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»Wegbleiben statt Mitmachen« als strukturelles Problem: Top-Ökonom Sinn warnt

Deutschland verliert Talente wegen fehlender Anreize

2 Min.

05.01.2026

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn schlägt Alarm: Menschen würden verstärkt aus Deutschland abwandern, weil wirtschaftliche und gesellschaftliche Anreize fehlen und der deutsche Sozial- und Arbeitsmarkt zu wenig Perspektiven biete. Sinn sieht darin nicht nur ein demografisches Problem, sondern eine strukturelle Gefahr für Wachstum, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.

In seiner Kritik betont Sinn, dass der deutsche Staat zu stark jene »finanziell stärke« die nicht am Arbeitsleben teilnehmen, anstatt produktive Aktivitäten zu belohnen. Aus seiner Sicht entstehen dadurch falsche Anreize, die junge Menschen wie Fachkräfte davon abhalten, langfristig im Land zu bleiben oder sich hier beruflich zu verwirklichen. Insbesondere für Start-ups, innovative Unternehmen und technologiegetriebene Branchen könne das mittelfristig zu einem Fachkräftemangel führen, der sich negativ auf Wachstum und Investitionen auswirkt.

Der frühere Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung kritisiert zudem, dass Deutschland sich in Richtung einer Gerontokratie bewege, in der der Fokus stärker auf der Bewahrung bestehender Besitzstände und weniger auf der Schaffung von Zukunftschancen liege. Ohne eine klare Strategie, junge Menschen zu motivieren und ihnen echte berufliche und wirtschaftliche Anreize zu bieten, drohe ein fortgesetzter Abfluss von Talent und Investitionskraft.

Was das für Wirtschaft und Arbeitsmarkt bedeutet

Sinns Analyse trifft auf eine Realität, die viele Unternehmen längst spüren: Der Wettbewerb um Fachkräfte wird härter, Start-ups und Mittelständler kämpfen um Talente — vor allem im Technologiebereich. Sinkende Anreize können dazu führen, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte nach attraktiveren Standorten im Ausland schauen, wo Löhne, Karriere-Perspektiven und Regulierung als günstiger empfunden werden.

Seine Warnung ist damit nicht nur ein ökonomisches Statement, sondern ein Appell an Politik und Wirtschaft, strukturelle Reformen anzugehen – etwa bei Besteuerung, Arbeitsmarktregeln, Qualifizierung und Innovationsförderung –, bevor langfristig Wettbewerbsnachteile entstehen.

Laut Hans-Werner Sinn gefährdet ein Mangel an wirtschaftlichen Anreizen die Attraktivität Deutschlands als Lebens- und Arbeitsstandort – mit möglichen Folgen für Talente, Investoren und das künftige Wirtschaftswachstum.

SK

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