein Teil der militärischen Gleichung.

Russland führt seit Jahren massive Raketen- und Drohnenangriffe gegen ukrainische Städte, Energieanlagen und Infrastruktur. Die Ukraine versucht ihrerseits zunehmend, jene wirtschaftlichen und logistischen Strukturen tief in Russland zu treffen, die Moskaus Kriegsführung ermöglichen.

Je größer dabei Reichweite und technische Qualität ukrainischer Waffen werden, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, welche Rolle westliche Staaten bei ihrer Entwicklung, Finanzierung und Bereitstellung spielen.

Moskau nutzt genau diesen Punkt für seine Abschreckungsstrategie.

Wann wird Unterstützung zur Kriegsbeteiligung?

Russland argumentiert seit Langem, dass westliche Staaten durch Waffenlieferungen immer stärker zu unmittelbaren Konfliktparteien würden. Bereits 2025 warnte Präsident Wladimir Putin Deutschland, eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern könne als direkte Beteiligung am Krieg verstanden werden.

Völkerrechtlich folgt daraus jedoch nicht automatisch, dass ein Staat durch die Lieferung von Waffen an die Ukraine selbst Kriegspartei wird. Das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine gegen den russischen Angriff erlaubt grundsätzlich auch Unterstützung durch Drittstaaten.

Politisch ist die Grenze trotzdem entscheidend.

Denn Moskau kann versuchen, die Kosten westlicher Unterstützung zu erhöhen, ohne einen offenen militärischen Angriff auf einen NATO-Staat zu riskieren.

Cyberattacken, Sabotage, Desinformation, Spionage und schwer zuzuordnende Drohnenvorfälle bewegen sich genau in diesem Graubereich. Deutschlands militärische Führung warnt inzwischen ausdrücklich davor, dass Russland mit hybriden Aktionen die Reaktionsfähigkeit der NATO teste.

Die gefährlichste Zone liegt zwischen Krieg und Frieden

Damit entsteht für Europa ein zunehmend schwieriges Sicherheitsproblem.

Ein offener russischer Angriff auf Deutschland oder Großbritannien hätte völlig andere Konsequenzen als ein Angriff auf die Ukraine. Beide Staaten sind NATO-Mitglieder. Artikel 5 des Nordatlantikvertrags sieht bei einem bewaffneten Angriff grundsätzlich die gemeinsame Verteidigung vor.

Gerade deshalb sind hybride Operationen strategisch attraktiv: Sie können erheblichen Schaden verursachen, bleiben aber häufig unterhalb jener Schwelle, bei der eindeutig von einem militärischen Angriff gesprochen werden kann.

Der Vorfall von Leipzig zeigt das Dilemma besonders deutlich.

Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne auf einem großen europäischen Frachtflughafen ist ein massives Sicherheitsproblem. Solange der Urheber jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, bleibt die politische Reaktion begrenzt.

Stefanie S. Klief

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